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Lokalsport
"In der Halle war eine unglaubliche Atmosphäre"

Ratingen. Stefan Knopp vom TuS Lintorf gewinnt bei der Deutschen Tischtennis-Meisterschaft Bronze im Doppel der C-Klasse. Von Nils Jewko

Stefan Knopp nennt den Aufschlag einfach nur den "Scheibenwischer". Er geht leicht in die Knie, wirft den Ball hoch, aus dem Handgelenk bewegt er den Schläger von rechts nach links und streichelt dabei förmlich das kleine Spielgerät aus Plastik über das Netz. "Die Bewegung gleicht dem Scheibenwischer beim Auto. Viele Gegner haben bei dieser Angabe ihre Schwierigkeiten, den Ball vernünftig im Spiel zu halten", sagt der Tischtennisspieler vom TuS Lintorf. Für Knopp sind es dann meist leichte Punkte, die ihn zuletzt sogar bei der Deutschen Meisterschaft in Pforzheim bis zum Gewinn der Bronzemedaille im Doppel (Leistungsklasse C) führten.

"In der Halle war eine unglaubliche Atmosphäre und als wir das Halbfinale erreicht und eine Medaille sicher hatten, war das ein Riesengefühl", sagt der 48-jährige Familienvater über seinen bisher größten Erfolg. In das Vorschlussrunden-Match startete er an der Seite seines Partners Michael Baatz (DJK Neukirchen) sogar mit einem Satzgewinn, doch am Ende stand eine 1:3-Niederlage und der verpasste Sprung ins Finale. Auch im Einzel kämpfte sich Knopp nach mehreren Fünf-Satz-Siegen ins Achtelfinale vor, und das, nachdem er erst zwei Tage vor dem Turnier über die Warteliste ins Teilnehmerfeld gerutscht war.

Beinahe hätte Knopp in seinem Leben überhaupt kein Tischtennis mehr gespielt. Vor vier Jahren entdeckten Ärzte einen Tumor in seinem Rücken, als er sich über seine eingeschränkte Beweglichkeit wunderte. "Der Tumor war zwar gutartig, aber die Ärzte haben mir gesagt, dass er nur einen Millimeter vom Rückenmark entfernt war. Fast hätte ich im Rollstuhl gesessen", sagt der Niedersachse.

Nach der erfolgreichen Operation wollte es Knopp noch einmal wissen. Er belegte mehrere Kurse in der Tischtennis-Schule von Borussia Düsseldorf, wo er seinen heutigen Trainer Christian Strack kennenlernte. "Er spielt selber in der Regionalliga und scheucht mich seit drei Jahren an der Platte", lacht Knopp. "Und ich bin sein erster Schüler, der bei einer Deutschen Meisterschaft eine Medaille gewonnen hat."

Den Grundstein dafür legte Knopp vor 34 Jahren - in der Garage seiner Tante. "Damals habe ich gemeinsam mit meinem Onkel die ersten Bälle geschlagen", erinnert sich der gelernte Büro- und Reiseverkehrskaufmann. Lange Zeit spielte er für seinen Heimatverein, den Duinger Sport-Club, selbst als er nach Düsseldorf und später nach Mülheim zog, fuhr er zu den Spielen ins rund 250 Kilometer entfernte Hildesheim. 2009 folgte dann der Wechsel zum TuS Lintorf, für den Knopp heute meist in der zweiten oder dritten Mannschaft aufschlägt - und das als Deutscher Meister.

"Ich habe viel erlebt im Tischtennis, und man weiß nur, was hinter einem liegt. Aus dieser Perspektive kann ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe", sagt Knopp über seine Laufbahn. Daran wird ihn auch seine Bronzemedaille fortan immer erinnern.

Quelle: RP
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