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Ratingen
Viele bunte Knöpfe, alle von der Rolle

Ratingen. Die Ratingerin Sandra Schumacher stellt in ihrer Firma "Knopfsalat" Knöpfe her, wie sie keiner kennt. Mit Gesichtern, Blumen und feinteiligen Mustern. Von Isabel Klaas

Soviel Muster auf einem, maximal zwei Quadratzentimetern! Klimt und Hundertwasser hätten ihre Freude daran gehabt, was Sandra Schumacher da nach dem Vorbild der Maler zaubert. Das Auge des Besuchers ertrinkt in psychodelischen Farbenspielen, die die "Knopf-Fabrikantin" aus Ratingen nahezu täglich aufs Neue in ihrer kleinen Werkstatt hinterm Wohnzimmer unter dem Firmennamen "Knopfsalat" fabriziert.

Viel braucht sie nicht zur individuellen Knopfproduktion außer Geduld, eine ausgeprägte Feinmotorik, eine Nudelmaschine, Messer und einen Extruder. Und natürlich das Material, eine Art Knetmasse aus Polymer, die gebrannt steinhart und waschmaschinenfest wird. Wer bis dato nur Knöpfe aus Hirschhorn, Perlmutt, Holz und Plastik kannte, der kommt bei Sandra Schumacher nicht mehr aus dem Staunen raus. Da fügen sich Punkte, Ellipsen und Kreise zusammen, oft nicht größer als Stecknadelköpfe. Da blühen Rosenknospen und Edelweiß auf kleinstem Raum, schauen einen Gesichter mit rotem Kussmund an. Was sehr kompliziert aussieht, ist nach Aussagen der Künstlerin nichts als Technik, die sich aus dem Internet erlernen lässt. Allem zugrunde liegen Rollen, Dreiecke und Platten, die zu einem sogenannten Cane (einem Stock) zusammengefügt werden. Vergleichbar mit einer Sushi-Rolle, die dann in Scheiben geschnitten zu Kunst-Knöpfen wird.

Sandra Schumacher hat schon viel in ihrem Leben ausprobiert: Sie ist Fremdsprachenkorrespondentin, hat 15 Jahre ein Café betrieben, "aber gebastelt habe ich schon immer gern", sagt sie. Vom Glasperlenschmuck hat sie ich vor acht Jahren zum Knopf hin entwickelt, der besonders auf Kunsthandwerksmärkten gut ankommt. Die Rollentechnik erlaubt es ihr, unvorhersehbare Muster herzustellen. Es kommt ganz drauf an, wie dünn oder dick sie die zum Ganzen zusammengefügten Canes ausrollt. Je kleiner der Durchschnitt, desto verdichteter das Muster. Auf ihrer Werkbank liegen Hunderte dieser Canes, keiner wie der andere, manche auch zu Blöcken geformt. Aus den abgeschnittenen Scheiben werden nicht nur Knöpfe, sondern auch kunterbunte Besteckgriffe und so genannte Geheimnisträger, wasserdichte Kapseln, die man füllen kann und als Schlüsselanhänger nutzt.

Ein bisschen erinnert die Profession der zweifachen Mutter an das kindliche Vergnügen, das man beim Spiel mit Knetgummi früher hatte. "Genau so ist es", sagt Schumacher, "ich habe früher immer Metzgerei gespielt und Würste geknetet. Heute mache ich das ein bisschen ausgefeilter." Kein Tag vergeht, ohne dass sie an der Werkbank sitzt. "Am 24. Dezember habe ich in der Regel so viel für Weihnachtsmärkte produziert, dass ich am liebsten einen Monat lang pausieren möchte", sagt Schumacher. "Spätestens am 31. Dezember sitze ich schon wieder hier." Anfragen von Designern und Wollfirmen, für sie eine Knopf-Kollektion herzustellen, hat sie dennoch bisher ausgeschlagen. "Ich arbeite nicht für Modefirmen und auch nichts fürs Internet", sagt sie. Tausende Knöpfe und Zeitdruck herzustellen, das ist nicht mein Ding. Da vergeht mir die Lust." Von März bis Dezember steht ihr Mann ein- bis zweimal wöchentlich mit ihrem "Knopfsalat" auf ausgesuchten Kunsthandwerkermärkten. "Da erfährt man dann viel Wertschätzung für seine Arbeit. Und das macht mich glücklich" , sagt sie.

Quelle: RP
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