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Ratingen
Waldfriedhof bald mit neuer Gedenktafel

Ratingen. Eine Plexiglas-Tafel soll ermordete Zwangsarbeiter würdigen, deren Namen jetzt bekannt wurden.

"Wir freuen uns, dass im Kulturausschuss der Text der Erläuterungstafel auf dem Waldfriedhof vorgestellt wurde," so Barbara Esser, grünes Ratsmitglied. Zusammen mit Esser hat Ratskollege Christian Otto im Stadtarchiv recherchiert, weil ihm der bisherige Text zu ungenau war. 2014 brachten die Grünen die Initiative in die Ratsgremien ein. Die Verwaltung stimmte den Text der Tafel mit den Kirchen, dem VdK und dem Verein für Heimatkunde und Heimatpflege ab. "Somit wird die Tafel noch vor dem 8. Mai - dem 70. Jahrestag des Endes der NS-Diktatur - neben dem Gedenkstein angebracht," so Otto.

Der Text soll auf einer Plexiglas-Scheibe aufgebracht werden, wie sie bereits auf dem Jüdischen Friedhof an der Werdener Straße vorhanden ist. Er lautet: "Hier ruhen elf Zwangsarbeiter, die am 13. Mai 1945 auf Anordnung der Militärregierung aus einem Bombentrichter im Kalkumer Wald geborgen und vor der Kirche St. Peter und Paul beigesetzt wurden. Sie waren kurz vor Kriegsende durch die Gestapo ermordet worden. Am 9.6.1948 wurden die Toten mit Zustimmung der Militärregierung zur ewigen Ruhe in dieses Grab umgebettet. Aufgrund von Nachforschungen konnten die Namen von sechs Menschen ermittelt werden: Bernhard Fladerrack, Jan Johannes Frikke und Simon Zoelli aus den Niederlanden, Alex Kortum aus Russland, Ladimir Snihur aus Polen und Josefa Paplowitsch aus der Ukraine. Auch viele der anderen Toten, die dort bestattet sind, waren Zwangsarbeiter. Sie kamen durch Entkräftung, Krankheit oder infolge von Kriegshandlungen ums Leben." Jene elf Zwangsarbeiter, die wenige Tage vor Kriegsende und Kapitulation von der Gestapo im Kalkumer Wald exekutiert wurden, waren vermutlich die letzten Opfer des Naziterrors in Ratingen. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung waren sie Anfang Mai 1945 aus einem Bombentrichter geborgen und vor der Kirche St. Peter und Paul beigesetzt worden. Drei Jahre später wurden sie auf den Waldfriedhof umgebettet.

Dem VdK ist es ein Anliegen ist, zu möglichst vielen Kriegsgräbern Erläuterungstafeln zu errichten. In der Stellungnahme des Heimatvereins wurde darauf verwiesen, dass zusätzliche Informationen, etwa mit Hilfe eines Faltblatts, über die Kriegsgräber verbreitet werden sollten, da Gedenksteine- und Tafeln allein dies nicht leisten könnten. Der Verein setzt sich für Führungen über den Friedhof ein und will sich aktiv daran beteiligen. Auf dem Waldfriedhof sind zwei große Gräberfelder für Kriegstote angelegt: In dem einen, unweit des Haupteingangs, ruhen die Opfer mit deutscher Nationalität - überwiegend die beim Luftangriff im März 1945 umgekommenen Ratinger, aber auch die 28 Toten, die im Januar 1945 von vier Luftminen auf der Hochstraße getötet wurden. Auf dem anderen Feld am nördlichen Rand des Friedhofs wurden die Opfer mit nichtdeutschen Staatsangehörigkeiten bestattet: Zwangsarbeiter, Soldaten und Zivilpersonen.

Quelle: RP
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