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Ratingen
Uni-Gutachten stärkt Fluglärm-Gegner

Ratingen: Uni-Gutachten stärkt Fluglärm-Gegner
Aktuelle Zahlen belegen: Die Feinstaub-Dauerbelastung in Tiefenbroich liegt bei über 20 000 Partikeln. Die Grundbelastung auf der Corneliusstraße in Düsseldorf beträgt weniger als 4000 Teilchen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die Feinstaubbelastung in der Region rund um den Flughafen ist groß: Wissenschaftler fordern genaue Messungen. Von Norbert Kleeberg

Am 13. Februar 2017 sollen in einer Düsseldorfer Messehalle möglichst alle Fakten auf den Tisch kommen. Mehrere Tage sind dafür anberaumt. Unter dem Titel "Erörterungstermin" werden die zahlreichen Bedenken der Fluglärm-Gegner zum Antrag auf die nächste Kapazitätserweiterung am Airport vorgetragen. "In erster Linie werden die Anwälte sprechen", berichtet Siegfried Aring, der als Flughafen-Beauftragter der Stadt Ratingen dabei sein wird. Der Diplom-Ingenieur koordiniert auch die Strategie der Anrainerstädte, die mit den möglichen Folgen der Wachstumspläne des Flughafens nicht einverstanden sind. Eine spätere Klage wird längst nicht mehr ausgeschlossen. Aring betont, dass die Zahl der Bedenken und Einwendungen gigantisch hoch sei, geprägt von fachbezogener Sachlichkeit.

Ein zentraler Aspekt: Immer mehr Bürger fürchten angesichts des Lärms und der Feinstaubbelastungen um ihre Gesundheit. Ein neues Gutachten der Universität Düsseldorf, das der RP vorliegt, kritisiert die sogenannte Umweltverträglichkeitsstudie (UVS), die der Flughafen, begleitend zur Planfeststellung der Kapazitätserweiterung, beigebracht hat. So heißt es darin unter anderem, dass bereits zum heutigen Zeitpunkt die gemessenen Feinstaubkonzentrationen die empfohlenen Leitwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erheblich übersteigen.

Auszug aus der Stellungnahme der Uni (AG Umweltepidemiologie): "Eine weitere Erhöhung der bereits bestehenden Belastung sollte daher vermieden werden. Befunde von anderen Flughäfen weisen auf eine Erhöhung von Ultrafeinstäuben im Umfeld von Flughäfen hin. Dies macht eine systematische Erfassung speziell der Ultrafeinstaubbelastung sinnvoll, um diese als potenziell besonders toxisch angesehene Feinstaubfraktion zu untersuchen."

Aring und auch Ulrich Neck, Vorsitzender des Vereins "Ratinger gegen Fluglärm", sehen hier einen zentralen Ansatzpunkt - neben anderen Bereichen. Jeder Flug bedeute "Lärm plus Schadstoffe", betont Neck, der Schadstoffausstoß durch die Flugzeuge müsse als ein ernstzunehmendes und vor allem komplexes Problem gesehen werden.

Der Verein "Bürger gegen Fluglärm" mit seinem Vorsitzenden Christoph Lange hatte die Belastungen in Wohngebieten rund um den Airport gemessen (die RP berichtete). In Tiefenbroich, Lintorf und Hösel habe es eine Dauerbelastung von über 20 000, teils sogar mehr als 30 000 Partikeln gegeben. Zum Vergleich: Die Grundbelastung auf der Corneliusstraße in Düsseldorf beträgt weniger als 4000 Teilchen. Ein Lkw erzeugt einen Spitzenwert von 50 000 Partikeln.

Der Flughafen verweist auf die Werte der eigenen Messstationen, die in Sachen Feinstaub zu anderen Ergebnissen kommen. "Diese Ergebnisse belegen, dass der Beitrag des Flughafens und des Flugverkehrs nur gering ist", heißt es auf RP-Anfrage. Zu den ultrafeinen Partikeln verfüge man allerdings nicht über eigene Messungen.

Quelle: RP
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