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Ratingen
Stadt feiert die Tour de France

So schön war die Tour de France in Ratingen
So schön war die Tour de France in Ratingen FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die Wirklichkeit ist eine Minute schneller als jedes Fernsehbild. Um ein Haar hätte Moderator Volker Boix vor dem LED-Bildschirm am Stadttheater deshalb gestern beinahe die ersten vier Fahrer verpasst, als sie den Europaring entlang zischten. Von Norbert Kleeberg und Dirk Neubauer

Ein Ausreißerfeld von vier Fahrern hatte zu diesem Zeitpunkt einen Vorsprung von drei Minuten und 30 Sekunden vor dem Hauptfeld. Und bog für einige Minuten durch ein jubelndes, radbegeistertes Ratingen. Viele tausend Menschen wollten sich gestern die Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Mit Sitzkissen, Schemeln, Campingstühlen, Leitern, Fässchen und Verpflegung zogen sie an den Rand der Strecke. Das gibt es nur einmal, das kommt so rasch nicht wieder.

Deshalb hatten Birgit Wagner und Gerd Schau ihre beiden Leitern an der Kreuzung Industriestraße/Europaring ausgeklappt. So überblickten sie eine komplette 90-Grad-Kurve. Zehn Meter weiter vorn bauten die Familien Thierbach, Siemens und Kastner ihren Tapeziertisch mit einem kompletten Familien-Catering auf. Und schräg gegenüber stand Sebastian Rieken aus Emden im professionellen Radlerdress mitsamt zweirädriger Fahrmaschine, der am Morgen erst die Ruhrtalsperre besucht hatte und dann auf einen Abstecher nach Ratingen gekommen war, um die Tour zu sehen.

Hunderttausende Fans säumen die Tour-Strecke FOTO: Christoph Reichwein

Zwischen Stadttheater und Stadthalle spannte Ratingen den zentralen Bogen rheinischer Radbegeisterung. Hinter der Stadthalle sorgte ein Aktionstag für Radbegeisterung rundherum. Und am Stadttheater teilten sich Jugendrat und Musikschule die Fläche.

Sportfans wurden über den XXL-Bildschirm mit aktuellen Tourinformationen versorgt. Die Musikschule spielte Tina Turner und Co.: Simply the Best.

Die schönsten Kostüme der Fans zur Tour de France FOTO: Bretz, Andreas

Ratingens Bürgermeister Klaus Pesch trat derweil selbst in die Pedale eines Rad-Nachbaus von 1898 mit dem französischen Namen "Le Marie" - das Bürgermeisteramt. Besonderer Clou: Dem Zweirad fehlte ein Rücktritt.

"Wir haben hier in Ratingen viel Glück mit dem Wetter gehabt. Mit dem Rad war ich in der Stadt unterwegs und habe überall begeisterte Menschen getroffen. Der Tourabstecher durch Ratingen ist ein echter Glücksfall für uns."

Da hatte Pesch zum Glück nicht wenige Minuten zuvor den erstaunten Ausruf einer Ratingerin gehört. "Was ist denn hier los?", fragte sie ganz perplex ihren Mann. "Hier kommt gleich die Tour", entgegnete der. "Aber doch nicht die echte...!" "Doch, genau die." Offenbar gab es immer noch Leute, bei denen die rollende Botschaft nicht angekommen war.

Spätestens als dann einige Werbefahrzeuge mit großem Tempo und lauter Musik nahten, wurde es für die Zuschauer entlang der Strecke spannend. Mit der vierfachen Geschwindigkeit eines rheinischen Karnevalszuges und lauten "Guten Tag"-Rufen zischten die Werbevorboten in hohem Tempo durch Ratingen. Wer sich gerade angesichts einiger, zaghafter Sonnenstrahlen den Jackenkragen gelockert hatte, bekam von einer Mineralwassermarke einen kühlen Wassernebel ab.

Die Gefährte selbst lehrten gestandene TÜV-Ingenieure das Grauen. Bei einem weißen Würfel und einem riesigen schwarzen Reifen musste man schon mehrfach hinschauen, um einen Fahrer zu erkennen.

Als alle Fahrer der Tour binnen weniger Minuten Ratingen durchquert hatten, wollte trotz des Nieselregens kaum jemand nach Hause gehen. Am Stadttheater ehrte Bürgermeister Klaus Pesch die drei Gewinnerschulen des großen Fahrrad-Gestaltungswettbewerbs. Die 90 Jahre alte Klara Esina gewann ein schneeweißes Ratingen-Rad mit einem großen Einkaufskorb und knallroten Felgen.

Dass die Stadt Ratingen auch bei der Live-Übertragung im Ersten groß herauskam, freute Politiker, die sich vom sechsten Stock des Interboden-Haus am Europaring die Tour anschauten. Und auch die lokale Wirtschaft war begeistert. Der Werbeeffekt für Ratingen sei nicht zu unterschätzen, hieß es.

Auch für die Stadt Mettmann hatte man ein Lob parat: Das Neanderthal-Museum hatte werbewirksam auf sich aufmerksam gemacht.

Die Feuerwehr sprach in einer ersten Bilanz gestern Abend von rund 50.000 Besuchern. 227 Helfer waren insgesamt im Einsatz.

Quelle: RP
 
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