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Leichtathletik
Der Rekord: 200 Kilometer in 24 Stunden

Leichtathletik: Der Rekord: 200 Kilometer in 24 Stunden
Gute-Laune-Starter: Auch der Vorjahressieger Stilianos Zirinidis aus Ennepetal war wieder sehr gerne nach Breitscheid gekommen. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Beim 24-Stunden-Lauf des TuS Breitscheid legten die Teilnehmer eine Strecke zurück, die zusammengerechnet von Ratingen bis Shanghai reichte. Roland Riedel, der 40 Runden schaffte, sieht den Normal-Marathon als "Kurzstrecke". Von Dirk Neubauer

In der letzten der insgesamt 40 Fünf-Kilometer-Runden stand Roland Riedel am Rand irgendeines Breitscheider Feldes und würgte. Magenprobleme - ausgerechnet kurz vor dem Ziel. "Es klang fürchterlich. doch es kam nur heiße Luft", sagte er hinterher. Immerhin sorgte der unplanmäßige Stopp für Erleichterung. Roland Riedel vom Verein Adler-Langlauf Bottrop verbesserte den bisherigen Rekord beim 24-Stunden-Lauf des TuS Breitscheid um fünf Kilometer. 200 Kilometer hatte er am Ende geschafft. Insgesamt legten die rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb eines Tages die über 8000 Kilometer lange Strecke von Ratingen nach Shanghai zurück - als Läufer, Walker, Inliner, Barfußläufer oder Radler. Ein Athlet war sogar gar per Tretroller unterwegs.

"Ein Marathon ist für mich eine Kurzstrecke", erzählte Riedel, der trotzdem zurückhaltend wirkte. Seit 1998 läuft er die langen Strecken und die 24 Stunden von Breitscheid waren seither sein 402. Marathon oder Ultramarathon. Um die 200-Kilometer-Grenze zu knacken, ist Riedel die gesamte Nacht hindurch gelaufen: "Gott sei Dank war es eine kurze Sommernacht. Im Dunkeln macht mir das nicht so viel Spaß."

Viele andere legten sich für ein, zwei, manchmal fünf Stunden aufs Ohr. "Nach 150 Kilometern habe ich mir die ersten Gehpausen gegönnt - da war mir klar, dass ich es schaffen kann", erzählt Riedel. Gewissermaßen zum Auslaufen folgte am gestrigen Sonntag ein sechs Kilometer langer Spaziergang gemeinsam mit Ehefrau und Schwiegermutter: "Und zwei Tage nach einem solchen Ultramarathon habe ich schwere Beine." Dagegen helfen Gymnastik oder ein wenig Aquajoggen.

Der Beweis in Zahlen: Der neue Rekordhalter Roland Riedel hatte die 200 Kilometer tatsächlich innerhalb der 24 Stunden geschafft. FOTO: dne

Am Freitag um genau 18 Uhr hatte Jürgen Bock, der Erste Vorsitzende des TuS Breitscheid, die Ratinger Tor-Tour mit seinem Startschuss eröffnet. Immer tickte ab jetzt eine rote Digitalanzeige und zeigte allen, wie viel noch bis zur Vollendung der 24 Stunden fehlt. Klaus Stemmer und Bernd Dreyer aus dem Organisationsteam notierten Runde für Runde im Computer. Für jede vollendete Fünf-Kilometer-Schleife gab es einen Euro als Spende für die Ratinger Helen-Keller-Schule. Gewissermaßen nebenbei lief Dreyer selber 100 Kilometer.

Allein über den Rundenzähler kamen 8050 Euro zusammen, die die Förderschule in eine eigene Boccia-Bahn investieren möchte. Schulleiterin Greta Kämmer begründete den Plan: "Wir haben seit einem Jahr ein Boccia-Team, das bei den Special Olympics NRW sehr erfolgreich war. Wenn wir uns jetzt verbessern wollen, brauchen wir bessere Trainingsmöglichkeiten." Boccia/Boule gehört zum Disziplinen-Katalog der Special Olympics.

Bernd Nuß aus Menden steuerte mit seinem Tretroller für Erwachsene 180 Kilometer bei: "Das ist wie eine Therapie." Früher lief er ebenfalls Ultra-Marathons, doch das musste er wegen einer Wirbelsäulenverletzung von einem auf den anderen Tag einstellen: "Den Roller habe ich neu - und ihn hier gewissermaßen eingefahren."

Einen Sonderapplaus bekamen Brigitte und Manfred Leismann aus Witzhelfen. Die 64 und 68 Jahre alten Starter hatten den Breitscheider Kreisel walkend durcheilt - in den ersten zwölf Stunden jeder für sich, danach zusammen als Paar. Auf dieser Art kam Brigitte 80 und ihr Mann Manfred 100 Kilometer weit.

Quelle: RP
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