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Der Junge, der China besiegte

Lokalsport: Der Junge, der China besiegte
Jörn Steinwachs spielte bei Borussia Düsseldorf - in die Bundesliga will er aber nicht. FOTO: Falk Janning
Ratingen. Der Ratinger Jörn Steinwachs ist mit 16 Jahren einer der wenigen deutschen Tischtennis-Spieler, die einen großen internationalen Erfolg vorweisen. Von Falk Janning

"China im Tischtennis zu schlagen, das ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Jörn Steinwachs. Vor allem, wenn der Erfolg über die mächtigste Tischtennis-Nation der Welt im Endspiel einer Weltmeisterschaft gelingt. Dem 16-Jährigen aus Ratingen-West ist das gemeinsam mit seinen Kameraden von der Schulmannschaft des Lessing-Gymnasiums gelungen: Mit 4:2 siegten Gerrit Engemann, Alexander Gerhold, Jannik Xu und Jörn Steinwachs im israelischen Eilat über den Topfavoriten und wurden Weltmeister. "Das gab es noch nie, natürlich haben wir das ganz groß gefeiert", sagt Steinwachs.

Mit dem Erfolg des Außenseiters über die Asiaten hatte niemand gerechnet. Auch eine Vize-Weltmeisterschaft wäre schon ein großer Erfolg gewesen. Gleich in der ersten Partie hatten Steinwachs & Co. die Weichen fürs Weiterkommen gestellt: Da hatten sie Taiwan in einer dramatischen Auseinandersetzung nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:3 bezwungen. Dieser Erfolg im Gruppenspiel über den Zweiten der vorausgegangenen Weltmeisterschaft war zwar nicht fürs Weiterkommen wichtig, doch er garantierte, dass die Düsseldorfer nicht schon in den nächsten Runden auf China trafen. Und so hatte die Schulmannschaft aus Düsseldorf freie Bahn und traf auf "einfache" Gegner: Sie fegte Armenien und Brasilien mit jeweils 7:0 von der Platte, und sie ließen auch der Türkei beim 6:1 keine Chance. Gastgeber Israel bezwangen die Düsseldorfer in der Runde der letzten Acht mit 4:0 und zogen ins Halbfinale ein. Dort gelang durch ein 4:1 gegen Griechenland die Qualifikation für das Endspiel, wo Jörn Steinwachs und seine Freunde über sich hinauswuchsen und China mit 4:2 bezwangen.

Der Aufstieg von Jörn Steinwachs im Tischtennis ist rasant verlaufen. Den Sport mit dem Celluloidball hatte er mit acht Jahren beim ASC Ratingen-West begonnen. Sein Trainer Andy Stache entdeckte das Talent seines Schützlings und vermittelte ihm einen Platz in der Jungen-Mannschaft beim 1. Neusser TTC Nordstadt, die in der Verbandsliga spielte. Dort machte der schmächtige Junge dann so große Fortschritte, dass er im Alter von 13 Jahren zu Borussia Düsseldorf wechselte und fortan für die Herren-Mannschaft antrat, die in der Verbandsliga spielte. Er stieg mit der Truppe um Spitzenspieler Johannes Dimmig in die NRW-Liga auf. Nach dem Abstieg im vergangenen Jahr zurück in die Verbandsliga (Steinwachs: "Wir hatten viel Verletzungspech") musste der 16-Jährige wechseln. "Ich wäre ich unterfordert gewesen", sagt er. Und so schloss er sich vor dieser Saison Germania Wuppertal an, die in der Regionalliga spielen, der vierthöchsten Klasse.

Vor fünf Jahren war Jörn Steinwachs vom Dietrich-Bonhoeffer- zum Lessing-Gymnasium gewechselt, das einen leistungssportlichen Schwerpunkt hat. Nur so ist er in der Lage, im Bundesleistungszentrum am Staufenplatz siebenmal in der Woche Tischtennis zu trainieren. 2018 macht er dort sein Abitur. Welche berufliche Richtung er einschlagen wird, das weiß er noch nicht.

Spektakuläre Träume von seiner sportlichen Zukunft hat der Ratinger nicht. "Ich träume nicht von einer Olympia-Teilnahme oder anderen großen Erfolgen", sagt er. "Ich spiele nur aus Spaß Tischtennis." Fast ausgeschlossen findet er, dass er in der Bundesliga landen wird. "Wenn man nicht sicher ist, dass man ein Topspieler wird und in die Nationalmannschaft berufen wird, ist das im Tischtennis nicht empfehlenswert", meint er. Man würde wegen des zeitlichen Aufwandes seine berufliche Laufbahn nicht vorantreiben können - dafür aber nicht entsprechend entlohnt werden.

Quelle: RP
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