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Heiligenhaus
Warten auf den Bus - ohne Langeweile

Heiligenhaus. Haltestelle muss nicht gleich Haltestelle sein - das beweisen Heiligenhauser Nachwuchskünstler im Modell. Von Sandra Kreilmann

Wie verändert das Warten die Menschen? Ein Jahr lang, jeweils zwei Stunden in der Woche, nämlich immer in der Kunststunde, beschäftigten sich die 14 Gesamtschüler des Q1-Kunstkurses mit genau dieser Thematik unter dem Titel "Schnell mal vorbeiwarten - Kann Warten schön sein?" Yasemin Gündogdu erzählt: "Wir stellten uns die Frage, macht Warten hässlich? Oder vielleicht schön?" Klassenkamerad Benedikt Vogel weiter: "Dabei haben wir uns gefragt, wo wir selbst am meisten Zeit mit Warten verbringen.

" Das Warten auf den Bus sei dabei ganz weit vorne. Yasemin: "Manche Schüler brauchen gut eine Stunde zur Schule, und müssen zwischenzeitlich noch mal 20 Minuten auf den nächsten Bus warten. Für uns sieht das aus wie verschwendete Zeit." Ein Schuljahr lang stellten sich die Kunstschüler diese Fragen, begleitet wurde sie dabei nicht nur von der kursleitenden Lehrerin Heike Kensy-Rinas, sondern auch von Künstler Christian Deckert und dem Architekten Manuel Ruf.

Mit Mitteln des NRW-Landesprojektes "Kultur und Schule" wird dabei auch die Umsetzung auf eigene Art möglich. Alles andere als vergeudete Zeit wollen die Schüler nämlich nun den Wartenden an der Bürgerbushaltestelle "Hülsbecker Straße" bescheren, die an der Bergischen Straße liegt. Das ist buchstäblich Kunst im Alltag; wie sich die Schüler dem angenähert haben, zeigt ein Film, den sie während des Unterrichts gedreht haben. Dafür haben sie sich auch mit Filmtechnik beschäftigt, Greenscreen-Technik zum Beispiel, also dem Agieren vor der Kamera vor einer grünen Wand, auf die hinterher ein Bild gelegt wird, oder Stop-Motion, also Trickfilmkunst.

Am beeindruckendsten sind aber die die selbst-entworfenen Modelle, die die Schüler entworfen haben. Sie zeigen, wie sie sich das Warten eigentlich vorstellen. Wie sie zum Beispiel Modelle entworfen haben, die Haltestellen nach dem Geschmack der Schüler zeigen. Chillig und cool, mit Sofa-Landschaft mit Strandgefühl oder doch eher bequem und dekorativ mit Sitzkissen und spannenden Dekorationselementen. Vielleicht auch mit Bücherregal? Auch pragmatisch und einfach war ein Vorschlag, bei dem der Zugang zum Warten über eine Feuerleiter erfolgt.

Herausgekommen ist ein kreativer Kompromiss aus Holz mit drei Sitzplätzen und ganz eigenen Impulsen, der nun einen ganz besonderen Höhepunkt bietet auf der Rundfahrt des Bürgerbusses. Bei der Präsentation regnet es, der erste Härtetest für das Wartehaus aus Schülerhand: "Wir mussten zum Beispiel auch daran denken, dass das Wasser gut ablaufen kann", sagt Benedikt, "und das hat doch funktioniert." Von der Stadt gab es dafür offiziell die Erlaubnis, das Wartehäuschen auf städtischen Grund zu errichten, doch die Polizei hat sich das Häuschen auch angesehen, es habe wohl eine Beschwerde von Nachbarn gegeben.

"Wir wissen nicht, ob es stehenbleiben kann", bedauert Kensy-Rinas. Klaus Biehler vom Bürgerbusverein spricht ein Lob aus - "eine tolle Idee", findet er. Und hat auch gleich eine Idee parat: "Vielleicht kann man das bunte Wartehäuschen einfach auf den Schulgrund stellen?"

Quelle: RP
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