| 00.00 Uhr

Claudia Schmitz Und Verena Penschinski
Sterbebegleiter lernen fürs Leben

Ratingen. Im Hochdahler Franziskus-Hospiz starten regelmäßig neue Kurse. Wer teilnimmt, tut dies aus vielfältigen Gründen.

Aus welchen Gründen werden Kurse zur Befähigung für die Sterbebegleitung besucht?

verena Penschinski Die Motive sind ja oft nicht bewusst. Sie an die Oberfläche zu holen, kann wie eine kleine Geburt sein. Ein Beispiel: Am Ende eines Seminarabends sagte eine Teilnehmerin: "Ich habe gedacht, ich habe keine Angst vor dem Tod. Jetzt weiß ich, dass ich genau deswegen hier bin, um meiner Angst zu begegnen."

Gibt es weitere Motive?

penschinski An der Oberfläche gibt es oft Motive wie "Ich möchte sterbende Menschen nicht allein lassen", "Ich möchte die Hospizarbeit unterstützen" oder "Ich möchte dem gesellschaftlichen Tabuthemen Sterben und Tod etwas entgegensetzen." Immer gibt es biografische (Hinter-) Gründe, also eigene prägende Erfahrungen in diesem Bereich. Sie können positiv sein, so dass Menschen sagen, dass sie diese guten Eindrücke auch weiter geben wollen. Oder sie sind eher ungut oder gewesen. Dann liegt es nahe, dass Menschen diese Erfahrungen bearbeiten oder korrigieren wollen.

Warum interessiert sich jemand "ausgerechnet" für Hospizarbeit?

penschinski Dazu gehören immer auch Wünsche wie "Ich möchte mich weiter entwickeln", "Ich möchte lernen, mit Menschen in existenziellen Krisen besser umzugehen" und "Ich möchte Rüstzeug bekommen für Begleitungen im eigenen Umfeld." Es gibt auch tabuisierte Beweggründe wie Neugierde und Faszination: Wie geht Sterben überhaupt? Wie sieht ein sterbender, ein toter Mensch aus? Manche stellen fest, dass sie bei dem Tod eines Angehörigen nicht richtig getrauert haben und möchten im Hospiz lernen, wie das geht.

Wie hilft das Seminar dabei?

penschinski In der Reflexion eigener Anteile können wir es vielleicht vermeiden, in der Begegnung mit sterbenden Menschen und deren Angehörigen die zu uns gehörenden Vorstellungen und Sehnsüchte auf andere zu projizieren. CLAUDIA SCHMITZ Teilweise suchen Menschen auch einen Gegenpol zu ihrem Beruf, etwa ein Banker oder Controlling-Experte, der täglich mit Zahlen zu tun hat und nun einen Bereich sucht, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Zu unseren Kursen kommt aber auch die Altenpflegerin, die kurz vor der Verrentung steht und doch noch etwas lernen möchte.

Zu Beginn haben die Teilnehmer wohl noch keinen festen Plan für eine spätere ehrenamtlichen Tätigkeit. Wie kristallisiert sich das heraus?

Penschinski Unsere Kurse sind für jeden Interessierten offen und es ist im Sinne der Hospizidee, wenn die Seminarteilnehmer ihre Erfahrungen zunächst in das eigene Umfeld einbringen. Daher lassen wir die Frage nach einer ehrenamtlichen Mitarbeit während des Seminars außen vor. Die meisten Menschen möchten von sich aus bevorzugt auf die Station, weil sie dort immer den unmittelbaren Kontakt zum Team und Unterstützung haben. Andererseits hat das Hospiz als Ort eine Ausstrahlung und Wirkung auf uns, im Sinne eines "spiritus loci". Sich darin zu bewegen, kann alleine schon Kraft spenden und beseelen. Im Ambulanten Dienst bin ich dagegen erst einmal allein unterwegs. Das trauen sich viele zunächst nicht zu.

Wie kann man da helfen?

penschinski Die Erfahrung zeigt, dass Ermutigung immer hilfreich ist, und es gibt in der langen Geschichte dieses Hauses wohl keinen, der diesen Schritt bereut oder nicht geschafft hat. Alle sind in diese Aufgabe hineingewachsen. Schließlich gibt es auch da Unterstützung durch Gruppentreffen, Supervision, Fortbildungen und Einzelgespräche.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Claudia Schmitz Und Verena Penschinski: Sterbebegleiter lernen fürs Leben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.