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Ratingen
Was im Fundbüro unter den Hammer kommt

Ratingen: Was im Fundbüro unter den Hammer kommt
"Am längsten ist die Liste mit Fahrrädern" - Fundsachenversteigerung mit Axel Stein (vorne) und Frank Meißner. FOTO: achim blazy
Ratingen. Sogar ein Tresor wurde schon bei der Stadt abgeliefert. Melden sich die Besitzer nicht, wird auch dieses Fundstück versteigert.

Im Fundbüro landet vieles. Mal ist es ein hölzerner Rosenkranz, dann eine Daunenjacke, sogar Rollatoren, Kinderwagen und sogar ein Gebiss wurden bereits abgegeben. "Am längsten aber ist die Liste mit Fahrrädern", sagt Frank Meißner. Er muss es wissen, er ist seit 30 Jahren bei der Stadt beschäftigt und kümmert sich zusammen mit seiner Kollegin Corinne Oberem um all das, was manche verlieren und andere finden.

"Zuletzt wurde ein Tresor bei uns abgeliefert", vollkommen vermodert und bemoost herrscht über seinen Inhalt noch immer keine Klarheit. "Der lag irgendwo auf einem Acker", führt Corinne Oberem aus. In solchen Fällen wird die Polizei eingeschaltet. "Vielleicht liegt ja eine Straftat vor", können die beiden lediglich mutmaßen. Es gibt keine besonderen Hoch-Zeiten wie Volksfeste oder andere Veranstaltungen, an denen besonders viel verloren und abgegeben wird. "Und es gibt auch keine Spürnasen, die viel finden und regelmäßig abgeben." Das Geschäft mit dem Suchen und Finden ist ein kontinuierliches, das sich regelmäßig durchs ganze Jahr erstreckt.

Unzählige Dinge wurden im vergangenen Jahr im Fundbüro abgegeben. "Das ist schon erstaunlich, was alles liegengelassen wird", finden beide. Mindestens sechs Monate werden Nähmaschinen, Schlüssel, Schmuck und all die Fahrräder aufbewahrt. Da die Stadt nicht über einen zentralen Ort als Sammelstelle verfügt, gibt es an verschiedenen Stellen akribisch beschriftete Boxen, Kartons und Regale, in denen die Schätze aufbewahrt werden. So wie im Keller der Friedrich-Ebert-Schule. "Daran arbeiten wir gerade, einen Sammelpunkt einzurichten", sagt Frank Meißner.

Streng genommen ist das Pflichtprogramm: Alles, was mehr wert ist als zehn Euro, muss laut Bürgerlichem Gesetzbuch vom Finder abgeliefert werden. "Der füllt eine Fundanzeige aus", in der er ankreuzt, ob er einen Finderlohn bekommen will oder nicht. Ob der im Zweifelsfall dann ausgezahlt wird, geht die Mitarbeiter des Fundbüros nichts an, "da sind wir nicht dabei, das ist Privatsache". Wer übrigens Suchender ist, muss beweisen, dass er rechtmäßiger Besitzer des betreffenden Objekts ist. Zum Beispiel bei einem verlorenen Schlüssel durch eine genaue Beschreibung, besser noch durch ein Fahrzeug, das mit diesem Schlüssel geöffnet werden kann.

Der eine oder andere Betrüger habe auch schon versucht, an Schmuck zu kommen. "Da kennen wir alle Tricks", sagt Frank Meißner.

Meldet sich innerhalb der Halbjahresfrist kein rechtmäßiger Besitzer, darf der Finder seinen Fund wieder abholen. Oder es der Stadt überlassen - die die Sachen dann versteigert. "Wir versuchen, mindestens ein Mal im Jahr eine solche Versteigerung zu initiieren", meist passiert das im Dezember. Früher fanden solche Aktionen im Foyer des Rathauses statt. Seitdem es das nicht mehr gibt, werden Schnäppchenjäger mal in die Stadthalle, mal in einer Schulaula fündig. "Gut 100 Teilnehmer" zählte Auktionator Meißner bei der vergangenen Veranstaltung im Stadthallensaal. Darunter sind auch immer eine ein paar Händler, die Handys & Co. weiterverkaufen. Bevor allerdings Digitalkameras, Mobilfunktelefone und andere elektronische Geräte unter den Hammer kommen, werden alle auf ihnen gespeicherten Daten von einem Fachmann gelöscht. "Geräte, bei denen das technisch nicht möglich ist, werden vernichtet." Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten übrigens bei Ringen, Uhren, Ketten und anderen Juwelen. "Wir sind keine Experten, deshalb lassen wir die Stücke vom Juwelier vorher schätzen." Alles, was bei einer solchen Versteigerung erlöst wird, wurde früher für den guten Zweck gespendet. In Zeiten klammer Kassen allerdings fließt das Geld nun unmittelbar in die Stadtkasse.

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