| 00.00 Uhr

Lokalsport
Ice Aliens verpassen das Sahnehäubchen

Hamm. Der Eishockey-Regionalligist hat trotz aller Widrigkeiten eine gute Saison gespielt. Doch wie geht es nun weiter? Von André Schahidi

Eine gute Stunde nach der letzten Sirene war das Finale der Eishockey-Regionalliga für die Spieler der Ratinger Ice Aliens schon wieder ganz weit weg. Der Bus hielt an einem Fast-Food-Restaurant - und bei Burger und Pommes war den Spielern kaum noch anzusehen, dass sie gerade das fünfte und entscheidende Finalspiel bei den Hammer Eisbären 2:5 verloren und damit die Titelverteidigung verpasst hatten. Wahrscheinlich überwog bereits in diesem Moment bei den Akteuren die Gewissheit darüber, eigentlich eine sehr gute Saison gespielt zu haben. "Wir hatten eine Spielzeit mit vielen Tiefen", sagte Kapitän Dennis Fischbuch, "aber auch einigen Höhen. In den Play-offs entscheiden Kleinigkeiten, und heute war das Überzahlspiel von uns Mist."

Kleinigkeiten waren es tatsächlich, die das Finale entschieden. Der Faustschlag von Dennis Appelhans zum Beispiel, der Ratingen in doppelter statt einfacher Unterzahl spielen ließ - zwei Gegentreffer waren die (indirekte) Folge. Und als die Ratinger später fast zwei Minuten in Überzahl agieren durften, ließ Trainer Alexander Jacobs seine erste Sturmreihe das gesamte Powerplay auf dem Eis. "Und dann schaffen wir nichtmal einen vernünftigen Schuss", sagte Stürmer Milan Vanek selbstkritisch - vielleicht hätte Trainer Jacobs mal die an diesem Abend stärkste Reihe mit den Brazda-Zwillingen und Benjamin Hanke in Überzahl ranlassen müssen. Und vor dem vierten Gegentor, das nach einer Icing-Situation fiel, versäumte Trainer Jacobs, eine Auszeit zu nehmen, um seinen ausgelaugten Spielern, die nicht wechseln durften, eine Verschnaufpause zu geben - so kassierten sie jedoch das Tor. Schade, weil die Aliens gerade im Schlussabschnitt die klar bessere Mannschaft und drauf und dran waren, noch den Ausgleich zu erzielen.

Mit der Vizemeisterschaft geht in Ratingen eine Saison vorbei, in der bei weitem nicht alles rund lief bei den Aliens, eine Saison aber, auf die die Beteiligten am Ende aber dennoch stolz zurückblicken können. "Natürlich ist Hamm eine Top-Mannschaft", sagt Fischbuch. "Aber auch wir können stolz auf das Erreichte sein. Am Ende haben wir es charakterlich noch einmal allen gezeigt." Das stimmt: Es gab einen Haufen Verletzungspech, zwischendurch auch mal Ärger und Grüppchenbildung in der Kabine. Auch der Trainer ist trotz aller Erfolge innerhalb der Mannschaft nicht unumstritten, wird ihm doch ein Hang zur Ungleichbehandlung verschiedener Spieler nachgesagt.

Doch rechtzeitig zu den Play-offs fanden die Außerirdischen wieder zu einem weitgehend verschworenen Haufen zurück, und das honorierten die Fans: Schon im Halbfinale gegen Herford, das nach einem 0:2-Rückstand noch gedreht wurde, waren fast 1000 Zuschauer am Sandbach, in den Finalspielen waren es sogar deutlich vierstellige Besucherzahlen. "Dass ich das noch mal erleben durfte, ist ein Traum", sagt Kay Adam, der Vorsitzende.

Er will nun seine Ankündigung wahr machen und nach der Saison zurücktreten. "Ich habe immer gesagt, dass ich aufhöre", sagt Adam, der noch einmal katholische Theologie studieren will. Nur: Ein Nachfolger ist nicht in Sicht - und somit stehen die Aliens vor einem Sommer voller Ungewissheit. Zumal unter dem Eindruck der knappen Final-Niederlage auch einige der Leistungsträger ankündigten, aufgrund der vielen Verletzungen über die Fortsetzung ihrer Karriere nachdenken zu müssen.

Steht etwa ein größerer Umbruch im Kader der Aliens bevor? In der Finalserie gegen Hamm wurde deutlich, woran es mangelt: Die Eisbären waren insgesamt schneller unterwegs - und standen in der Abwehr auch sicherer. Ein Jan-Philipp Priebsch fehlte den Ratingern die ganze Saison über, sowohl defensiv als auch im Angriff.

Nach einem Titel und einer Vize-Meisterschaft wartet also viel Arbeit auf die Verantwortlichen im Sommer. Sie müssen die Euphorie nutzen und neue Sponsoren finden. Dazu sollten sie irgendwie versuchen, den Zuschauer-Zuspruch in die neue Saison zu retten. Im Team muss die Abwehr verstärkt und mehr Tempo in den Angriff gebracht werden - und auch mit Trainer und Leistungsträgern muss nachdrücklich geredet werden, damit im kommenden Jahr noch einmal geschlossen der Meistertitel angegriffen werden kann.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Ice Aliens verpassen das Sahnehäubchen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.