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Frauen-Handball im freien Fall

Es sieht düster aus – aktuell, aber vor allem in Zukunft. Dem Verbandsligisten TuS Lintorf und dem Landesligisten TV Ratingen mangelt es an Nachwuchs. Von Werner Möller

Der TuS Lintorf schaffte in der letzten Saison recht souverän den Aufstieg in die Handball-Verbandsliga der Frauen. Der Klassenerhalt wurde in dieser Spielzeit aber eigentlich nur deshalb erreicht, weil der einzige Absteiger mit TB Oberhausen schon früh feststand. Drei Spiele stehen noch aus. Die Lintorferinnen werden wohl als Vorletzter einlaufen. Das reicht.

Dennoch wird, da deutet alles drauf hin, Kalle Töpfer im Traineramt bleiben. "Wenn ich nach dieser sicherlich nicht guten Saison hinwerfe, dann treten noch eine ganz Reihe von Spielerinnen zurück", erklärte er. "Deshalb denke ich schon, weiter zu machen."

Er sucht nun eine neue Torfrau, da die 43 Jahre alte Duisburgerin Anja Twellmeier aufhören wird. Und eine Rückraumspielerin wird dringend benötigt. Töpfer bedauert es, dass aus dem Lintorfer Nachwuchsbereich kaum etwas hochkommt. Zwei A-Juniorinnen trainieren mit, es sollen auch noch zwei weitere mit Doppelspielberechtigung dazu kommen. Ob sie aber schon in der Verbandsliga mithalten können, ist zweifelhaft. Töpfer: "Wir versuchen, sie ganz vorsichtig an diese Aufgaben heran zu führen. Wir haben derzeit in der Mädchen-Jugend einen großen Stillstand. Es bewegt sich nur wenig, aber daran wollen wir arbeiten." Sein Plan: Mit der D-Jugend beginnen und dann darauf hoffen, dass irgendwann in der Ferne wieder Spielerinnen dazukommen. Aktuell sieht sich Töpfer in der Umgebung um: "In Wülfrath und Mettmann gibt es einige Mädchen, die recht ordentlich Handball spielen können. Aber da kommen wir kaum ran."

Der TV Ratingen ist der zweite Verein in dieser Stadt, der Frauen-Handball bietet. Die restlos überalterte Mannschaft schaffte in der Landesliga nur mit Mühe den Klassenerhalt (derzeit Achter, elf Teams, es gibt nur einen Absteiger) und wird in der neuen Saison ordentlich verjüngt. Trainer Christopher Thomas, 28 Jahre alt, verheiratet und als Diplom-Ingenieur bei Daimler tätig, ist ein TV-Urgestein, wird aber als Trainer nicht mehr zur Verfügung stehen. "Ich möchte selbst wieder mehr Sport treiben, etwa Hallenfußball hier im TV. Es ist einfach zu zeitaufwenig, so ein Trainer-Job im Frauen-Handball", erklärt er.

Thomas wird aber Frauenwartin Bea Egert helfen, dass ein guter Nachfolger gefunden wird. Und Bea Egert plant schon die neue Saison. Ohne die besten Werferinnen Monika Wagner, Birgit Cordes und Steffi Elltrott. Spielerinnen, die deutlich über die 40 hinaus sind und dennoch in den letzten Jahren stets die nötigen Tore geworfen haben. Dennoch, vom Rückschritt will Christopher Thomas nichts wissen: "Drei A-Juniorinnen haben wir schon eingesetzt. Das sind Lea Epke, Dominika Milczek und Torfrau Friderike Jäger. Die haben ordentlich mitgehalten. Es kommen noch einige weitere A-Juniorinnen dazu, denn die bisherige A-Jugend wird aufgelöst und komplett in den Frauen-Bereich übernommen. Ich glaube schon, dass in der kommenden Saison eine gute Mannschaft aufläuft."

Bea Egert trainerte diese A-Jugend und führte sie in der Kreisliga auf Platz drei. Es wird aber keine neue A-Jugend mehr gemeldet und wohl auch keine B-Jugend. Erst im C-Jugendbereich unter Katrin Doh geht es wieder los. Damit deutet sich auch beim TVR eine langjährige Durststrecke an.

Quelle: RP
 
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