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Ausgehen
Tragödchen mit Herz für die Freunde des Krimis

Ratingen. Es gibt ein Gedicht von Barbara Ming, das die Geräusche abendlicher Verrichtungen beschreibt, die immer dann durch die freiliegenden Abflussrohre des Tragödchens gurgeln, wenn man sich im Erdgeschoss an den Schlussapplaus macht. Das alles ist rund um 22 Uhr und seit Jahren wundervoll aufeinander eingespielt. Diesmal war es anders: Nach der Pause beim letzten bunten Abend hatte Schauspieldirektor Bernhard Schultz (fahrlässig?) dem Wortakrobaten Kai Engelke und dem virtuosen Fingerstyle-Gitarristen Helm van Hahm ein gemeinsames Glas Rotwein kredenzt.

Und dann legten die beiden erst recht los - so, als wenn's kein Morgen gäbe. Nun hatte sich die traute Runde, wieder mal in großer Zahl erschienen und wild darauf, das kriminalistische Thema "Es liegt was in der Gruft" dargebracht zu bekommen. Einmal waren es die staubtrockenen mordsmäßigen Geschichten von Engelke aus dem Emsland, die, überwiegend kurz angebunden, Mord und Totschlag in die Zeilen stopften, ehe man es sich versehen hatte. Ganz klar, dass der Schöpfer der Stories sich in seinen frühen Jahren aufs Gedichteschreiben beschränkt hatte und sich auch heute noch darauf versteht - er kommt kurz und knapp auf den Punkt. Und dann. Tot ist tot und das auch noch in ausgewogener Zahl von Mann und Frau. Traut an seiner Seite der große Mann aus Münster mit seiner großen Gitarrenkunst, rhetorisch nicht ganz so leichtfüßig wie sein wortstellender Freund, aber begeisternd über die Saiten tanzend. Da spielte er von der Musette-Valse bis zum Harry-Lime-Theme, gemeinhin "Der dritte Mann" genannt, die Krimimusik kunstfertig auf der Gitarre, da war alles zu erraten, was gut, teuer und spannend und jedem Krimifreund aus dem Fernsehen bekannt war. Auch die Musik vom "Tatortreiniger" wurde nicht versäumt, die James-Bond Töne erklangen. Und das Publikum durfte raten. Sehr lustig war, dass man die Erkennungsmelodien nahezu komplett hätte mitpfeifen können, dass man aber die Namen der Thrillerserien nicht gleichzeitig auf dem Schirm hatte.

Es muss dann beim ""Spiel mir das Lied vom Tod", gewesen sein, das Helm van Hahm gnadenlos gut von der Mundharmonika zur Gitarre umgeschrieben - als er dabei musikalisch alles gab, währen es aus den Obergeschossen des Hauses Grütstraße 3 - 7 durch die Rohre rauschte. Oben war dann Stille, doch zwischen Büchern, Zuhörern, Tragödchen-Direktorium und den Musik- und Krimi-Künstlern wurde wacker weiter interagiert.

Gabriele Hannen

Quelle: RP
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