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Ex-Beigeordneter
Traumann will Mut machen

Ex-Beigeordneter: Traumann will Mut machen
Edzard Traumann hat eine schwere Herz-OP überstanden. FOTO: Blazy
Ratingen. Herr Traumann, schön Sie wiederzusehen. In Ratingen sieht man Sie ja kaum noch.

Edzard Traumann (lacht) Ach, das ist der Grund für dieses Interview. Sie wollten nur mal schauen, ob der Pensionär Traumann den Ruhestand genießt.

Quasi - wie geht es Ihnen?

Traumann Jetzt wieder gut, das sah allerdings vor einem halben Jahr ganz anders aus. Meine Hauptschlagader war an einer Stelle gerissen. Ich hatte eine schwere Herzoperation, die gerade eben noch rechtzeitig erfolgt ist. Viel später wäre mir wahrscheinlich nicht mehr zu helfen gewesen.

Bitte? Sie sind doch seit Jahren aktiv, leben gesund, treiben Sport.

Traumann Das hat die Diagnose ja so unheimlich erschwert. Wie viele, die mich kennen, sind die Ärzte aufgrund meiner Lebensweise nicht gleich darauf gekommen, dass mich so etwas treffen könnte. Das war eine harte Zeit, auch für meine Familie, aber jetzt geht es mir wieder gut. Ich fahre wieder Fahrrad, schwimme, jogge ein wenig und wandere, wenn es die Zeit zulässt. Deshalb spreche ich auch immer sehr offen über meine Erkrankung, um den anderen Menschen Mut zu machen, dass man es schaffen kann, auch so etwas zu überstehen.

Aber Sie sind kürzer getreten?

Traumann Zwangsläufig. Meine Arbeit als Prüfer beim juristischen Staatsexamen hätte ich eh aufgeben müssen, das darf man nämlich nicht länger als bis zum 68. Lebensjahr machen. Deshalb hatte ich für meine letzte Prüfung meine Wunschkollegen und Top-Kandidaten bekommen - und musste dann absagen. Das hat mir wirklich sehr leid getan. Auch alle anderen juristischen Tätigkeiten habe ich aufgegeben.

Aber im Ruhestand sind Sie trotzdem nicht?

Traumann Seit anderthalb Jahren bin ich Geschäftsführer des Fördervereins der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Unter dessen Dach sind mittlerweile 24 Stiftungen zusammen gefasst, die die Universität fördern. Wir haben 370 Mitglieder, viele aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die meisten kommen aus der Region Düsseldorf. Es sind auch einige Ratinger dabei.

Was sind das für Stiftungen?

Traumann Das sind Stiftungen, die zum Beispiel Professuren finanzieren, Studierende fördern oder Forschungsprojekte unterstützen. Sehr viele finanzielle Mittel fließen dabei in die Bereiche Kinderheilkunde und in die Krebsforschung. Wobei die finanziellen Mittel in Niedrigzinsphasen wie jetzt nicht so hoch sind. Wir dürfen bei den meisten Stiftungen ja nicht an das Stiftungskapital, sondern können nur die Zinsen verwenden. Aber wir können uns nicht beklagen, wir haben ein Kapital von einigen Millionen Euro, damit können wir tolle Arbeit leisten.

Sprechen Sie potenzielle Stifter an oder wie finden Sie zusammen?

Traumann In der Regel kommen die Menschen auf uns zu, weil sie einen persönlichen Bezug zum Beispiel zur Uni-Klinik haben.

Wie sind Sie an diese Aufgabe gekommen?

Traumann Das ist eine lustige Geschichte. Mein Nachbar hat das lange Jahre gemacht. Und als er aus Altersgründen aufgehört hat, hat er mich vorgeschlagen - auch wenn die Verjüngung dadurch nur ein paar Jahre betragen hat.

Mal zurück nach Ratingen: Haben Sie noch Kontakt zu alten Weggefährten?

Traumann Ja, mit meiner früheren Sekretärin Frau Rodemann und ihren Kolleginnen Frau Thelen und Frau Kohmann treffe ich mich ab und zu. Kontakte habe ich auch noch zu Klaus Pesch und Rolf Steuwe sowie Manfred Fiene, dem Leiter des Amtes für Kommunale Dienste. Ansonsten sind die Kontakte ins "Rathaus" und zur Politik nahezu abgerissen. Wenn man nicht mehr präsent ist, ist das aber auch normal. Sehr schade finde ich, dass die Ruheständler gar nicht mehr zum Mitarbeiterfest eingeladen werden.

Rolf Steuwe, Ihr Nachfolger als Sozialdezernent, ist derzeit nicht zu beneiden.

Traumann Da haben Sie völlig Recht. Diese Aufgabe ist unheimlich schwer zu bewältigen, vor allem weil letztlich alle Last auf den Kommunen liegt, ohne die wahrscheinlich schon alles zusammen gebrochen wäre. Ich war neulich an der Wilhelm-Busch-Schule in Hösel, habe den Kontakt mit den Menschen gesucht, die dort in der Halle leben. Ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten den Flüchtlingen helfen.

Sie sind 68: Gibt es noch Träume?

Traumann Oh ja, ich habe angefangen, auf dem Jakobsweg zu pilgern, wenn auch in Etappen. Das möchte ich auf jeden Fall bis Santiago de Compostela schaffen.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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