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Ratingen
Streichholz-Baumeister aus Leidenschaft

Ratingen: Streichholz-Baumeister aus Leidenschaft
Damit es am Ende auch passt: Bruno Schleuter schneidet Streichhölzer auf Maß. Viereckig müssen sie sein, Briefchen-Hölzer taugen nicht. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Der Wahl-Ratinger Bruno Schleuter baut mit handelsüblichen Streichhölzern Miniaturen von bekannten Gebäuden der Stadt. Ein Besuch in seiner Werkstatt. Von Valeska von Dolega

Zwar ist er nicht in der Stadt geboren, lebt aber seit 1948 hier. Als "alten Ratinger" bezeichnet sich Bruno Schleuter. Und weil er seine Stadt so liebt, setzt er ihr immer mal wieder ein Denkmal. Als Bauherr. Dabei kreiert der 75-Jährige allerdings nichts Neues. Er baut Lieblingsgebäude nach. Im Miniaturformat aus Streichhölzern.

"Das sind ganz handelsübliche Streichhölzer", beschreibt er sein Grundmaterial. Viereckig müssen sie sein, Exemplare aus sogenannten Briefchen taugen nicht für seine Arbeit. Im ersten Schritt heißt es dann wie bei Lewis Carrolls Herz Königin "Kopf ab!". Dazu greift der seit 2002 pensionierte frühere Bankangestellte zu einem Präzisionsmesser und macht die Hölzer kopflos. "Und dann geht es los."

Ein echter Schleuter: Eine Miniatur von Gut Poßberg steht derzeit im Friseurladen Vogt an der Industriestraße. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Sein erstes Objekt war die katholische Stadtkirche St. Peter und Paul. Ein Prachtexemplar im Original, das er aus 16000 Hölzern nachbaute. Wie lange er dafür brauchte, lässt sich nicht bestimmen. "Ich bastele mal 15 Minuten und mal beschäftige ich mich drei Stunden. Das ist ganz unterschiedlich." Dafür zieht er sich in seine Bastelecke zurück. Dort stehen akribisch sortiert alle Utensilien, die er braucht. "Am wichtigsten ist Geduld zu haben."

Dazu zählen natürlich kistenweise Streichhölzer, die bekommt Bruno Schleuter inzwischen von all denjenigen geschenkt, die von seinem Hobby Kenntnis haben. Außerdem stehen hier Raketenstöcke. "An Neujahr gehe ich mit den Hunden meines Sohnes spazieren. Und dann sammele ich die abgefackelten Silvesterraketen ein." Sie dienen bei seinen Bauarbeiten als so etwas wie ein Gerüst. Seitenschneider, Cutter-Messer, kleine Piekser, Zollstock und vor allem ein quadratisches Holzbrett mit kleinem Rand. Auf dem wird gearbeitet. Millimetergenau wird dazu mit speziellem Bastelkleber und akkurat angelegten Messgeräten gewerkelt. "Ich arbeite ohne Planungszeichnungen. Ich beginne und schaue dann, wie sich das entwickelt." Im Hintergrund läuft dazu bevorzugt der "Happy Sound" von James "Hansi" Last. Manchmal kommt Ehefrau Waltrud dazu, erledigt die Bügelwäsche oder leistet ihrem Liebsten einfach bloß Gesellschaft. "Schön, dass er so gut beschäftigt ist", kommentiert sie seine Bauleidenschaft. Nach der römisch-katholischen Pfarrkirche nahm sich der gebürtige Duisburger, der sich aus Geschichtsbüchern der Stadt inspirieren lässt, das Herrenhaus Cromford vor. Bürgerhaus am Marktplatz, Suitbertusstuben, die evangelische Stadtkirche, Auermühle und zuletzt Gut Poßberg folgten. "Michael Poßberg rief mich an und fragte, ob ich den 1000 Jahre alten Bauernhof im Schwarzbachtal nicht nachbauen wollte." Er wollte. Und verschenkte das fertige Modell an den Eigentümer der Original-Immobilie. Bloß das Cromford-Modell ist nicht im LVR-Industriemuseum gelandet. Die Golden Ager des Seniorentreffs freuen sich über den Modelbau.

Schleuters gesammelte Modelle (von links): Auermühle (von 2014), St. Peter und Paul (von 2013) und das Herrenhaus Cromford (von 2009). FOTO: Achim Blazy/privat

Jetzt allerdings ist erstmal Pause. Denn "gebaut wird nur im Herbst", den Sommer nutzt der Pensionär gerne für Spaziergänge und Radtouren am Junkersbusch und durch den Aaper Wald.

Doch der nächste Oktober kommt bestimmt. Das alte Rathaus nachzubasteln hätte nicht mal Sinn, stünde es noch. "Ich habe noch keine Idee", winkt er zu neuen Projekten ab. Das Haus zum Haus wäre etwas Reizvolles. "Aber das geht ja gar nicht." Ob das stimmt, ist Ende März klar. Dann waren bislang alle Nachbauten fertig.

Schleuters gesammelte Modelle (von links): Auermühle (von 2014), St. Peter und Paul (von 2013) und das Herrenhaus Cromford (von 2009). FOTO: Achim Blazy/privat
Quelle: RP
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