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Ratingen
Streit um Schimmel und Ungeziefer

Ratingen: Streit um Schimmel und Ungeziefer
Schimmel und andere Schadstoffe in der Wohnung machen Sandra Hilpert und ihren Töchtern Eva (links) und Emilia zu schaffen. FOTO: achim blazy
Ratingen. Eine Mieterin in West plagt sich mit angeblichen Schäden in ihrer Wohnung herum, sogar ein Kammerjäger war da. Von Valeska von Dolega und Nico de Luca

West "Ich weiß nicht, was ich noch machen soll", sagt Sandra Hilpert. Seitdem sie in ihrer Wohnung an der Berliner Straße lebt, sind sie und ihre Kinder permanent krank. Den Grund dafür sieht die vierfache Mutter im Zustand ihres 102 Quadratmeter Domizils.

Die Tapeten lösen sich von der Wand, das Mauerwerk bröckelt, Schimmelpilz hat die Ecken befallen, und Kakerlaken soll es auch geben. Dass auf den Fluren und Gängen Asbest verbaut wurde, was ein "weiterer Angriff auf unsere Gesundheit ist", erwähnt sie nur nebenbei.

"Ich habe keine Kraft mehr. Was muss noch passieren, damit den Kindern und mir geholfen wird?", fragt sie. "Viel zu lang" dauert ihre Odyssee zwischen Vermieter, Ärzten, Gesundheitsbehörde und Anwälten. Sagt sie. "Und keiner tut etwas." Begonnen hat alles Ende 2012. Die Wohnung, für die sie sich damals entschieden hatte, war frisch saniert.

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"Aber die eigentliche Wohnung, um die es ging, haben wir gar nicht zu sehen bekommen. Nur eine Musterwohnung." Mit dem Einzug Januar 2013 begannen die Probleme. Vor allem wegen des Schimmelbefalls und der Kakerlaken nahm sie Kontakt mit dem Vermieter Wegeling + Schäfer auf. "Nichts passierte", sagt sie.

Also wurde sie selbst aktiv. Ein im November 2014 verfasstes Beratungsprotokoll von der Verbraucherzentrale NRW rät, "von Schimmel befallene Flächen fachmännisch zu sanieren". Von Nachbarn erfuhr sie, dass nicht nur bei ihr Ungeziefer und Schimmel sind, sondern ebenfalls anderswo. "Ich vermute, dass das ganze Haus kontaminiert ist. Also sammelte ich Unterschriften."

Die leitete sie an den Bürgermeister weiter. Ohne Ergebnis. Auch mit Klaus Gerber vom Mieterverein trat sie in Kontakt, meldete sich bei der Mitarbeiterin Denise Jaitner vom Kreisgesundheitsamt. "Ich sollte das dokumentieren, was hier los ist." Seitdem sammelt Sandra Hilpert in fest verschlossenen Plastikbechern, was sie an Unrat mit dem Staubsauger sammelt. "Ich putze zweimal am Tag. Aber draußen ist es sauberer als hier drin."

Aber es gibt auch eine komplett andere Sicht der Dinge. Nach Auskunft von Rainer Schmitt, Anwalt der Vermietergesellschaft Wegeling + Schäfer GbR, "wurde alles Erdenkliche getan, um Frau Hilpert zu helfen. Wir haben einen Kammerjäger hinzugezogen, um in der Wohnung alles zu überprüfen und gegebenenfalls tätig zu werden". Allerdings konnte außer Silberfischen nicht viel entsorgt werden. Ebenfalls angeboten wurde ihr, die Wohnung zu wechseln. "Mit einer fristlosen Kündigung", so der Anwalt.

Kakerlaken wurden bei der Inspektion nicht gefunden. Präventiv und als Vorsichtsmaßnahme wurden jedoch Fallen aufgestellt. Darüber hinaus wurde ein Desinfektionsmittel, das der EU-Verordnung entspricht, gesprüht, um mögliches Ungeziefer zu beseitigen. Auch mit den Mitarbeitern des Mietervereins nahmen die Vermieter Kontakt auf, die daraufhin einen Außendienstler an die entsprechende Adresse schickten, um dort alles überprüfen zu lassen. In einem Schreiben vom 17. September 2014, das dem Anwalt vorliegt, wurde festgehalten, dass "Fallen aufgestellt wurden" und sonst alles in Ordnung sei. "Seit diesem Tag haben die Vermieter nichts mehr von Frau Hilpert gehört", sagt Anwalt Schmitt unserer Zeitung. Selbstverständlich würden die Vermieter aktiv werden, sobald es Probleme gibt - die von Vermieterseite auch lösbar sind. Inzwischen ist Hilpert ausgezogen.

Quelle: RP
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