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Lokalsport
Der Herr der Kegel

Ratingen. Vor 41 Jahren wurde Manfred Pock zuletzt Deutscher Meister - bis jetzt. In Oberthal holte der 76-Jährige den Titel. Von Falk Janning

Manfred Pock hat im Kegeln so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er war Europacup-Sieger mit der Nationalmannschaft, Europa- und Weltmeister, 1979 hielt er sogar einen Weltrekord. Doch über seinen bisher letzten Triumph hat er sich ganz besonders gefreut: In Oberthal wurde der 76-Jährige Deutscher Meister in der C-Klasse. Zum zweiten Mal in seiner Karriere holte er damit einen Einzeltitel bei der Deutschen Meisterschaft. Mit 850 von 1080 möglichen Punkten setzt er sich an die Spitze des Feldes.

Stolze 41 Jahre hat er auf diesen zweiten Titel bei nationalen Titelkämpfen warten müssen, nachdem er 1975 zum ersten Mal im Einzel triumphiert hatte. "Das ist für mich eine ganz besondere Ehre, noch einmal an der Spitze zu stehen", sagt der rüstige Sportler des Vereins Ratinger Kegler - und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Dass er den Titel ausgerechnet im Jahr des 70. Geburtstages seines Vereins gewann, mache die Sache noch schöner, sagt er. "Da haben der Verein und ich gleich doppelten Grund zur Freude." Für die Endrunde qualifiziert hatte er sich durch den Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft.

Seit 60 Jahren ist er bereits auf den Kegelbahnen zu Hause. Dabei wollte er eigentlich Fußballer werden, träumte wie die meisten Jungen von einer Karriere bei Fortuna Düsseldorf. Groß wurde er nur wenige Meter entfernt vom Paul-Janes-Stadion in Flingern, trainierte unter den Coaches Theo Breuer und Puckel Bender und war glühender Anhänger der ersten Mannschaft. Mit dem Fahrrad fuhr er bis nach Münster, um sein Idol Toni Turek im Fortuna-Tor zu unterstützen. Seine eigene Karriere war früh zu Ende: Bereits in der A-Jugend stoppte ihn eine Knöchelverletzung.

Nach dem Aus im Fußball wendete sich Pock verstärkt dem Kegeln zu. Schon als Neunjähriger hatte er als Kegeljunge gearbeitet. Drei Mark gab es 1949, wenn man dreieinhalb Stunden lang die Kegel wieder aufstellte, sagt er. Später gab es auch schon mal zehn Mark. Zwölf Jahre lang arbeitete Pock auf den Kegelbahnen und schaute den Assen fasziniert bei ihrem Sport zu. Er bewunderte vor allem das technische Können der Spitzenleute und wollte ebenso gut werden. "Ich habe viel durch das Zuschauen gelernt", sagt Pock. Er wurde schnell zu einem der Besten der Nation, gewann mit Rheingold Düsseldorf die Deutsche Meisterschaft und den Europacup. 1971 wurde er Vize-Europameister im Einzel und mit der Nationalmannschaft in Belgien Europameister, 1979 gewann er die Einzel-Weltmeisterschaft in Hagen.

Kegeln ist für ihn der Jungbrunnen, halte ihn fit, sagt der Mann, der früher als Bau- und Möbelschreiner bei der Stadt Düsseldorf arbeitete. Sein Trainingspensum beträgt 200 bis 250 Kugeln pro Woche. Als Ausgleich dienen ihm die Übungen in der Gymnastikgruppe beim TuS Lintorf. "Ohne diese Übungen geht es nicht", sagt der Mann, der immer noch die Vereinsjugend trainiert und der ersten Mannschaft angehört. Das Team kämpft in der vierthöchsten Spielklasse, der Regionalliga, um Punkte. Sein Erfolgsrezept? "Fitness, Frische und Mut", sagt er. "Und meine Routine. Wenn die Jungen es mit roher Kraft versuchen und die Kugel mit Gewalt über die Bahn prügeln, dann habe ich meist eine technische Lösung parat, mit der ich mich durchsetzen kann."

Quelle: RP
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