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Ratingen
Stadtarchiv zeigt Klöckners Fotoschätze

Ratingen. Die Bilder des Fotografen, der von 1946 bis 1989 für die RP arbeitete, werden vom Stadtarchiv in unregelmäßiger Reihenfolge mit den dazu gehörigen Geschichten im Internet veröffentlicht. Von Gabriele Hannen

Ein Mann klettert auf das Telefonhäuschen auf dem Ratinger Markt. Er hat so den besten Blick auf Köbes Zimmermann und seine Knüppeljonges. Es ist wieder einmal der Abend vor dem Schützenfest, und die Musiker zelebrieren den Großen Zapfenstreich - diese Szene hat sich vielfach wiederholt, allerdings im letzten Jahrhundert. Das Telefonhäuschen gibt es nicht mehr, der Tambourmajor und die Trommler sind verstorben und Reiner Klöckner, der RP-Fotograf auf der Telefonzelle, lebt auch nicht mehr. Aber seine Bilder gibt es noch. Sie werden nun vom Stadtarchiv in unregelmäßiger Reihenfolge mit den dazu gehörigen Geschichten im Internet veröffentlicht.

Das Schöne ist für jeden Betrachter - falls er Spaß an Stadtgeschichte und Freude an historischen Aufnahmen hat -, dass die Fotos nicht als einzelne Exemplare vorliegen, sondern meist mit anderen zusammen eine Geschichte erzählen. "Und nur so werden die Veröffentlichungen im Netz funktionieren", erklärt Erik Kleine Vennekate vom Stadtarchiv, der sich der langwierigen Hebung eines Erinnerungsschatzes verschrieben hat.

Die Witwe von Reiner Klöckner, der 2000 verstarb, hat den fotografischen Nachlass dem Gedächtnis der Stadt, dem Archiv, zur Nutzung übergeben. Es waren 720 Filmdosen mit mehr oder weniger langen Negativstreifen, lediglich datiert. Davon ist inzwischen die Hälfte digitalisiert worden. "Wirklich sinnvoll wird der Besitz all dieser Fotos nämlich nur dann, wenn man sie zeitlich einsortieren kann und ein bisschen mehr um den wahren Gehalt des Fotos weiß", erklärt Karl Heinz Dahmen von den Jonges, der auch dienstags dabei ist. Und deshalb ist das ehrenamtliche Treiben der Jonges so wichtig, weil sie die Fotos einordnen und dann "verschlagworten", wie es im Archiv-Sprachschatz so anmutig heißt.

Gegenwärtig sind die "Forscher" mit vorhandenem, digitalisierten Material durch. Doch der Nachschub kommt. Die Jonges betrachten natürlich auch nicht nur zum Sortieren, sondern auch zum Spaß. Und das kann jeder Interessierte tun. Wer sich anmeldet und einen Termin vereinbart, kann sich auch daran erfreuen. Manchmal erscheinen Besucher, die ein Klassentreffen vorbereiten, manche wollen städtebauliche Situationen noch einmal anschauen. Das Archiv hofft, auch in Zukunft diesen Service leisten zu können; denn die Besucher, die sich einmal in die Räumlichkeiten an der Mülheimer Straße begeben haben, bekommen eine Ahnung davon, was alles an Erinnerungswürdigem hier gelagert wird.

Die Zusammenstellung von Fotos auf dieser Seite zeigt das, was man "Frauenschicksale" nennen mag und was einfach Kinder, Mädchen und Frauen zeigt, und zwar im Jahr 1955. Da sind die Kommunionkinder bei der Fronleichnamsprozession: Eine sehr große Zahl von Mädchen zieht, wohl geordnet zu zweit, in weißen Kniestrümpfen, überwiegend gestuften Kleidern, fast identischen Lackschuhen und Satinrosen-Kränzchen und mit kugeligen Pompadours die Oberstraße hoch. Und die hat noch ein Straßenpflaster, weil sie keinesfalls verkehrsberuhigt war. Kartoffeln wurden von Hand gelesen. Was dem Foto eine Anmutung von niederländischer Genremalerei verleiht. In der Höseler Schule gab es eine Kochschule, deren Absolventinnen nicht nur ordentlich kochen lernten, sondern sich auch adrett kleideten und akkurat den Tisch deckten. Für das Foto mit Margerita Birks , die in Hösel den weltweit geschätzten Cockerspaniel-Zwinger Northington betrieb, hielt Klöckner den Champion Buseybee (Erzeuger von 1200 Welpen) inmitten seiner Töchter Daisy und Biene in Schach.

Auch das, wie generell bei der Arbeit, mit guter Laune.

Quelle: RP
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