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SG Ratingen lässt sich vorführen

Lokalsport: SG Ratingen lässt sich vorführen
Dominic Kasal allein zu Haus: Der Spielmacher der SG Ratingen musste gegen Krefeld fast drei Minuten ins Tor, weil sich David Ferne eine Zeitstrafe einhandelte und kein zweiter Torhüter zur Verfügung stand. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Das Löwenrudel wird bei der 24:34-Pleite gegen den Titelkandidaten Krefeld komplett auseinandergenommen. Von André Schahidi

29 Minuten und sieben Sekunden waren gespielt im Handball-Derby zwischen der SG Ratingen und der HSG Krefeld, als den Zuschauern anhand einer einzigen Szene das wahre Ausmaß des Debakels für die Hausherren veranschaulicht wurde. Dominik Kasal stand im Tor des Löwenrudels. Keine Pointe. Der Spielmacher der SG musste sich mit Trainingsleibchen ins Gehäuse stellen, weil David Ferne eine Zwei-Minuten-Strafe kassiert. Und weil Ferne der einzig verfügbare Torhüter des Handball-Drittligisten war, musste ein Feldspieler rein. Kasal wehrte sich nach Kräften, bekam sogar eine Hand an einen Ball.

Doch nach rund 29 Minuten, als die Strafe gegen Ferne abgelaufen war und der Keeper wartete, wieder eingewechselt zu werden, kam der Ruf von der Bank zum schnellen Tausch - gerade dann, als die Krefelder im Ballbesitz und in der Ratinger Hälfte waren. Kasal stutzte, schoss in Eiltempo zur Bank - doch bevor Ferne seinen Platz zwischen den Pfosten wieder einnehmen konnte, versenkte Krefelds Dario Polman einen lässigen Heber zum zwischenzeitlichen 10:19 ins Netz. "Ich war zuletzt im Nachwuchsbereich mal im Tor", sagte Kasal dazu. "Der Wechsel sah natürlich doof aus, aber wenn das Kommando von der Bank kommt, laufe ich."

Es gab viele Szenen wie diese, die exemplarisch waren beim 24:34 (10:19) der Ratinger gegen die Krefelder, die an diesem Abend mehr als nur eine Nummer zu groß waren. Ein Klassenunterschied tat sich auf. "Es war nicht unsere höchste Niederlage in der Vereinsgeschichte, aber sie kam ziemlich nah dran", sagte Klub-Boss Bastian Schlierkamp nach dem Spiel. Dass es im erträglichen Rahmen blieb, war den Gästen zu verdanken, die respektvoll drei Gänge herunterschalteten.

Denn schon nach wenigen Minuten war klar: Hier war für die SG Ratingen gar nichts drin. Die Angriffsbemühungen wirkten statisch und spielten sich wie in Zeitlupe ab. Auch hier gab es zwei Welten: Während die Gäste einen Spielzug nach dem anderen auspackten und fast immer den freien Mann fanden, mussten sich die Ratinger mangels Spielwitz auf Fernwürfe verlassen - und machten damit Philipp Ruch im Krefelder Tor richtig stark. Und hinten? In die Lücken der Deckung hätte fast ein Linienbus hereingepasst. "Normalerweise können wir uns auf unsere Abwehr verlassen, heute klappte aber leider vorne und hinten nichts", sagte Schlierkamp.

Spielertrainer Breuer selbst blieb die komplette zweite Halbzeit auf der Bank. "Ich war richtig schlecht und hätte auch nichts mehr zu einer Wende beitragen können", sagte der Spielmacher selbstkritisch. So konnte er sich von der Bank die geballte Harmlosigkeit seiner Mitspieler anschauen. Ob es gerade im Offensivbereich an Qualität mangelt? Die Frage verneinten alle Beteiligten vehement. "Wenn Arthur Giela und sein Ersatz Mateusz Dobrolowicz wieder einsatzbereit sind, reicht die Qualität allemal. Aktuell ist es etwas schwierig", betont Schlierkamp. Auch Aushilfs-Torhüter Kasal ist optimistisch. "Wir haben nicht weniger Qualität als im Vorjahr", meint der Spielmacher. "Man darf aber nicht vergessen, dass wir schon jetzt gegen die drei Teams gespielt haben, die wahrscheinlich die Meisterschaft unter sich ausmachen."

Das mag alles richtig sein - aber wehren darf sich das erschreckend zahnlose Löwenrudel dennoch auch gegen einen großen Favoriten.

Quelle: RP
 
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