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Hoher Besuch
CDU feiert Doppeljubiläum mit Lammert

Ratingen. Eine tolle Feier, eine richtige Familienfeier, bei der auch die entfernten Verwandten groß rauskamen und die veranstaltende Familie wirklich alles aufgeboten hatte, damit es für lange Zeit ein Tag sein würde, "ein Tag, so wunderschön wie heute": Die Ratinger CDU haute auf die Pauke, 450 Gäste machten mit und zwei Jubiläen lieferten den Anlass.

Wenn da ein sechs Stunden währendes Programm abrollt, wenn Grußworte geschwungen und bedeutende Reden gehalten werden, fast vier Quadratmeter Kuchen am Stück anrollen und Vorsitzende auf zweirädrigen Einpersonen-Transportern durch die Stadthalle schnurren, eine jugendliche Band rockt und weiß-orange Sonnenschirmchen vom harten Brot des Wahlkampfs künden, orangene Kulis in der Tischdeko mit fünfarmigen Leuchtern konkurrieren - wo mag man da mit dem Lob beginnen?

Sicher bei Melanie Meyer, der Vorsitzenden des 40 Jahre alten Stadtverbandes, die für einen ganz großen Teil der Vorbereitung und der Ideen verantwortlich war. Und bei Wolfgang Diedrich, dem CDU-Urgestein und Vorsitzenden des 70 Jahre alten Ortsverbandes Mitte. Die beiden hatten sich bei der Moderation, bei den Rückblicken und Grußadressen vorzüglich auf eine unterhaltsame Methode eingelassen. Es war die große Stunde der Namen, die für die Motoren der Ratinger CDU stehen und das nicht nur in der ruhmreichen Vergangenheit, sondern auch in Zukunft. An dieser Stelle könnte mehr als die Hälfte der Gäste erwähnt werden.

Es war aber - bei allem abendlichen Garderobengeglitzer und festlichen Geplänkel - ein Redner der absolute Hit: Bundestagspräsident Norbert Lammert, diplomierter Sozialwissenschaftler, der im Inlandsprotokoll das zweithöchste Staatsamt innehat. Dazu ein gleichermaßen bescheidener wie witziger Redner ist und für seine Partei klare Kante zeigte. Vom Ablauf des Festes her hätte seine Ansprache schon zu Ende sein sollen, als er beginnen konnte. Er ließ deshalb, genau wie in Berlin, abstimmen. Ohne Frage wurde er dringend zum Auftritt gebeten.

Natürlich ging es um die Geschichte der CDU beim Aufbau der Bundesrepublik - wobei sich auch ein lobender Schlenker nach Ratingen anbot, um die stabilisierende Bedeutung der Partei in der Gegenwart. Schon bald war er bei den Flüchtlingen, natürlich unterstützend bei der Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch bei den aktuellen Problemen: "Was können wir tun? Was wollen wir tun?", fragte Lammert, und gab zu bedenken, dass alles "mit dem Blick auf unsere Geschichte beobachtet wird."

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und dieser Satz gilt ausnahmslos", sprach er, und großer Applaus im Saal signalisierte, dass dieses Lammert-Statement angekommen war. Dass "das Flüchtlingsproblem über unsere Kräfte geht", räumte er sehr wohl ein, dass "es europäisch zu lösen sei in einer nach wie vor komplizierten Welt."

Und weiter: "Doch wir werden in der Welt als ein Land angesehen, das seinen Menschen Sicherheit bietet - ist das nicht eins der stärksten Komplimente, die man einer Nation machen kann?" Lammert hatte mitreißende und große Sätze gesprochen, die ihre Wirkung bei einem ohnehin festlich gestimmten Publikum nicht verfehlten. Ihm wurde atemlos gelauscht, frenetisch Beifall gespendet. Und die Ratinger CDU war auch stolz auf sich selber.

Gabriele Hannen

Quelle: RP
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