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Ratingen
Stadtgeschichte ab jetzt wieder im Museum

Ratingen. Die wiederweckte heimatkundliche Dauerausstellung erzählt die Ratinger Historie seit 1276 mit vielen Exponaten. Von Gabriele Hannen

Die Zeugnisse der Ratinger Stadtgeschichte langen jahrelang nicht etwa im Dunkel der Forschung, sondern im Archiv des Museums. Doch nun sind sie auferstanden und präsentieren sich überaus ästhetisch und zum Teil multimedial aufbereitet im Museum Ratingen. Das verzichtet mittlerweile auf den Zusatz "Heimat". Die Ausstellung tut das allerdings nicht. Sie startet allerdings nicht in die ganz nebulösen Zeiten, sondern startet mit dem 11. Dezember 1276, als Graf Adolf V. von Berg dem Gemeinwesen Stadtrechte verlieh und damit das nördliche bergische Gebiet sicherte.

Im Gegenzug für die damit verbundenen Privilegien wie Zoll- und Steuerfreiheit und Monopole auf das Mahlen von Korn und die Herstellung von Grüt, einem damals zur Bierherstellung benötigten Kräuter- und Würzstoff, baute die Stadt die mächtige Stadtmauer mit großen Verteidigungstürmen und bis zu acht Meter breiten Wassergräben.

Museums-Chefin Alexandra König und ihr Mitarbeiter-Stab haben eine didaktisch kluge und dazu dezente Präsentation zusammengestellt, die inhaltlich von einem zum nächsten Höhepunkt führt. Noch gibt es keine begleitende Broschüre, wohl aber einen "Multimedia-Tisch", subventioniert von Landschaftsverband Rheinland und vor allem von der Sparkasse. Man kann dort den Touchscreen drücken und bekommt per aufploppendem Fenster einen Standort nahegebracht.

Wie ältere Ratinger so sein können, werden sie vielleicht nach dem kariert bezogenen Familienbett für eher kleinwüchsige Ratinger fragen, zu dem früher die Schulklassen kichernd pilgerten. Also: Dieses Bett kennen nun alle - es wird derzeit nicht mehr ausgestellt. Aber viele andere Exponate, dazu auch noch in geschickte Zusammenhänge gefügt, geben die bunte Geschichte wieder. Wer wusste von der Herde wilder Pferde, die einmal im Jahr zusammengetrieben und zum Verkauf aussortiert wurde (im nördlichen Waldgebiet), wer wusste, dass aus den umfangreichen zusammengetragenen Behandlungsbeschreibungen des 18. Jahrhunderts später Ross-Arzneibücher entstanden? Wem ist es gegenwärtig, dass Anger und andere Gewässer den Schmiede- und Schleifhandwerkern zupass kamen? Dass aber auch Pestilenz die Bevölkerung minimierte und Horden von Soldaten jeglicher Herkunft in der Garnisonsstadt das Stadtsäckel schröpften?

Daneben gab es wohltätigen Bürgersinn, vor allem in der Gestalt der Schützen (dinglich vertreten durch das Schützensilber), und auch fröhliche Gesellinnen und Gesellen - natürlich die Karnevalisten. Auch die nicht ganz unbekannten Bauwerke, die sakralen für jedermanns Gott, die bürgerlichen- wie Mauern, Häuser, Tore und Türme sind zu sehen, Hellebarden, lederne Löscheimer. Auch einen ledernen Handball kann man betrachten, Sportler in fest geschlossenen Reihen und Hakenkreuz-Fahnen für ganz andere Ansammlungen. Nicht zu vergessen: Arbeiterführer Ferdinand Lassalle und seine Fahne von 1848.

Dafür wurden im Obergeschoss neue Wände gezogen, Vitrinen eingerichtet und Nischen geschaffen. Sie alle geben eher zurückhaltend einer Ansammlung liebevoll zusammen getragener Dinge eine neue Heimat.

Quelle: RP
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