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Bastian Schlierkamp
"Wir kriegen die Ratinger kaum in die Halle"

Ratingen. Der Vorsitzende der SG Ratingen über die Suche nach einem Co-Trainer und Schwierigkeiten mit dem Publikum in der Stadt.

Herr Schlierkamp, haben Sie den Schock des plötzlichen Abgangs von Richard Ratka schon verdaut?

Bastian Schlierkamp Ein kleiner Schock war es tatsächlich, da wir den Vertrag erst kurz zuvor um zwei Jahre verlängert hatten. Wir sind allerdings immer offen zueinander gewesen: Richard hat uns immer ehrlich gesagt, wenn er es zeitlich nicht mehr unter einen Hut bringen kann. Er hat während der vergangenen Saison gesagt, dass es für ihn als Cheftrainer zu viel wird, also haben wir die Lösung mit Simon Breuer als Spielertrainer gefunden. Und wir werden auch jetzt eine Lösung finden.

Gibt es schon Kandidaten?

Schlierkamp Man merkt, dass die SG Ratingen als Handball-Marke wertvoller wird. Schon kurz nach Verkündung von Richards Abgang sind bei uns einige Bewerbungen eingegangen. Auch von durchaus renommierten Trainern, die sich für den Cheftrainerposten bewerben wollten. Einer hat sogar in der vergangenen Saison ein Bundesliga-Team trainiert.

Werden Sie da schwach?

Schlierkamp Auf keinen Fall. Wir haben die Lösung mit Simon ja nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern weil wir daran glauben. Wir suchen jetzt ganz explizit einen Assistenten. Dafür setze ich mich mit Simon, Kapitän Ben Schütte und auch Richard Ratka zusammen, um ein Profil zu erstellen und mögliche Kandidaten zu finden und anzusprechen. Wir sind zuversichtlich, dass wir bald einen Co-Trainer finden, der unserem Profil entspricht.

Der Kader ist ja schon recht groß, dennoch fehlt noch ein Torhüter sowie ein Halbrechter. Wie sieht da der Stand aus?

Schlierkamp Mit einem Torhüter sind wir uns eigentlich bereits seit Wochen einig. Hier gibt es aber bürokratische Hürden: Er ist Nicht-EU-Ausländer und wir warten auf ein Visum. Wir hoffen, das bald klären zu können. In Sachen Halbrechts ist die Lage ungleich schwieriger. Es gibt kaum gute Spieler - und wenn, sind sie teuer und für uns unbezahlbar. Hier können wir wohl nur noch in einem absoluten Glücksfall zugreifen.

Kommen wir zu den Rahmenbedingungen: Zuschauer und Geld.

Schlierkamp Beides schwierige Themen, die auch mit unserer geografischen Lage zu tun haben. Ich habe letztens Michael Schneider getroffen, mit ihm bin ich zur Schule gegangen. Er ist nun im Vorstand von Ratingen 04/19 und wir haben festgestellt, dass wir eigentlich die gleichen Probleme haben. Der Ratinger ist kaum in die Halle oder ins Stadion zu bekommen - und das Sponsorenpotenzial in der Stadt ist leider auch endlich.

Ist Ratingen eine Sportstadt?

Schlierkamp Nein, ganz sicher nicht. Das weiß aber auch jeder. Man hat sich in der Stadt vor Jahren darauf festgelegt, den Breitensport zu fördern. Das bekommt der Leistungssport in allen Bereichen zu spüren. Was funktioniert denn hier in der Stadt? Abgesehen vom EC Ratingen vor über 20 Jahren in der Deutschen Eishockey Liga und dem Mehrkampf-Meeting leider relativ wenig. Wir haben 320 Zuschauer im Schnitt. Das sind alles persönliche Kontakte oder Menschen von außerhalb. Der Ratinger Bürger kommt kaum zu unseren Spielen.

Wie gehen Sie damit um?

Schlierkamp Wir werfen die Flinte nicht ins Korn. Wir machen viele Aktionen, unser Maskottchen geht in die Nachbarschaft, in Schulen oder Flüchtlingsheime und verteilt Freikarten. Wir hoffen, dass da mal der eine oder andere hängenbleibt. Wirtschaftlich haben wir uns eine solide Basis erarbeitet. Wir haben den Spielbetrieb unserer Drittliga-Mannschaft in eine GmbH ausgegliedert. Neben der Haftungsminimierung sind Entscheidungswege so kürzer und wir können unsere Mannschaft professioneller vermarkten. Unsere Partner, die wir haben, bleiben uns auch erhalten. Bei der Löwen-Lotterie, bei dem der Hauptsponsor ermittelt wird, bin ich deshalb zuversichtlich, dass wir die 37 Lose aus dem Vorjahr übertreffen werden.

Könnte sportlich etwas getan werden, um mehr Zuschauer zu locken?

Schlierkamp Man hat es in unserem Relegationsspiel damals um den Aufstieg in die Dritte Liga gegen Longerich gesehen: Wenn es um etwas geht, sind die Leute da. Da hatten wir auch 1500 Zuschauer in der Halle. In der Zweiten Liga wird gerade wieder eine Relegation angedacht. Wer weiß, vielleicht kommen wir auch in den Genuss.

ANDRÉ SCHAHIDI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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