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Lokalsport
SG verpasst den Sieg nach Aufholjagd

Ratingen. Nach einer indiskutablen ersten Halbzeit (12:17) gegen Schalksmühle kämpft sich der Handball-Drittligist zum 29:29. Von André Schahidi

13 Sekunden waren noch zu spielen, als Leszek Hoft von der Bank aus die letzte Auszeit nahm. 13 Sekunden, in denen die SG Ratingen gegen Schalksmühle-Halver einen zwischenzeitlich unmöglich erscheinenden Sieg einfahren konnte. 29:29 stand es im Duell der Dritten Handball-Liga, doch bei dem Ergebnis sollte es bleiben: Simon Breuer hatte den Ball, er lief sich in der Deckung der Sauerländer fest. Die Uhr tickte runter, ein letzter Freiwurf, Abpfiff, Unentschieden. Der erste Punktgewinn für das Löwenrudel. Oder war es doch eher ein Punktverlust?

Diese Frage lässt sich eindeutig zweiteilen. Angesichts der indiskutablen Vorstellung in der ersten Hälfte ist der Punkt ein Gewinn. Angesichts der Tatsache jedoch, dass das Löwenrudel kurz vor dem Ende mit zwei Toren führte und eine doppelte Überzahl auf dem Feld hatte, wurde der zweite Zähler dann doch eher verschenkt.

Aber der Reihe nach: Was das Team um Spielertrainer Breuer vor der Halbzeit zeigte, hatte mit Leistungshandball wenig zu tun. Ratingen lag von Beginn an kontinuierlich zurück. Die Deckung funktionierte überhaupt nicht, gerade am Kreis boten sich wieder riesige Lücken. Und vorne wurde Standhandball gespielt. Die Rückraumspieler passten sich den Ball lustlos zu - in der Hoffnung, dass die Abwehr sich plötzlich auflöste. Tat sie nicht. Und die Zuschauer rieben sich die Augen angesichts der zur Schau gestellten Lethargie in Rot. "Wir waren gerade die ersten 20 Minuten viel zu nervös", sagte Breuer. "Der Rückzug war schlecht, im Angriff spielten wir viel zu unbeweglich."

Ein Paradebeispiel waren die letzten Sekunden vor der Halbzeit. Rund eine halbe Minute war noch zu spielen, die SG lag 12:16 hinten und hatte den Ball. Statt jedoch den Rückstand auf drei Treffer zu verkürzen, wurde der Ball am Kreis verloren. Tempogegenstoß, 12:17. "Sowas darf uns echt nicht passieren", sagte Torhüter David Ferne, der gerade vor der Pause von seiner Deckung sträflich im Stich gelassen wurde.

Es war ein Rückstand, der am Ende für einen Sieg vielleicht doch zu groß war. Dennoch bäumte sich die SG gewaltig auf. Es war eine Verkettung kleiner Umstände, die zur Aufholjagd beitrugen. Die Ratinger Deckung präsentierte sich in der zweiten Hälfte endlich solide, Ferne holte auch freie Bälle raus. Vorne wurden die Angriffe besser ausgespielt - und Timo Worm verwandelte jeden einzelnen seiner sechs Siebenmeter.

Und weil Schalksmühle in dieser Phase müde wirkte, holten die Gastgeber Tor um Tor auf - um in der 45. Minute gar in Führung zu gehen. Bei 26:25 für die SG mussten die Gäste eine doppelte Unterzahl verkraften. Doch sie blieben immer dran. Und profitierten von Ratinger Fehlwürfen. "Da können wir den Sack eigentlich zumachen", gab Breuer zu.

So drehte Schalksmühle das Spiel noch einmal zum 27:28, Ratingen schlug durch Carsten Jacobs und Florian Schlierkamp zurück. Doch auf den erneuten Ausgleich der Gäste in Unterzahl hatten die Löwen keine Antwort mehr. "Das Ergebnis ist am Ende trotzdem gerecht", sagte Breuer nach dem Spiel. "Doch wenn du kurz vor Schluss führst, musst du das Ergebnis eigentlich über die Zeit bringen." Nikolai Lenz, der sich nach der Schlusssirene noch ein Wortgefecht mit dem Trainer der Gäste leistete, war über eine Sache zufriedener als über den Punktgewinn: "Wir haben gesehen, dass wir als Team funktionieren, sonst hätten wir das nicht mehr aufgeholt", sagte er. "Und wir haben gesehen, wie viel über den Kampf geht. Darauf müssen wir aufbauen."

Quelle: RP
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