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Lokalsport
Ultraläufer sehen 100 Kilometer als "wunderbare Entspannung"

Ratingen. Beim 24-Stunden-Rennen des TuS Breitscheid gehen Athleten an den Start, die bis zu 550 Kilometer am Stück laufen. Von Falk Janning

"Ich freue mich auf traumhafte 100 Kilometer und wunderbare Entspannung", sagt Constanze Escher. Die 41-Jährige steht am Start zum zehnten 24-Stunden-Rennen des TuS Breitscheid. Sie habe in den vergangenen Tagen viel beruflichen Stress gehabt und werde es diesmal ganz gemütlich angehen lassen. Für sie ist das 24-Stunden-Rennen rund um den Breitscheider Sportplatz ein Genusslauf. Eine Meinung, die beim Hobbysportler sicher ein ungläubiges Kopfschütteln hervorruft. Aber tatsächlich tritt die Sportlerin ansonsten zu viel extremeren Wettbewerben an: Constanze Escher hat schon eine 568-Kilometer-Distanz in sieben Tagen gelaufen und die Strecke von 320 Kilometern in vier Tagen bewältigt. Da sind die 100 Kilometer nur ein Klacks.

Ganz ähnlich hält es Anja Tegartz. "Ich werde ganz verträumt in die Nacht hineinlaufen", sagt die 41-Jährige. Tegartz hält mit 29:54 Stunden den Rekord auf der TorTour de Ruhr über 180 Kilometer. "Es gibt für mich kaum ein schöneres Erlebnis auf der Welt", sagt Jörg Schranz. Der 51-Jährige aus Oberhausen hat bislang alle zehn 24-Stunden-Läufe des TuS Breitscheid mitgemacht. "Mich zieht es immer wieder hierhin, weil ich die familiäre Atmosphäre so angenehm finde", sagt er.

Bernd Krayer und Klaus Stenner haben vor zehn Jahren den 24-Stunden-Lauf ins Leben gerufen. Ihnen gemeinsam war, dass ihnen eine normale Jogging-Runde nicht ausreichte. So kamen sie zum Marathon. Aber auch die 42-Kilometer-Distanz war bald nicht mehr genug: So wurden sie zu Ultraläufern. Auch sie sind fasziniert von den Erlebnissen während der Langstrecken - vor allem auch zwischen den Sportlern. "Es ergeben sich nette Begegnungen, intensive Gespräche und lebenslange Freundschaften", sagt Klaus Stenner. Er und Bernd Krayer kamen auf die Idee, den Lauf mit einer guten Tat zu verknüpfen und bedenken seitdem die Helen-Keller-Förderschule. Durch Startgeld, Verpflegung und T-Shirts kamen auch dieses Mal 8000 Euro zusammen. Insgesamt 60.000 Euro haben die Veranstalter seit 2006 gesammelt.

Aber es laufen in Breitscheid nicht nur die Ultraläufer mit, die sogar aus Hamburg und München angereist sind. Willkommen sind bei der beschaulichen und gemütlichen Veranstaltung auch Normalos, die nach Lust und Laune auf die Strecke gehen und jederzeit wieder abbrechen können. "Niemand muss hier 24 Stunden am Stück laufen", sagt Klaus Stenner, der trotz der vielen organisatorischen Aufgaben, die er übernehmen muss, selbst mehr als 80 Kilometer zurücklegt. Pech haben die Sportler mit dem Wetter, denn in 14 von den 24 Stunden regnete es stark. Trotzdem haben am Ende 26 Männer und Frauen eine Distanz von mehr als 100 Kilometern bewältigt. Am weitesten kommt mit 170 Kilometern Stilianos Zirinidis. 350 Kilometer schafft Michael Irrgang - auf einem Tretroller.

Im nächsten Jahr kommen die meisten von ihnen wieder.

Quelle: RP
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