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Ratingen
Stadt holt Familien aus der Turnhalle

Ratingen. Die Kritik an der Unterbringung von Flüchtlingen im Gebäude auf der Poststraße ist groß, die Verwaltung reagiert. Von Norbert Kleeberg

Die Debatte um die Unterbringung der Flüchtlinge in der Turnhalle auf der Poststraße nimmt weiter an Fahrt auf. Die Stadtverwaltung weist Vorwürfe, die vor allem die SPD nach der Berichterstattung unserer Zeitung angeführt hat, entschieden zurück. Klaus Pakusch, Leiter des Sozialamtes, betont: "Selbstverständlich werden Familien mit Kindern bevorzugt aus dem Provisorium Turnhalle geholt." Was sagt die Stadt zu den einzelnen Kritikpunkten?

1. Vorwurf: In der Halle ist es viel zu kalt.

Sachgebietsleiter Dirk Baumann betont: "Die Heizung läuft auf Hochtouren und sorgt für 22 Grad in der Halle." Es sei aber zu beobachten, dass die große Eingangstür zur Halle ständig mit einem Keil offengehalten werde, erklärt Baumann, "dann kühlt es natürlich schnell aus, und es dauert, bis die Halle wieder aufgewärmt ist". Sozialamtsleiter Pakusch hat angeboten, dass allen Bewohnern eine zweite Decke oder ein Schlafsack angeboten wird, doch nur wenige hätten dieses Angebot angenommen.

2. Vorwurf: Die permanente Beleuchtung in der Halle schlägt auf die Gesundheit.

Die Stadt räumt ein, dass man bautechnisch keine Lösung anbieten könne. Es gehe nur "an" oder "aus". Nachts werde das Licht auf das gesetzliche Mindestmaß reduziert ("Notbeleuchtung").

3. Vorwurf: Die Flüchtlinge können sich kein Essen zubereiten.

Pakusch betont, dass man an der Verbesserung der Kochsituation arbeite, ein Küchencontainer sei bestellt. In der Übergangszeit werde mittags warmes Essen angeliefert. Kochplatten könne man aus brandschutztechnischen Gründen nicht zur Verfügung stellen.

4. Vorwurf: Die Turnhalle ist für Familien mit Kindern völlig ungeeignet.

Sachgebietsleiter Baumann betont, dass Turnhallen nur Behelfslösungen seien. Der Alltag für die Stadtverwaltung sehe so aus: Morgens kommt der Anruf, mittags stehen die Menschen schon vor der Tür und müssen untergebracht werden. Die Verwaltung fasst das so zusammen: Satt, warm und trocken - dies sei doch erst einmal das Wichtigste. Für aufwendige Verlegungen innerhalb der zahlreichen Unterkünfte gebe es gar keine Gelegenheit. Zudem würde ein erhebliches Durcheinander entstehen. Denn es sei schon vorgekommen, dass angekündigte Flüchtlinge gar nicht nach Ratingen, sondern in eine andere Stadt gefahren seien.

5. Vorwurf: Flüchtlinge müssen für lange Zeit in der Turnhalle bleiben.

Die Stadt stellt klar: Die durchschnittliche Verweildauer in der Halle liegt bei rund zwei Wochen. Man arbeitet unter Hochdruck daran, neue Wohnungen zu finden, diese zu renovieren und die Flüchtlinge auf alle Unterkünfte zu verteilen. Die Halle sei nur eine Durchgangsstation, so die Verwaltung.

Quelle: RP
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