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Lokalsport
Neustart für den Stadtsportverband

Ratingen. Das Verhältnis zu Vereinen und Politik ist ziemlich getrübt. Ein neuer Vorstand soll dem SSV einen Sinn geben. Von André Schahidi

Es ist noch gar nicht so lange her, als einige Vereinsvertreter aus Ratingen ziemlich verwundert in ihr Mail-Postfach geschaut haben dürften. Eine Pressemitteilung des Stadtsportverbandes war dort eingegangen zum Thema "Tour de France in Ratingen". In fünf Absätzen wurde mächtig gegen die Stadt geledert. Von der "Pillen und EPO-Rundfahrt" war in der Pressemitteilung die Rede, der Plan des Bürgermeisters Klaus Pesch, einen kleinen Teil des Tour-Auftaktes ins Ratinger Stadtgebiet zu holen, wurde in harschen Worten verrissen.

Für einige Vereins-Vorsitzenden war es wohl spätestens diese Mitteilung, die das Fass zum Überlaufen brachte - zumal Frank Schmitz, der Verfasser der Zeilen, direkt im ersten Absatz betonte, der SSV spreche als Dachverband für alle Ratinger Vereine. "Ich hätte eine solche Mitteilung gerne einmal gelesen, bevor sie in unserem Namen veröffentlicht wird", sagt zum Beispiel Jens Stieghorst von Ratingen 04/19, der ausdrücklich betont, dass er mit dem Inhalt dieser Pressemitteilung nicht im Ansatz einverstanden war. Sowieso machte sich bei den Vereinen zuletzt einiges an Verwunderung breit, mit welcher Vehemenz der SSV gegen die Sportpolitik in der Stadt schießt. Sei es (mit einiger Berechtigung) wegen der Verzögerung beim Sportentwicklungsplan. Oder eben im Falle der Tour de France. Zuletzt hatte der SSV Sitzungen im Sportausschuss boykottiert.

Nun trifft sich ganz gut, dass am kommenden Dienstag die Hauptversammlung des Sport-Dachverbandes inklusive Vorstandswahlen ansteht. Detlev Czoske, der Vorsitzende des SSV und Geschäftsführer der Bürger-Union, hatte bereits angegeben, dass er das Feld räumen möchte. "Ich kann es mit meinem Beruf nicht mehr vereinbaren", sagt der scheidende Präsident. "Ich werde die Kraft, die ich neben der Arbeit habe, künftig voll in den TuS Lintorf stecken." Im sportlichen Kompetenzteam der Stadt, dem die fünf Großvereine angehören, sah man die Chance zum vollständigen Neu-Anfang gegeben. Und so will man am Dienstag mit einem neuen Vorstand an den Start gehen. Denn neben Czoske tritt auch Christian Koch zurück. Zudem wurde Sportwart Frank Schmitz wohl seitens der Vereine ausdrücklich nahegelegt, sein Amt ebenfalls niederzulegen.

"Wenn der Stadtsportverband einen Sinn haben soll, muss die Zusammenarbeit mit den Vereinen und der Stadt verbessert werden", sagt Silvia Glander, die Vorsitzende des TV Ratingen. "In den letzten Jahren hat das Verhältnis zwischen Verwaltung und dem SSV gelitten, die Ansprache hat das Klima nicht gerade verbessert." Sie hat sich in vielen Gesprächen um die Neu-Orientierung des Verbandes gekümmert. "Wir müssen wieder eine positive Stimmung reinbekommen und ich glaube, dass uns das mit den Kandidaten für die Vorstandsposten gelungen ist", sagt Glander. Der Vorstand soll vor allem verjüngt werden, um auch den Nachwuchs mehr zu integrieren.

Dazu könnte auch die Sportjugend im Stadtsportverband beitragen, auf die der scheidende Vorsitzende Czoske besonders stolz ist. "In diesem Bereich haben wir mit Angeboten wie schnupperkurs.org oder dem Sport für Flüchtlinge eine Menge bewegen können. Die handelnden Personen der Sportjugend werden irgendwann in den SSV aufrücken, was dem Sport in der Stadt nur guttun kann", betont Czoske.

Auf den neuen Vorstand wartet dennoch viel Arbeit. Wichtigste Aufgabe des neuen Präsidiums wird sein, das Tischtuch, das Stadt und den SSV verbindet, wieder zu flicken. Gleichzeitig muss der SSV aber weiter einen gewissen Druck ausüben - dass die Stadt um den Sportdezernenten Rolf Steuwe die Handlungsempfehlungen zum Sportentwicklungsplan immer noch nicht veröffentlicht hat, ist nicht professionell. Natürlich hatte der alte SSV-Vorstand hier recht, die Ergebnisse bei der Stadt anzumahnen. Wie so oft im Leben macht auch hier der Ton die Musik. Bleibt zu hoffen, dass der neue SSV-Vorstand eine bessere Melodie findet.

Quelle: RP
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