| 00.00 Uhr

Analyse
Ratingens Handball kannibalisiert sich

Analyse: Ratingens Handball kannibalisiert sich
FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Die vier am höchsten spielenden Teams der Stadt tragen ihre Heimspiele alle samstags um 18 Uhr aus. Regelmäßig kommt es zu Terminüberschneidungen, die alle Klubs Zuschauer kosten. Doch den Heimspieltermin wechseln möchte keiner freiwillig. Von André Schahidi

Am Wochenende hatten Handballfans im Angerland mal wieder die Qual der Wahl. Besuchen sie die SG Ratingen in der Nordrheinliga? Geht's zum TV Angermund oder TuS Lintorf in der Oberliga? Oder doch zum TV Ratingen in der Verbandsliga? So oder so musste man sich - als unparteiischer Handball-Liebhaber - entscheiden. Denn alle Klubs hatten ein Heimspiel - und trugen dieses auch noch zur exakt gleichen Zeit am Samstag um 18 Uhr aus. Bei allen vier Spielen waren knapp unter oder über 100 Zuschauer zu Gast.

"Ich verstehe schon, dass das unglücklich ist", sagt Thomas Oberwinster vom TVR. "Diese Konstellation hängt mit vielen Faktoren zusammen. Mit den Tabellenplätzen der Klubs, nach denen der Terminplan erstellt wird. Aber auch damit, dass wir beim Verband Blockbildung beantragen, damit unsere Frauen, erste und zweite Mannschaft am gleichen Tag spielen."

Dazu kommt noch: Samstags, 18 Uhr ist die für Handball perfekte Anwurfzeit. "Wir haben damals mit dem Termin angefangen", sagt Kalle Töpfer, der sportliche Leiter vom TuS Lintorf. "Ich glaube aber nicht, dass wir uns wirklich gegenseitig viele Zuschauer wegnehmen." Bastian Schlierkamp von der SG Ratingen kämpft um jeden Besucher. "Ratingen ist ein schweres Pflaster", sagt er. "Wir müssen uns jeden Zuschauer hart erarbeiten. Ich sehe aber, dass die meisten Besucher unserer Heimspiele aus dem persönlichen Umfeld des Vereins kommen. Jeder Klub hat sein Stammpublikum, das Event-Publikum taucht nur bei Derbys auf oder wenn es um den Auf- oder Abstieg geht."

Der Spielplan gibt immerhin oft her, dass sich Heim- und Auswärtsspiele der Klubs die Waage halten. "In dieser Saison ist es mit den Überschneidungen aber wirklich extrem", betont Kalle Töpfer. "Das ändert sich auch wieder, wenn mal ein Klub zwei Heim- oder Auswärtsspiele hintereinander hat."

Der TV Ratingen hatte sogar mal eine Terminverschiebung versucht und trat samstags um 19.30 Uhr an. "Das war nichts", sagte Thomas Oberwinster. "Der 18-Uhr-Termin hat sich bei unserem Stammpublikum total festgesetzt. Am meisten haben wir es beim Catering gemerkt: Um halb acht haben die meisten Leute schon gegessen, da sind unsere Umsätze eingebrochen." Bastian Schlierkamp würde sein Löwenrudel liebend gern ausnahmsweise mal freitags um 20 Uhr antreten lassen. Doch er darf nicht. "Die Hallenzeit gehört dem ASC West, bisherige Versuche, einmal zu tauschen, waren leider fruchtlos."

Und so ist das Terminproblem auch eine Frage der Alternativen. In den Sporthallen Ratingens sind am Wochenende viele Spiele der Herren, Frauen und Jugendmannschaften unterzubringen. Dazu kommen noch die anderen Sportarten.

In anderen Städten werden Spiele in den höheren Ligen gerne auch mal sonntags um 11.30 Uhr oder gar am späten Nachmittag angeworfen. "Das halte ich für eine Frechheit, den Gästen und auch den Zuschauern gegenüber", betont Thomas Oberwinster. "Das sind aber Zeiten, die darauf ausgelegt sind, möglichst viele Punkte in den Heimspielen zu holen." Davon bleibt man in Ratingen wenigstens verschont.

Und so bleibt es wohl auch in Zukunft dabei, dass sich der Ratinger Handball-Fan entscheiden muss. Immerhin gelang es nun, dass sich die Vertreter der großen Klubs mal in Sachen Nachwuchshandball konstruktiv zusammensetzen. Vielleicht klappt es ja sogar mal, auch gemeinsam die Themen der Terminplanung zu besprechen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Ratingens Handball kannibalisiert sich


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.