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Lokalsport
Reit-Talente müssen noch viel lernen

Lokalsport: Reit-Talente müssen noch viel lernen
Jill von Conta kassierte auf Esco stolze 19 Fehlerpunkte im Springparcours - doch beide haben viele Erfahrungen gesammelt. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Jill von Conta startete beim Turnier des RuFV Lintorf in der L-Klasse auf Exco. Noch lief nicht alles rund. Von Dominique Schroller

Die Hufe trommeln dumpf im Dreitakt auf den Sandboden, als der große Schimmel auf das erste Hindernis zu galoppiert. Kraftvoll fliegt er in einem mächtigen Satz über den Oxer. Nach der Landung führt Jill von Conta ihn in einem engen Bogen schräg zum naturfarbenen Steilsprung hin. Esco verliert Schwung, kommt aus dem Rhythmus, stockt, zögert, hebt halbherzig ab, so dass unter ihm die Stangen krachend zu Boden fallen.

Eine Glocke ertönt. Die Parcourshelfer eilen herbei und bauen den Sprung wieder auf, Pferd und Reiterin müssen warten, bis alle Stangen wieder sicher in den Halterungen liegen. Am Rande des großen Springplatzes auf Gut Hülchrath, wo das Turnier des RuFV Lintorf stattfindet, verfolgt Trainer Gerd Schalke das Geschehen. Das Gesicht unter der breiten Krempe seines Strohhutes und hinter den dunklen Gläsern der Sonnenbrille versteckt, wirkt er angespannt. "Die Wege sind kniffelig, da musst du aufpassen", hatte er seiner Schülerin bei der Besichtigung des Parcours für das L-Springen eingeschärft. Jill von Conta hatte genickt und sich die Abstände der Hindernisse und die Reihenfolge noch einmal eingeprägt.

Die bunten Stangen leuchten in der Sonne, ein Trecker zieht dazwischen seine Kreise, um den Boden für die Prüfung vorzubereiten. Mit einer Höhe von durchschnittlich 1,20 Metern hat Parcourschef Heinrich Heuschen die Anforderungen der Klasse L ausgeschöpft. Die acht Hindernisse mit neun Sprüngen sind gleichmäßig über den Platz verteilt. "Die Abmessungen sind ordentlich und die Linienführung ist schwierig. Da müssen sich die Reiter etwas einfallen lassen, um das fehlerfrei zu meistern", analysiert Gerd Schalke den Kurs.

Dann wendet er sich wieder seiner Schülerin zu, die im Sattel ihres Schimmels sitzt. Locker galoppiert sie ein paar Runden über den Vorbereitungsplatz. Lässig überwindet sie mit Esco den Steilsprung mit den gekreuzten Stangen. Eine weitere Runde im Galopp, dann segeln beide ebenso selbstverständlich über den Oxer. Jill von Conta klopft ihrem Pferd mit der flachen Hand den Hals, lässt die Zügel lang und steuert im Schritt auf den Prüfungsplatz zu.

Die Amazone vom Reit- und Fahrverein Meiersberg-Homberg ist im Sattel aufgewachsen, hat auf den Pferden ihrer Mutter reiten gelernt. "Zunächst bin ich jedoch nur Dressur geritten. Erst mit Esco habe ich das Springen für mich entdeckt", berichtet die 21-Jährige. Sie hat den 1,73 Meter großen Hannoveraner fünfjährig bekommen und selbst weiter ausgebildet. "Er ist jetzt 13 Jahre alt, hat eine große Galoppade, einen tollen Charakter und springt zuverlässig", schwärmt die Reiterin.

Im Parcours galoppiert sie nun erneut auf den zweiten Sprung zu. Diesmal wählt sie einen weiteren Bogen, Esco zögert keine Sekunde, springt ab und landet sicher. Das dritte Hindernis auf der Diagonalen überwindet das Paar ebenfalls mit Leichtigkeit. Doch für die enge Wendung auf die Zweifache Kombination haben beide zuviel Schwung und galoppieren vorbei. "Komm, reite!", ruft Gerd Schalke Jill von der Zuschauerposition aus zu. Seine Schülerin steuert die Kombination aus Steilsprung und Oxer erneut an, Esco springt, landet, galoppiert rhythmisch weiter. Absprung, Landung, Galopp - ganz sicher beendet das Paar seine Prüfung.

"Du hast erst nach der Kombination angefangen zu reiten. Danach war alles gut", analysiert Gerd Schalke. Der 63 Jahre alte Züchter ist früher selbst internationale Springen geritten und trainiert Jill seit einem halben Jahr. "Sie hat einen sehr guten Stil und viel Einfühlungsvermögen, doch es fehlt noch ein wenig die Erfahrung. Solche Fehler wie heute sind daher ganz normal." Jill von Conta wirkt entspannt, als sie mit Esco den Parcours verlässt und der Anzeigentafel mit den 19 Fehlerpunkten für Abwürfe und Zeitüberschreitung den Rücken kehrt. "Das war alles meine Schuld. Doch das war unser erstes richtiges L-Springen und beim nächsten Mal machen wir es besser", sagt sie, springt aus dem Sattel und klopft ihrem Pferd zufrieden den Hals.

Quelle: RP
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