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Rp-Serie Weltkulturerbe Orgel (2)
St. Konrads neue Orgel ist alt

Rp-Serie Weltkulturerbe Orgel (2): St. Konrads neue Orgel ist alt
Carlos Reigadas mit einer Orgelpfeife. Er ist als Kantor und hauptamtlich verantwortlicher Kirchenmusiker neben der Orgelmusik und Chorleitung auch für die Instrumentenpflege verantwortlich. FOTO: Olaf Staschik
Ratingen. 50 Jahre lang erklang die Orgel der Gebrüder Krell (Orgelbau Duderstadt) in der St.-Konrad-Kirche. Jetzt bekommt das Gotteshaus ein neues Instrument. Von Christoph Schmidt

"Viele Einzelteile waren defekt", erklärt Seelsorgebereichsmusiker Carlos Reigadas: "Die Mechanik funktionierte nicht mehr zuverlässig. Zudem hätte der Spieltisch erneuert werden müssen. Auch die nötige Reinigung wäre sehr teuer gekommen." Kurzum: Ein neues Instrument sei wirtschaftlicher als die Reparatur des alten.

Deshalb wurde die alte Orgel bereits abgebaut - und nach Barcelona (Spanien) verkauft. "Daraus kann man immer noch etwas machen", weiß der Kirchenmusiker. Die neue Orgel für St. Konrad ist schon da - muss aber noch zusammengebaut werden. Und das dauert bei rund 900 Pfeifen und hunderten von Einzelteilen. Die Montage der Orgel beginnt am 22. Januar 2018 - und soll bis Ostern abgeschlossen sein. Das bedeutet: Weihnachten müssen sich die Gottesdienstbesucher mit einem Keyboard als Orgel-Ersatz begnügen.

Auch die neue Orgel ist ein gebrauchtes Instrument. Erbaut wurde es von der Firma Hugo Mayer aus Heusweiler im Saarland, Orgelbauer in dritter Generation und spezialisiert auf Instrumente mit mechanischer Traktur. Die Orgel stand früher in St. Monika in Köln-Bilderstöckchen. Die Kirche wurde aufgegeben und abgerissen. Die Hildener Gemeinde konnte das Instrument für 53.000 Euro erstehen. "Das war ein Tipp des Orgelsachverständigen Eckhard Isenberg", bedankt sich Carlos Reigadas: "Ein glücklicher Zufall. Da muss man sehr schnell reagieren." Denn das Problem sei, nicht irgendeine, sondern eine passende Orgel zu finden - und dann auch noch zu einem günstigen Preis: "Danach haben wir jetzt fast fünf Jahre gesucht."

"Das ist eine fast neuwertige Orgel von 1993 in einem Top-Zustand", meint Isenberg. Da hätten die Hildener bestimmt nichts falsch gemacht. Mit Ab- und Aufbau, Transport und neuer Stimmung wird die neue Orgel für St. Konrad rund 120.000 Euro kosten. Es gibt Zuschüsse vom Bistum.

Aber ohne eine "großzügige Spende" von einem Gemeindemitglied hätte die Pfarre das Projekt gar nicht angehen können. Die Gemeinde muss dazu noch einen Eigenteil von 25.000 Euro aufbringen. Er soll über Spenden aufgebracht werden. Dazu können Sponsoren eine "Pfeifenpatenschaft" übernehmen. Ihr Name wird dann in einem Buch in der Orgel eingeschrieben. Der Kirchenmusiker verspricht auf jeden Fall ein "neues Klangerlebnis" in St. Konrad: "Die neue Orgel hat zwar weniger Register (nur noch 17 statt vorher 23), dafür aber mehr Klangfarben." Der Kirchenmusiker (45) arbeitet jetzt seit 13 Jahren im Seelsorgebereich Hilden - und durfte auch schon für St. Marien eine neue gebrauchte Orgel beschaffen.

Wegen der Schließung einer ihrer Kirchen bot die Kirchengemeinde St. Nikolaus in Bremerhaven eine Orgel an. St. Marien griff zu und kaufte das Instrument. Die Fachfirma Seifert aus Kevelaer installierte noch zwei weitere Register. Damit wurde der Klang des Instruments in der großen St.-Marien-Kirche noch tragfähiger.

Die alte Orgel wurde übrigens nach Polen verkauft. Sie steht heute in der Schwesternkapelle einer Ordensgemeinschaft in der Nähe von Krakau. Form und Klang der Orgel faszinierten Carlos Reigadas schon als Kind: "Ich wollte unbedingt auch einmal auf diesem Instrument spielen."

Nach seinem Schulabschluss schlug er erstmal einen völlig anderen Weg ein und machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Doch die Musik ließ ihn nicht los. Er studierte Kirchenmusik. Neben Gesang, Chorleitung, Musikgeschichte und -theorie lernte er unter anderem Orgelimprovisation. Dann folgten ein Aufbaustudium und ein Kapellmeisterstudium. Seit 2004 wirkt Reigadas in Hilden als hauptamtlicher Kirchenmusiker.

Quelle: RP
 
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