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Ratingen
TV Ratingen fordert Sporthallen zurück

Ratingen: TV Ratingen fordert Sporthallen zurück
Der TV Ratingen nutzt auch diese Halle an der Poststraße. Zurzeit sind dort Flüchtlinge untergebracht. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. In einem Brief an die Stadt betont der Verein, dass die Hallen wegen der Flüchtlinge "zweckentfremdet" werden. Von Wolfgang Schneider

Der Wunsch des TV Ratingen, immerhin größter Sportverein der Stadt, an die Verantwortlichen im Rathaus ist deutlich: "Wir beantragen die Rückführung der städtischen Turnhallen, welche zurzeit für die Flüchtlingsunterbringung zweckentfremdet werden, zur Ursprungsnutzung", schreibt Marion Weißhoff-Günther, Vorstandsvorsitzende des TV, an Bürgermeister Klaus Pesch. Und die Begründung dafür liefert sie gleich hinterher: "Den gesellschaftlichen Auftrag zur Sport- und Gesundheitsförderung können wir aufgrund der Zweckentfremdung mehrerer Sporthallen inzwischen nur noch sehr eingeschränkt erfüllen."

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Den TV traf es in der Tat besonders hart, sind doch mit den Hallen an der Poststraße, der Graf-Adolf-Straße und der Talstraße drei Sportstätten in der Innenstadt weggefallen. Und gerade die letztere Halle tut den TV-Verantwortlichen besonders weh: "Die Fechter haben dort 16 Stunden in der Woche trainiert. Die Fechtkinder sind auf hohem sportlichen Niveau, die Leistungen gehen von Podestplätzen bei Deutschen Meisterschaften bis hin zur Teilnahme bei Europacups und Platzierungen unter den besten 20 im Europa-Ranking." Dafür, so Weißhoff-Günther, sei regelmäßiges Training enorm wichtig. Um das zu gewährleisten, seien die Übungseinheiten auf drei andere Hallen verlegt worden - gerade für die Eltern der jungen Sportler eine enorme Belastung: "Wie lange die Eltern, welche in ehrenamtlichem Einsatz das komplette Equipment von Halle zu Hallen fahren, diese Belastung noch durchhalten, wissen wir nicht."

Bei der Stadt hat man Verständnis für die Sorgen des TV, helfen kann man freilich nicht wirklich, wie Sportdezernent Rolf Steuwe - als Sozialdezernent übrigens auch für die Flüchtlingsunterbringung zuständig - klar macht: "Die Stadt ist verpflichtet, Asyl begehrende Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Obdach zu gewähren. In der Kürze der Zeit ist es nicht möglich gewesen, andere Räumlichkeiten für die Unterbringung zu generieren." Gleichzeitig verspricht er, dass die Hallennutzung für die Flüchtlinge lediglich eine Notlösung sei. "Sobald sich die Gesamtsituation entspannt hat, wird diese Entscheidung rückgängig gemacht, die Hallen werden wieder freigezogen", so Steuwe.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Man kümmere sich intensiv um Flüchtlinge, stelle kostenlose Sportangebote zur Verfügung, wie Weißhoff-Günther sagt: "Wir sehen darin einen erheblichen Beitrag zur Integration, würden aber gerne noch mehr tun. Aber ohne Sporthallen können wir unserer Kernkompetenz Sport nicht mit zusätzlichen Programmen nachkommen." Und so schließt der TV-Brief mit einem Appell: "Schaffen Sie schnellstmöglich alternative Unterbringungsmöglichkeiten, damit wir alle gemeinsam unsere mühsam aufgebaute Infrastruktur erhalten können."

Quelle: RP
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