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Ratingen
Vorzäll mech wat op platt

Ratingen: Vorzäll mech wat op platt
Georg Hoberg (li.) und Friedel Bonn mit dem neuen Buch, dessen Umschlag die Kirchgasse im Jahr 1930 zeigt - als sie noch "Stinkesmist" genannt wurde. FOTO: achim blazy
Ratingen. Die Jonges haben ein Buch herausgegeben, das die Mundart feiert. Der dazugehörige Kreis trifft sich im Dicken Turm. Von Gabriele Hannen

"Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft." Soweit Johann Wolfgang von Goethe, zu finden auf der Website "Wertebündnis Bayern" der bayerischen Staatsregierung. "Wir brauchen junge Leute, die sich für Ratinger Platt interessieren" - soweit Friedel Bonn, Vor- und Fürsprecher des Mundartkreises der Ratinger Jonges. Der erste Spruch kommt wertvoll und erhebend daher, der zweite ist schon ein bisschen traurig. Denn das wackere Kränzchen um Friedel Bonn wird eher kleiner denn größer.

Wie sinnvoll, jetzt ein Buch herauszugeben, das da "Vorzäll mech wat op platt" heißt. Der Umschlag zeigt die Kirchgasse im Jahr 1930, als sie noch mit Fug und Recht "Stinkesmist" genannt wurde, weil sich dort damals noch der zum Krankenhaus gehörige landwirtschaftliche Betrieb befand, die weithin am Geruch zu erkennende "Ökonomie".

Auch wenn es Jonges gibt, die die hauchdünnen Unterschiede zwischen Ratinger Mundart-Schattierungen aus Homberg und Eckamp kennen, brauchen neue Interessenten bei weitem nicht so schlau zu sein; sie brauchen nicht mal grob die Mundart zu beherrschen, sondern nur Spaß daran haben. Alles andere wird sich ergeben.

Eine der Aufgaben, die sich der Heimatverein "Ratinger Jonges" bei seiner Vereinsgründung im Jahr 1957 gestellt hatte, ist nun mal die Pflege der hiesigen Mundart. Vor knapp zwei Jahrzehnten beschlossen dann einige Jonges, unter der Leitung von Hans Schilling einen Mundartkreis zur Pflege der Ratinger Mundart zu gründen, hier kurz und knapp Ratinger Platt genannt. Sie wollten das Vereinsleben bereichern und hatten neben Spaß am Platt auch profunde Kenntnisse. Und sie brachten immer wieder Vorträge und Treffen auf die Beine.

Dazu gehörten bis jetzt mehrere Mundart-Messen in Herz Jesu sowie in St. Peter und Paul, ein ökumenisches Erntedankfest in der Stadtkirche, Vorträge in Kneipen und im Medienzentrum. Mundartliche Beiträge bereicherten die "Quecke" vom Heimatverein Lintorf. Ein Ratinger Mundartwörterbuch ("Von Aadelskar bes Zoppemetz"), mit dem Verein für Heimatkunde und Heimatpflege Ratingen auf die Beine gebracht, und die Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Ratinger We-iter brachten die früher beliebtere Sprache nach vorne.

Das Buch, für knapp zehn Euro bei "Spiel und Buch" im Arkadenhof sowie im Buchcafé "Peter und Paula" an der Grütstraße erhältlich, wurde vom Heimatverein Ratinger Jonges finanziert und geht auf eine Initiative von Friedel Bonn zurück; mitgewirkt haben Helmut Pfeiffer und Gerd Artz. Layout und Gestaltung übernahm Volkmar Schrimpf. Die Texte, die sich vier Themen unterordnen, wurden von den Mitgliedern des Mundartkreises verfasst.

Nur die letzte Seite, die wurde vom Ratinger Original Jean "Schang" Oberbanscheidt mit einem Gedicht gekrönt, das er zum 700-jährigen Bestehen der Stadt verfasst hatte.

Wenn sich ein Ratinger - Jong oder nicht, jung oder nicht ganz jung - mit der Sprache befassen möchte, die sich unter Ratinger Platt einordnen lässt, dann wird er mit offenen Armen empfangen, nicht nur von Friedel Bonn (Telefon 50476). Die Treffen der Mundartisten finden im Dicken Turm statt, wo man herrschaftlich residieren kann. Gegenwärtig denkt man nicht nur über Texte zum Lesen nach, sondern auch darüber, wie man sie irgendwie dauerhaft zum Hören speichert - eventuell auf CD brennt.

Quelle: RP
 
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