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Heiligenhaus
VHS: Flüchtlingshilfe braucht langen Atem

Heiligenhaus: VHS: Flüchtlingshilfe braucht langen Atem
Sie wollen Integration zur gemeinschaftlichen Aufgabe machen (von links): Hans-Anton Fliegauf (Awo), Beate Buchborn (VHS), Heidi Bast (Geschäftsleitung EDB) und VHS-Chef Rüdiger Henseling. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Die Volkshochschule hat zwei Konzepte zur Integration von Flüchtlingen erstellt, Doch die Finanzierung ist anhaltend schwierig. " Hilfen müssen besser gebündelt werden", sagen die Autoren. Von Sandra Kreilmann

"Deutschkurse allein reichen nicht, um Asylbewerber, die in Deutschland bleiben werden, hier zu integrieren. Für den Arbeitsmarkt und den Alltag braucht es mehr Hilfen", dessen ist sich Rüdiger Henseling sicher. Der Chef der VHS Velbert/Heiligenhaus sitzt mit seinem Team in der Praxis schon an der Front der Sprachkurse. Dort würde man gerne mehr tun, denn genau hier könne man Integrationshilfen ideal bündeln, dafür hat man gemeinsam mit der Bildungsgesellschaft E.D.B., sowie der Awo schon früh ein "integriertes Handlungskonzept" erstellt, das berufliche Qualifikation und soziokulturelle Integration von Menschen, die hier bleiben werden, zusammen führt. Das Konzept wurde von der Landesregierung positiv aufgenommen, doch trotzdem fehlen finanziellen Mittel. "Die sogenannten 'Integration Points', die die Landesregierung bei den Agenturen für Arbeit einsetzen will, gibt es eigentlich schon längst, das sind die Volkshochschulen." Doch man sei vertröstet worden, bedauert der VHS-Chef, eine Finanzierung des durchaus flexiblen Projektes benötige einige Jahre um die Finanzierung zu gewährleisten. "Die Menschen, die bleiben werden, sind jetzt da. Wenn sie nicht gefördert werden, können sich ganz eigene Probleme ergeben", sagt Heidi Bast, Prokuristin der E.D.B. Die Ersteller des Konzeptes legen dabei Wert auf eine "ganzheitliche Förderung". Ein Projektdurchgang (1.350 Unterrichtsstunden) dauert sechs Monate und ist für 120 Menschen gedacht. Die Kosten für eine Unterrichtsstunde lägen bei 5,63 Euro, insgesamt sei 912.500 Euro pro Durchgang. "Sprachkurse sind natürlich wichtig, aber man muss den Fokus auf den ganzen Menschen legen, damit er sich hier zurecht findet", so Bast. Welche Qualifikationen bringt der Mensch mit? Wofür interessiert er sich? "In einem ausführlichen Profiling inklusive Gesundheitscheck lernen wir den Menschen kennen, welcher Beruf könnte etwas für ihn sein?", fragt man. Dann geht es um die Sprachförderung, die muss handlungsorientiert erfolgen, das heißt, sie muss auch im Beruf einsetzbar sein, und nicht minder wichtig ist das erlernen der hiesigen Kulturtechniken. Wie funktioniert ein Kindergarten? Was ist Mülltrennung? Wie besuche ich einen Arzt?" Die Zusammenarbeit zwischen VHS, E.D.B. und Awo könne da allein schon Vorbildcharakter haben. Hans-Anton Fliegauf aus dem Kreisvorstand der Awo hofft, dass die Politik endlich reagiere und schnell finanzielle Hilfen für solche bündelnden Projekte zur Verfügung stelle: "Die Hilfen liegen wie Steinchen überall verteilt, aber es fehlt eine zielgerichtete Koordinierung." Die Zielgruppe, so Henseling, bleibe dabei auf der Strecke. Er ist sich sicher: "Von gelungener Integration profitiert die ganze Gesellschaft." Bereits jetzt interessiert sich die Wirtschaft für das Potenzial, das derzeit noch brach liege.

Ein aktuelles Beispiel aus der Gastronomie im Kreis Mettmann zeige, dass allein dort etwa 200 Arbeitsplätze mit Asylbewerbern besetzt werden könnten.

Quelle: RP
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