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Heiligenhaus
Stadt sucht Wohnungen für Flüchtlinge

Heiligenhaus: Stadt sucht Wohnungen für Flüchtlinge
FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Trotz neuer Möglichkeiten, günstig an Kredite zu kommen, sieht die Verwaltung keine Chance für den Bau einer neuen Flüchtlingsunterkunft. Sie würde etwa vier Millionen Euro kosten. Stattdessen setzt man weiter auf Mietwohnungen. Von Paul Köhnes

Die Idee klingt beim ersten Hören gar nicht abenteuerlich-abwegig: Neubau einer Flüchtlingsunterkunft für 150 Menschen am alten Standort Friedhofsallee, wo die baufälligen Container inzwischen Geschichte sind.

Experten - wie der Architekt Waldemar Madeia und der Immobilienchef Volker Hoven - haben sich bereits vor Jahren nicht nur den Kopf zerbrochen, wie das wohl zu bewerkstelligen wäre. Kosten- und Zeitpläne lagen schon auf dem Tisch. Dann änderte sich die Beschlusslage völlig. Aus dem ursprünglichen "Provisorium" Ludgerusstraße wurde die zentrale Anlaufstelle der Stadt, nebenan entstand die Erstanlaufstelle des Landes.

FOTO: Michael Nacke (mna)

Im September unternahm die CDU einen weiteren Anlauf. Die Verwaltung möge die Sache mit der Unterkunft Friedhofsallee noch einmal prüfen. Das ist geschehen, bei gleichem Ergebnis. Das Vorhaben aus Sicht der Stadt: Die Kosten belaufen sich im Ergebnis auf etwa vier Millionen Euro. Weiter heißt es: "Zwar ständen für dieses Projekt grundsätzlich zinslose KfW-Darlehen als Investitionen in den Neubau von Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung, das enorme Anlagevermögen würde aber dauerhaft, über 80 Jahre, den städtischen Haushalt durch Tilgungen, Abschreibungs- , Unterhaltungs- und Bewirtschaftungsaufwand nachhaltig belasten."

Weitere Sorgen kommen hinzu: "Für den Fall, dass die Immobilie später nicht mehr benötigt würde, wäre ein frühzeitiger Rückbau wegen der hohen Sonderabschreibungen, wie bereits aus der Schulinfrastruktur bekannt, kaum zu realisieren. Eine anderweitige Verwendung der Immobilie wäre an diesem Standort äußerst fraglich und zum heutigen Zeitpunkt unkalkulierbar."

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Die Verwaltung empfiehlt daher dringend andere Optionen, wie die Anmietung weiterer Objekte, zu favorisieren. Aktuell steht die Verwaltung in Verhandlung mit Eigentümern geeigneter Mietimmobilien mit Kapazitäten von ungefähr 170 Personen. Das Anmieten von geeigneter und vorhandener Wohnfläche ist aus Sicht der Verwaltung die beste aller Optionen. Das dürfte so lange stimmen, wie die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge nicht sprunghaft ansteigen. Hier sind allerdings Prognosen extrem schwierig, was die Verhandlungen mit Vermietern nicht einfacher macht. Zudem steht noch ein Spezialproblem im Raum: Man braucht auch Platz für minderjährige Flüchtlinge, die allein in der Stadt ankommen.

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Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Quelle: RP
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