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Kreis Mettmann
Unsere Bauern geben ihr Bestes

Kreis Mettmann: Unsere Bauern geben ihr Bestes
Milchbauer Christoph Maurer vom Hof Karpenhaus in Homberg führt seine Kühe auf die Weide. FOTO: achim blazy
Kreis Mettmann. Zum Auftakt der RP-Heimatwochen schauen wir bei Landwirten auf Äcker und Wiesen. Von Valeska von Dolega

Ein Landwirt ist längst nicht nur Bauer, Bodenkundler und Biologe, sondern auch Betriebswirt. Als solcher versucht Claus Comberg zum richtigen Zeitpunkt zum guten Kurs seine Ware - Weizen, Gerste, Winterraps & Co. - zu veräußern.

In Mettmann kennt ihn jedes Kind. Nicht zuletzt wegen seines knallgelben Mähdreschers, mit dem der knapp 60-Jährige über seine Felder düst. Je nachdem, wie das Korn steht, ist er auch in Nachtschichten auf dem von ihm liebevoll "gelben Tiger" genannten Gefährt unterwegs.. Denn "ist die Frucht reif, müssen wir sehen, dass wir sie in die Scheune bringen". Drei verschiedene Apps mit Wetter-Vorhersagen hat er auf seinem Mobiltelefon, um sich einen Überblick über die Prognosen zu verschaffen. Joystick und Touchscreen sind Hilfsmittel, mit denen er den gelben Tiger domptiert. Des Landwirts Leben hat mit den romantischen Aspekten, in denen er früher bedichtet wurde, nichts zu tun. Kollege Christoph Maurer auf Hof Karpenhaus in Ratingen kann ein Lied davon singen. Morgens kurz vor 6 Uhr klingelt bei ihm und Ehefrau Mechthild der Wecker. An sieben Tagen in der Woche sowie an jedem Feiertag. Was der Kalender auch anzeigen mag oder wie das Wetter auch ist: Die Kühe wollen gemolken werden. Alle 27, macht etwa 810 Liter. 150 Liter davon gehen in die betriebseigene Milchbar. Das ist ein schimmernder Kasten im XXL-Format. Gegen Münzeinwurf kann jedermann sich hier seine Milch zapfen, vorausgesetzt, er bringt sein eigenes Gefäß mit. "Wie frisch aus dem Euter", sagt Christoph Maurer, also weder pasteurisiert noch homogenisiert.

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es die Milchtankstelle. "Eine saubere Sache", permanent ist das Produkt auf 4 Grad gekühlt, was am Fuße des Tages übrigbleibt, bekommen die Kälbchen. Eine "große Entlastung" ist die Frischmilchtanke darüber hinaus, den Maurers bleibt Zeit, sich um das liebe Vieh sowie 60 Hektar Grünland zu kümmern. Der einzige im Ortsteil Homberg verbliebene Betrieb produziert ökologisch und in rheinischer Fruchtfolge. Vieles von dem, was vom eigenen Acker kommt, wird im Hofladen angeboten. Auch das ist typisch Bauer: Clevere Vermarktungsideen sind überlebenswichtig. Lösungen für die Zukunftsfähigkeit des Landlebens überlegen sich auch Bernadette und Lars Weidtmann. Die Eheleute sind gemeinsam auf Groß Ilbeck in Ratingen aktiv. Dessen attraktive Lage als Ausflugsziel machen sie sich seit 1998 mit dem hofeigenen Café zunutze.

Hege und Pflege der Natur und ihrer tierischen Bewohner müssen mehr als nur ein Lippenbekenntnis sein. Einer dieser Vorzeige-Bauern ist Bernd Kneer. Seit Mai 2013 betreibt der Wülfrather einen besonderen Betrieb für integrierten Pflanzenschutz. "Am Boden können wir was machen. Er ist unser Kapital." Sein Verzicht auf den Pflug dient letztlich dem Schutz vor Erosion, denn er zerstört einen Teil der Bodenfauna. Um quasi das eigene Nährstoffkapital zu stärken und damit fit für die Zukunft zu machen, ist sein Betrieb am Zwingenberger Weg einer von fünf Ausgewählten im Bergischen Land, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als "Demonstrationsbetrieb integrierter Pflanzenschutz" Vorzeige-Charakter hat. Letztlich ist seine pfluglose Bestellung so etwas wie eine Abkehr vom klassischen Ackerbau.

Nach der Ernte werden Rückstände wie Stoppel oder Stroh auf dem Feld belassen. Für die Fruchtbarkeit sorgt dann ein Teppich aus Deckpflanzen wie Senf, Ölrettich oder Phacelia. "Zwischenfruchtmischungen und Greening" heißt das in der Fachsprache und "wäre diese Fläche im Winter nicht bedeckt, würde der Hang abrutschen", erklärt Fachmann Kneer eine grün blühende Fläche mit einigen Prozent Gefälle. "Im Klartext: Ich hätte meinen Acker da unten auf dem Weg liegen." Kürbis, Rote Bete, Rosenkohl, Wirsing und Äpfel - nur wenn heimische Produkte beim Verbraucher ankommen, haben Bauern Erfolg. Wie's geht, zeigt Nermin Ischebeck. 18-jährig machte die Abiturientin ihr erstes Praktikum auf einem biologisch-dynamischen Betrieb, später widmete sie sich voll und ganz ihrer Herzensangelegenheit, der Landwirtschaft. Seit 2014 hat sie am Benninghof, Mettmann, 3,5 Hektar Ackerland. Dort wächst saisonales Bio-Gemüse und Obst, außerdem ist die gebürtige Türkin als Imkerin erfolgreich und nutzt jeden Freitag, um Produkte am Jubiläumsplatz zu verkaufen.

Und was sich dann alles Köstliches daraus zaubern lässt, wissen die Landfrauen: www.rheinische-landfrauen.de .

Quelle: RP
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