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Interview
Viel Einsatz für "Schule ohne Rassismus"

Interview: Viel Einsatz für "Schule ohne Rassismus"
Sie freuen sich über die Auszeichnung für die Martin-Luther-King-Gesamtschule (von links): Hatice Gezginci, Lina Ahmadi, Birgit Sengwitz und Mikail Ates. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Sie freuen sich über die Auszeichnung für die Martin-Luther-King-Gesamtschule: Hatice Gezginci, Lina Ahmadi, Birgit Sengwitz und Mikail Ates. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Sie sind ausgezeichnet worden als Schule ohne Rassismus. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Birgit Sengwitz Da muss ich gleich einhaken, das ist keine Auszeichnung in dem Sinne, dass wir uns eine Urkunde an die Wand hängen und einen Preis gewonnen haben. Es ist eher eine Art Verpflichtungserklärung, nachhaltig dafür zu sorgen, dass an unserer Schule auch weiterhin ein gutes Miteinander herrscht. Das bedeutet, dass wir uns darauf nicht ausruhen, sondern auch weiter Projekte zum Thema Rassismus und ähnlichem anbieten. Erwähnen möchte ich auch, dass der Titel komplett ja lautet "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Für uns bedeutet das im Alltag, bei Problemen wird nicht weggesehen, sondern direkt eingeschritten.

Klingt irgendwie so, als wäre Ihre Schule ein Hort des Friedens.

Hatice Gezginci Wir haben rund 1100 Schüler, da sind Konflikte ganz normal. Wir reden so etwas allerdings nicht tot sondern setzen uns mit den Situationen auseinander. Sowohl das Kollegium als auch die Schüler - zum Beispiel als Streitschlichter - übernehmen hier Verantwortung, sprechen Geschehnisse offen an. Und das sorgt dafür, dass wir ein gutes Klima haben trotz der ganz normalen Alltagskonflikte, die es bei uns genauso wie an jeder anderen Schule gibt.

Was ist "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" genau?

Sengwitz Das ist ein Netzwerk, an dem sich bundesweit etwa 1700 Schulen mit rund einer Million Schülern beteiligen. Es bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, in dem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Um sich an der Aktion beteiligen zu können, müssen mindestens 70 Prozent aller Menschen, die an einer Schule lernen und arbeiten sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, sich gegen jede Form von Diskriminierung dort einzusetzen.

Mikhail, Du hast einen Migrationshintergrund. Hast Du schon einmal Rassismus erlebt?

Mikhail ATES Also erst einmal möchte ich sagen, dass ich in Ratingen geboren bin, meine Eltern stammen ursprünglich aus der Türkei. Wirkliche Diskriminierung habe ich zum Glück noch nicht erlebt, aber es kommen schon einmal Sprüche von Erwachsenen nach dem Motto "Das ist ja toll, wie gut Du schon Deutsch sprichst". Das stört mich schon, ich bin Deutscher, da ist es doch logisch, dass ich die Sprache gut spreche.

Lina Ahmadi So etwas kenne ich. Ich bin Deutsche, hier geboren. Afghanistan, das Land meiner Eltern, kenne ich überhaupt nicht. Wenn ich in meinem Nebenjob angesprochen werde, ob ich denn noch zur Schule gehe, und ich dann erzähle, dass ich Abitur mache, kommen schon manchmal komische Reaktionen - so etwas wie "Das ist ja toll als Ausländer".

Flüchtlinge, Rassismus - das sind Dauerbrenner in dieser Zeit. Wie gehen Sie damit im Unterricht um?

Sengwitz Natürlich ist das Thema, es beschäftigt schon die jüngsten Schüler. Sich dem Thema zu nähern, kann manchmal so einfach sein. Meine Mutter kommt zum Beispiel aus der Schweiz, damit bin ich auch ein Mensch mit Migrationshintergrund. Wenn ich das erzähle, sorgt das immer für große Verwunderung, weil ich eben keine schwarzen Haare und dunkle Augen habe.

Jetzt bedienen Sie selbst ein Vorurteil!

Sengwitz Ganz genau, denn das ist wichtig im Umgang mit dem Thema. Nur wenn wir Vorurteile offen benennen, können wir daran arbeiten, dass die Schüler lernen, so etwas mit Argumenten zu widerlegen.

Was gibt es konkret für Projekte an Ihrer Schule?

Ates In unserer Arbeitsgemeinschaft planen wir ganz praktische Hilfen für Flüchtlinge: gemeinsames Kochen, Deutschkurse oder Spielangebote. Ein Oberstufenkurs engagiert sich außerdem ehrenamtlich in der Betreuung von Flüchtlingen.

Gezginci Wir haben zum Beispiel einen Film über Flüchtlinge in Ratingen gedreht mit den Schülern, der in der Stadt sehr viel Beachtung gefunden hat. Oder wir haben im Rahmen der Aufnahme in das Projekt Schule ohne Rassismus in unserer Eingangshalle eine große Tafel mit dem berühmten Zitat "I have a dream" unseres Namensgebers in elf verschiedenen Sprachen gestaltet, das für viele Schüler eine große Bedeutung hat.

W. SCHNEIDER STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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