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Ratingen
Starke Stücke: Betonkunst am Blauen See

Ratingen: Starke Stücke: Betonkunst am Blauen See
Der Betonkünstler Walter Remitschka arbeitet gern im Märchenzoo. Mittlerweile sind neue Figuren hinzugekommen. FOTO: A. Blazy
Ratingen. Hunde, Marienkäfer, Dackel - Der Märchenzoo zeigte Werke des Ratinger Künstlers Walter Remitschka. Von Wolfgang Schneider

Beton als bloßer Stoff, um Häuser oder Straßen zu bauen? Nein, das geht auch anders. Beton kann durchaus auch zu Kunst werden. Was Kunst ist und was nicht, liegt zwar im Auge des Betrachters, aber das eine oder andere Aha-Erlebnis gab es am Blauen See am Wochenende trotzdem. "Er hat so viele unserer Märchenfiguren geschaffen - zum Beispiel die alte Hexe bei Hänsel und Gretel oder auch Schneewittchens sieben Zwerge", verrät Thomas Kohnen, rühriger Betreiber des Märchenzoos über den Mann, der diese Erlebnisse möglich machte. Und das ist der Ratinger Künstler Walter Remitschka, dessen Ausstellung am besonderen Ort am Wochenende den einen oder anderen Kunstinteressierten an den Blauen See führte.

Entlang des Weges durch den Märchenzoo, der knapp zwei Jahre nach den schweren Zerstörungen durch Pfingststurm Ela wieder im vollen Glanz erstrahlt, stehen einige Exponate des Künstlers: der buddelnde Hund, der schöne Marienkäfer oder der lange Dackel am Sandkasten. Fantasievoll sind sie alle gestaltet, diese Werke von Walter Remitschka. Der stand natürlich Rede und Antwort am Wochenende, auch wenn aufgrund des unsicheren Wetters nicht so viele Menschen den Weg in den Märchenzoo fanden, wie es seine Kunst wert gewesen wäre. Die Zusammenarbeit der Kohnens mit Künstler Remitschka ist übrigens eng mit der Naturkatastrophe von Pfingsten 2014 verknüpft, als umstürzende Bäume viele der Märchenfiguren dort zerstörten. Eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte damals ein, Dutzende Freiwillige packten mit an, um die Existenz der Kohnens wieder aufzubauen. Und auch der Künstler hatte damals den Aufruf gelesen.

Als er in unserer Zeitung las, dass der Märchenzoo am Blauen See neue Zwerge für Schneewittchen benötigt, war für ihn klar: "Da kann ich helfen. Ich bin vor fast 60 Jahren das erste Mal hier oben gewesen und war damals schon fasziniert von diesem Kleinod", sagt der Ratinger Betonkünstler. "Es war für mich geradezu eine Verpflichtung, meine Unterstützung anzubieten." Nach einem kurzen Gespräch war klar, dass die Hilfe benötigt wurde. Die Kohnens übernahmen die Materialkosten, Remitschka arbeitete dafür gratis - und in Rekordzeit war "Schneewittchen und die sieben Zwerge" wieder komplett.

Mittlerweile sind noch einige bunte Figuren mehr dazu gekommen, manche davon an recht ungewöhnlichen Plätzen. Alleine die mehrere Tonnen schwere Hexe aus Hänsel und Gretel auf das Knusperhäuschen zu bekommen, war ein echtes Kunststück. Denn zusätzlich zum Gewicht lag die Schwierigkeit hier darin, dass gerade dieses Märchen sich ausgerechnet ganz oben auf dem Berg befindet.

Svenja Höfer kennt den Märchenzoo seit ihrer Kindheit und ist gerne mit ihren Kindern Pascal und Jessica hier. Die Figuren, die Remitschka für die Märchen gestaltet hat, bewundert sie sehr: "Ich bin beeindruckt, dass man aus Beton so etwas zaubern kann. Das sind echte Hingucker, die die ganze Anlage noch mehr aufwerten." Und so scheint es fast so, als hätte das große Chaos, das Ela damals mit sich brachte, letztlich doch noch etwas Gutes - nämlich eine tolle Verbindung zwischen einem Ratinger Traditionsort und schön anzusehender Kunst. Und spätestens jetzt ist klar, die kann durchaus auch aus Beton sein.

Quelle: RP
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