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Homberg kämpft für Flamur Rrahmani

Lokalsport: Homberg kämpft für Flamur Rrahmani
Echte Freunde: Flamur Rrahmani (Dritter von links) fühlt sich wohl bei den Homberger Fußballern. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der 25-Jährige kam aus dem Kosovo nach Deutschland und fühlt sich als Fußballer beim TuS heimisch. Ob er bleiben darf, ist trotzdem ungewiss. Der erste Antrag auf Asyl wurde abgelehnt, das zweite Verfahren wird noch bearbeitet. Von Nils Jewko

Immer dann, wenn Flamur Rrahmani mit dem Ball am Fuß über den Platz läuft, hat er ein Lächeln im Gesicht. Für zwei Stunden kann er seinen Kopf ausschalten und alles ausblenden. "Beim Fußball vergesse ich einfach meine ganzen Sorgen. Ob ich hier bleiben darf oder nicht", berichtet er. Auf Deutsch. Nur sehr selten muss der gebürtige Kosovare nach den passenden Wörtern suchen. Schließlich lebte der 25-Jährige in seiner Kindheit bereits sieben Jahre in Deutschland, ehe er vor rund vier Monaten nach Ratingen zurückkehrte. Trotz seines Schulabschlusses und des angefangenen Studiums (Deutsch und Literatur) habe er den Schritt wegen der Perspektivlosigkeit im Kosovo und für ein neues Leben unternommen.

Ein Teil dieses neuen Lebens ist momentan der Fußball - das Training mit der zweiten Mannschaft des TuS Homberg. Gemeinsam mit Flamur kicken drei weitere Flüchtlinge - laut Antrag des Vereins - für den Kreisligisten, der für seine Integrationshilfe von der DFB-Stiftung Egidius Braun im Zuge der Initiative "1:0 für ein Willkommen" einen Preis in Höhe von 500 Euro erhält.

"Wir sind uns bewusst, welche Symbolkraft der Fußball hat. Deshalb hoffen wir, dass hier ein Stein ins Wasser geworfen wird, der viele Kreise zieht", erklärt Stiftungsgeschäftsführer Wolfgang Watzke. Die Fördermittel für die Homberger soll Manfred Castor bei der Saisoneröffnung am 1. August übergeben. "Der TuS ist einer der rührigsten Vereine in unserem Kreis, der sich für solche Projekte einsetzt", sagt der Geschäftsführer des Fußball-Kreises Düsseldorf.

Als Begründung für die finanzielle Unterstützung habe der ehemalige Kopf des TuS Homberg, Heribert Bergs, eine kostenlose Aufnahme der Flüchtlinge in den Verein angegeben. Für den Deutschen Fußball-Bund ist das jedoch nur eines von vielen Kriterien. Dazu zählen ebenfalls das Bereitstellen von Trainingsbekleidung, die Organisation eines Fahrdienstes oder die Begleitung bei Behördengängen - wie sie Norman Schröder bei seinem Mitspieler Flamur unternimmt. "Es ist unsere Verpflichtung, uns für die Flüchtlinge einzusetzen und ihnen ein sportliches Zuhause zu geben", sagt der Kommunalpolitiker. Außerdem sehe sich der Verein im Rahmen seiner Möglichkeiten in der Verantwortung, ergänzt der Sportliche Leiter Christian Schmieder.

Auf dem Platz ist derweil alles wie immer. Im Training werden die Übungen absolviert, es wird etwas herumgealbert - und mitten in der Spielertraube findet sich Flamur wieder. "Er ist längst ein fester Bestandteil unserer Mannschaft geworden, sowohl auf als auch neben dem Rasen", sagt Dennis Kiesler, Kapitän der Zweiten und Mitglied im fünfköpfigen Führungsgremium der Homberger.

Ob das so bleiben wird, ist ungewiss. Derzeit lebt Flamur in einer Unterkunft an der Mozartstraße. Sein erster Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurde abgelehnt. Sein zweiter Antrag wird momentan bearbeitet - und hat nur wenig Erfolgsaussichten. Nach dem Grundgesetz hat derjenige ein Recht auf Asyl in Deutschland, der politisch verfolgt wird. Doch der Kosovokrieg ist 15 Jahre her und im Land ist es verhältnismäßig ruhig geworden.

In Homberg sorgen sie sich um ihren Mitspieler. Gleichzeitig klammern sie sich an einen Strohhalm - die Suche nach einer Ausbildung für ihren Schützling, der die Hoffnung nicht aufgibt. "Mir gefällt es in Homberg. Ich habe viele neue Freunde gefunden und würde gerne weiter hier spielen", sagt Flamur. Und das möglichst ohne Sorgen.

Quelle: RP
 
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