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Ratingen
Wählen gehen - das müssen sie wissen

Ratingen: Wählen gehen - das müssen sie wissen
Frank Meißner vom Bürgerbüro mit dem 72 Zentimeter langen Wahlzettel zur Landtagswahl 2017: 31 Parteien und sieben Direktkandidaten stehen zur Wahl. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Knapp 68.000 Ratinger sind aufgerufen, ihre Stimmen zur Landtagswahl abzugeben. Was bedeuten Erst- und Zweitstimme? Vor fünf Jahren musste die CDU Verluste hinnehmen, Elisabeth Müller-Witt (SPD) wurde direkt gewählt. Von Gökçen Stenzel und Joachim Preuss

Der Stimmzettel zur Landtagswahl morgen ist lang, zu lang für diese Zeitungsseite: 31 Parteien stehen zur Wahl. Die sieben Kandidaten, die mit der Erststimme wählbar sind, stehen hingegen auf der übersichtlicheren Liste links. Der Name "Erststimme" kann eine Priorität vortäuschen, die sie tatsächlich nicht hat. In anderen Bundesländern heißt sie deshalb auch "Personenstimme".

Direktkandidaten Die Parteien haben zuvor in internen Wahlgängen festgelegt, wer ihr "Direktkandidat" wird - eine Einzelperson, die in der Regel nicht über die Liste abgesichert ist. Der Kandidat mit den meisten Erststimmen in seinem Wahlkreis erhält ein sogenanntes "Direktmandat" und wird Abgeordneter, alle anderen Kandidaten gehen leer aus. Prominentes Beispiel war vor fünf Jahren Jens Geyer. Der SPD-Mann holte aus dem Stand die meisten Erststimmen für Hilden, Langenfeld und Monheim und beendete damit die Jahre Dieter Clausers als CDU-Abgeordneter. Nun kann es Geyer genau so ergehen: Seine direkte Konkurrentin ist die CDU-Frau Claudia Schlottmann, der durchaus realistische Chancen eingeräumt werden.

Parteienstimme Die Zweitstimme hingegen ist die "Parteienstimme". Wer also möchte, dass beispielsweise die Grünen gestärkt werden, muss nicht den grünen Direktkandidaten wählen, sondern sein Kreuz bei der Zweitstimme den Grünen geben. Mit der Zweitstimme werden nur Parteilisten gewählt, die Reihung der Kandidaten steht fest. Das heißt: Je mehr Stimmen eine Partei auf sich vereinigen kann, desto weiter "zieht" die Liste - und es kommen die entsprechenden Kandidaten in den Landtag. Die Spitzenkandidaten stehen jeweils auf Platz 1 ihrer Liste - also Armin Laschet für die CDU, Hannelore Kraft für die SPD und so weiter. Erst- und Zweitstimme sind voneinander unabhängig.

Spitzenduell Im Wahlkreis 38 Mettmann III (Ratingen und Heiligenhaus) tritt Newcomer Dr. Jan Heinisch (CDU) gegen Elisabeth Müller-Witt, SPD-MdL seit 2012 und Ortsvereinsvorsitzende, an.

Newcomer Dr. Wilhelm Droste, ebenfalls aus Ratingen und für die CDU 22 Jahre lang im Landtag, hatte zum Jahresende 2016 sein Mandat aufgegeben: Der Justiziar der CDU-Landtagsfraktion begründete dies mit starker beruflicher Beanspruchung in seinem Düsseldorfer Notariat. Nun will Heinisch, Bürgermeister in Heiligenhaus, ihn beerben. Heinisch tritt gegen Müller-Witt an, die bei der vergangenen Landtagswahl im Jahre 2012 überraschend den Wahlkreis 38 direkt geholt und damit die langjährige Vorherrschaft der Christdemokraten gebrochen hat. Sie profitierte auch dabei vom Landestrend.

Wahl 2012 Denn auch in Ratingen wurde die CDU abgewatscht: Bei den Zweitstimmen stürzte die CDU auf 28,1 Prozent ab, den niedrigsten Wert in Ratingen überhaupt. Sie verlor 11,6 Prozentpunkte und fuhr die höchsten Verluste in der Geschichte der Landtagswahlen ein. Erstmals seit der Landtagswahl 1995 war die SPD wieder stärkste Partei: Mit 35,3 % (plus 6,7 Prozentpunkten) war sie 2012 Gewinnerin dieser Wahl.

Vorsprung Auch bei den Erststimmen hatte die CDU herbe Verluste hinnehmen müssen: Der Erststimmenanteil der CDU brach von zuletzt 45,3 % auf 37,8 % ein. Droste fehlten 500 Stimmen, um mit Müller-Witt mitzuhalten: Sie verbesserte mit 39 % ihr Vorwahlergebnis um satte 5,7 Prozentpunkte.

Analyse Bei der Analyse der Wählerbewegungen (Zweitstimmen) stellte sich heraus, dass die CDU in Ratingen 1740 Stimmen (2,47 %) an die FDP abgeben musste und 1530 Stimmen (2,17 Prozent) an die SPD. Die Grünen büßten bei den Zweitsimmen geringfügig ein (minus 1,8 Prozentpunkte), blieben aber mit 10,9 % im zweistelligen Bereich. Die FDP erreichte mit 13,7 Prozent ihr bestes Landtagswahlergebnis in Ratingen überhaupt. Die erstmals kandidierende Anna-Tina Pannes (FDP) erreichte auf Anhieb 6,2 Prozent. So machen sich die Liberalen Hoffnung auf ein ähnlich gutes Ergebnis.

Befragung Es haben sich mehrere Meinungsforschungsinstitute zur Wahlnachbefragung in einigen Ratinger Wahllokalen angemeldet, um ein repräsentatives Stimmungsbild zeichnen zu können. In Heiligenhaus sind das die Stimmbezirke 2131 und 2132, in Ratingen 7092, 7122 und 7151. "Die Teilnahme an der Befragung ist für die Wählerinnen und Wähler natürlich anonym und freiwillig", so Ulrike Trimborn von der Pressestelle.

Quelle: RP
 
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