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Heiligenhaus
Was Küche und Keller zu bieten haben

Heiligenhaus: Was Küche und Keller zu bieten haben
Gelobt sei, was haltbar macht - Wilhelm Temme und Dietmar Keller machen sich im Museum mit Gerätschaften vertraut, die der heimischen Vorratsproduktion dienten. FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Die neue Ausstellung im Museum beschäftigt sich mit Kochen und Vorratshaltung in Herbst und Winter - früher. Von Paul Köhnes

Details werden Stammgästen des Museums Abtsküche bei der morgigen Ausstellungseröffnung bekannt vorkommen: "Vorratshaltung", "Schlachten", "Backen" - das alles war in den vergangenen Jahren schon einmal Thema. Jetzt hat Kustos Reinhard Schneider die Sache etwas anders aufgezogen - und hat eine liebevolle und informative Ausstellung zusammengetragen, bei der es um "Küche und Keller im Winter" geht. "Früher war der Alltag irgendwie enger mit dem Jahreszeiten verbunden", sagt er. eine Folge. Auf den Tisch kam, was die Ernte hergab. Und Vorräte, für die beizeiten gesorgt wurde.

Denn jahrhundertelang war es für einen Haushalt unerlässlich, sich einen Lebensmittelvorrat für die Winterzeit anzulegen. Ohne eine Vorratshaltung von Fleisch, vor allem aber Obst und Gemüse war an ein (halbwegs) abwechslungsreiches Kochen im Winter kaum zu denken.

Schneider selbst erinnert sich an weisheiten vergangener Tage. "Schlacht' ein schwein und weck es ein", ist eine davon. So geht es bei den Ausstellungsstücken in einer Vitrine ums "Wurstmachen". Einweckgläser mit Leberwurst gehören dazu. Das Museums-Trio - Schneider plus seine Museums-Mitarbeiter Dietmar Keller und Wilhelm Temme - haben beim Ausstellungsaufbau schon reichlich darüber philosophiert, ob über 30 Jahre alte eingemachte Wurst wohl überhaupt noch genießbar ist. Temme: "Sie sieht jedenfalls einwandfrei aus." Und er erinnert sich gern: "Eingemachte Bllut- und Leberwurdst aus dem Glas - danach haben wir uns früher die Finger geleckt."

Es ist Ausstellung ganz im Zeichen haushaltstechnischer Rückblenden: Im Herbst, wenn es ausreichend Obst und Gemüse gab, wurde ein Teil der Früchte konserviert. Bohnen wurden geschnibbelt, Weißkohl gehobelt und dann, meist in Steinguttöpfen, eingesäuert. Äpfel und Birnen wurden im (nicht zu feuchten) Keller gelagert, solange sie sich hielten. Obst und Beeren wurden auch zur Saftherstellung verwendet, zu Gelees und Marmeladen verarbeitet und mal süß oder sauer eingemacht. Noch aus der Zeit vor dem Industriezucker stammt das Dörren des Obstes auf Darren oder in Ringen auf einer Schnur über dem Küchenherd. Getrocknet wurden ebenfalls alle Hülsenfrüchte. Knollen und Wurzelgemüse wurde meist in Sandkisten, Kartoffeln in einem offenen Bretterverschlag aufbewahrt. Sollten sich Eier monatelang halten, legte man sie in Kalkmilch oder Wasserglas. Fleisch wurde meist geräuchert, eingesalzen oder in Weißblechdosen eingedost.

Die große Bedeutung des eigenen Haltbarmachen von Lebensmitteln spiegelt sich auch in den zahllosen Kochbüchern des 19. und bis Mitte des 20. Jahrhunderts wieder, in denen detaillierte Hinweise zur Konservierung und Lagerung gegeben werden. Auch hier hat Schneider Seltenes gefunden: "Es gab eigens Rezepote für Arme und ganz Arme - es ist schon bedrückend, si etwas heute zu lesen."

Die Winter-Sonderausstellung stellt die in allen Familienhaushalten praktizierte Selbstverständlichkeit der Vorratshaltung dar, die nicht allein als eine Notwendigkeit, sondern auch als Grundlage kluger Haushaltsführung bewertet wurde. In der Kochbuchliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts finden sich neben zuverlässigen und selbstgeprüften Rezepten der verschiedenartigsten Speisen, auch allgemeine Hinweise etwa zur Küchentechnik, Ratschläge und Anregungen für die praktische Hausfrau, Zusammenstellungen von Menüfolgen sowie Küchenzettel nach den Jahreszeiten geordnet.

Auch sie sind in der Sonderausstellung zu erkunden, präsentiert neben alten Geschirren aus Großmutters Küche.

Quelle: RP
 
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