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Lokalsport
Turnerbund verlässt die Spielgemeinschaft

Ratingen. Der TB löst seine Handball-Abteilung auf. Der Handball-Drittligist heißt weiter SG - und lagert den Spielbetrieb in eine GmbH aus. Von André Schahidi

Natürlich ist Michael Gerard wehmütig, so kurz vor dem Ende. Durchaus große Erfolge verzeichnet schließlich die Vereinschronik des Turnerbundes 08 Ratingen: Das Erreichen der ersten Runde im DHB-Pokal. Teilnahme an der Zweiten Bundesliga mit dem TB Wülfrath. Eine Menge Tradition. Aber nur noch bis kommenden Sommer - dann nämlich wird sich die Handball-Sparte des Vereins komplett auflösen. "Das war kein leichter Schritt", sagt der 66-Jährige.

Durch die Auflösung der Handball-Abteilung hat auch der Drittligist SG Ratingen künftig nur noch einen Stammverein - interaktiv e.V.. Mit diesem schloss sich der Turnerbund 2011 zu einer Spielgemeinschaft zusammen. Im Mai kommenden Jahres wird der Vertrag in beidseitigem Einvernehmen aufgelöst - Handball beim Turnerbund existiert dann nicht mehr. "Da waren finanzielle Risiken im Spiel, die wir nicht stemmen konnten", sagt Gerard. Denn der Drittligist will im kommenden Sommer den Spielbetrieb der ersten Mannschaft in eine GmbH auslagern - und dort muss ein Kapital von mindestens 25.000 Euro hinterlegt werden. Auch wenn der TB nur einen Teil dieser Summe hätte stemmen müssen - viel Geld für einen Klub, in dem nur 30 bis 40 Mitglieder Handball spielen.

Beide Parteien betonen, im Guten auseinander gegangen zu sein. "Unsere Handball-Mitglieder erhalten von uns die Empfehlung, zu interaktiv zu wechseln", sagt Gerard, dessen Verein sich auf Tischtennis und Turnen beschränken wird.

"Dadurch, dass die beiden Handball-Abteilungen zusammengeführt werden, sparen wir uns künftig auch eine Menge administrativen Aufwand", sagt Bastian Schlierkamp, Manager der SG. Selbst diesen konnte der Turnerbund kaum noch stemmen. "Handball spielen wollen viele", sagt Gerard enttäuscht. "Sich dafür aber auch im Hintergrund einsetzen wollen nur die wenigsten. Es ist immer schwerer, Ehrenamtler zu finden."

Beide Funktionäre betonen, dass der Rückzug des Turnerbundes keinerlei Auswirkungen auf den Spielbetrieb hat. "Die Spielgemeinschaft ist völlig etabliert, dort wird sich nichts ändern", betont Gerard - nicht ohne Stolz. "Schließlich haben wir es geschafft, die höchst spielende Mannschaft des Kreises zu werden."

Für Schlierkamp und seine Mitstreiter wird das kommende Jahr eines der weiteren Professionalisierung werden. Anfang des Jahres wird der Klub Büroräume im Neubau An der Pönt beziehen. Und im Sommer soll dann die Spielbetriebs- und Marketing-Gesellschaft gegründet werden. "Wir sind einer von nur zwei Klubs in der Dritten Liga, die den Profi-Spielbetrieb nicht ausgelagert haben", sagt Schlierkamp. Das soll sich ändern - auch, um das finanzielle Risiko zu minimieren.

Die Ironie des Schicksals will es, dass ausgerechnet am Wochenende nach der Trennungsvereinbarung der Gegner nach Ratingen kommt, mit dem die SG ihren bislang größten sportlichen Erfolg verband: Der Longericher SC - der Klub, gegen den Ratingen vor anderthalb Jahren in nervenaufreibenden Relegations-Duellen der Aufstieg in die Dritte Liga glückte. 0,3 Sekunden trennten die SG damals vom Scheitern - so viel "zu spät" war der entscheidende Ball der Gäste hinter der Torlinie. "Für die Longericher dürfte die Partie emotional daher stärker belastet sein als für uns", sagt Linksaußen Ben Schütte. Freuen tun sich bei der SG aber dennoch alle auf das Duell. "Ich erwarte ein sehr intensives und für die Zuschauer attraktives Spiel", sagt Schlierkamp. "Außerdem haben wir die Möglichkeit, mit einem Sieg an Longerich vorbei auf den fünften Platz zu ziehen."

Sportlich läuft also alles weiter wie gehabt. Doch das Konzept der Spielgemeinschaft hat Schlierkamp nicht vergessen. "Ich habe bei der Gründung mit allen anderen Handball-Vereinen in Ratingen gesprochen", sagt Schlierkamp. "Und ich würde mir weiterhin wünschen, dass die Vereine der Stadt ihre Kräfte bündeln, um das Bestmögliche im Handball zu erreichen."

Quelle: RP
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