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Lokalsport
Ratingens Marathon-Mann

Ratingen. Enrico Dietrich ist der wohl schnellste Läufer über 42,195 Kilometer in der Stadt. Täglich trainiert er viele Stunden - und will seine Bestzeit weiter verbessern. Von Falk Janning

"Winterpause" nennt Enrico Dietrich die Phase, in der er sich aus sportlicher Sicht gerade befindet. "Ich gönne meinem Körper in den letzten Wochen des Jahres immer etwas Erholung von den Strapazen der Saison", sagt der 32-jährige Marathonläufer. Falsch liegt der, der nun glaubt, der Ratinger würde nun für ein paar Wochen die Beine hochlegen. "Ich bin heute Morgen die 20-Kilometer-Runde gelaufen", sagt Enrico Dietrich, und schiebt nach: "Nur ganz locker und entspannt natürlich."

Es kommt wohl auf den Standpunkt an, was man für locker hält und was nicht. Tatsächlich fordert der gebürtige Brandenburger seinen Körper in der Hochsaison mit einem Vielfachen an Leistung und legt wöchentlich 140 bis 150 Kilometer zurück. Ein oder zweimal pro Jahr reist er ins Trainingslager nach Südspanien. Da kommen auch schon mal 200 Kilometer innerhalb von nur sieben Tagen zusammen. Da sind 20 Kilometer im Joggingtempo nur ein Klacks.

Enrico Dietrich ist ehrgeizig, sehr ehrgeizig. Sein großer Traum ist es, die 42-Kilometer-Distanz einmal in weniger als 2:20 Stunden zurückzulegen. Eigentlich wollte er schon in diesem Jahr näher an diese magische Grenze herankommen. Doch den Düsseldorf-Marathon im Mai hatte er absagen müssen, weil eine Erkältung dazwischenkam. "Ich war im Frühjahr nach einer perfekten Vorbereitung so gut in Form. Und dann hat mir diese verflixte Erkältung ein halbes Jahr Vorbereitungszeit zunichtegemacht", sagt er.

So lief er dann einige Wochen später bei schwüler Hitze den Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg, wo er nach 2:37:29 Stunden als Erster über die Ziellinie lief. "Das war nicht mein bestes Rennen, weil zu diesem Zeitpunkt meine stärkste Phase schon vorüber war", sagt Dietrich. Immerhin tröstete ihn etwas, dass er zum ersten Mal einen Marathon gewann. "Ich laufe zwar nicht, um Erster zu werden, sondern um bessere Zeiten zu erreichen", sagt er. "Dennoch war es ein sehr schönes Gefühl, als Erster über die Ziellinie zu laufen." Das unglückliche Jahr 2016 perfekt machte im Herbst eine weitere Absage: Da konnte er wegen eines erneuten Infektes auch den Frankfurt-Marathon nicht laufen.

Enrico Dietrich hat erst spät mit dem Laufen begonnen. Mit 26 Jahren absolvierte er den ersten Marathon und kam nach 3:07 Stunden ins Ziel. "Da hab ich Lunte gerochen, wollte die Drei-Stunden-Marke knacken." Das gelang ihm in Düsseldorf bereits bei seinem dritten Marathon, den er in 2:58 Stunden bewältigte. "Bis dahin war ich Autodidakt, war in keinem Verein und trainierte nach keinem Plan." Zwei Jahre später schloss er sich dem TuS Lintorf an, dessen Coach Robert Jäckel ihm tägliches Training verordnete. Das machte sich bei seinem nächsten Wettbewerb bemerkbar: In Düsseldorf steigerte er seine Bestzeit auf 2:38 Minuten. Im vergangenen Jahr schraubte er sie in Hannover auf 2:28 Stunden.

Den Ratinger treibt an, wie weit er gehen kann. Sein ganzes Leben richtet der Bankkaufmann nach seiner Leidenschaft aus, wendet die Hälfte seines Jahresurlaubs für die Trainingslager aus. Während der Vorbereitungszeit bleibt kaum Zeit für etwas Anderes. "Zum Glück hat meine Freundin sehr viel Verständnis", sagt er. "Das Training tut in den Beinen und in der Lunge weh. Man muss die Lust haben, sich zu quälen." Je näher er seiner persönlichen Grenze komme, umso größer werde der Aufwand, den er betreiben muss, um sich zu verbessern. "Ich muss mehr aufwenden, um die nächste Minute zu schaffen."

Den Respekt vor dem Marathon hat er nicht verloren. "Jeder Marathon ist ein Abenteuer und läuft anders, man bekommt ihn nie vollkommen in den Griff. Er ist mein Freund, aber gleichzeitig auch mein Gegner, den ich verteufle. Im Ziel tut mir immer alles weh, aber zehn Minuten später denke ich schon wieder darüber nach, wo ich den nächsten laufe."

Quelle: RP
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