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Ratingen
Wehr probt den Ernstfall

Ratingen: Wehr probt den Ernstfall
Holzhändler André Franken kann trotz der dramatischen Szenerie lachen: Es war alles nur eine Übung. FOTO: Blazy, Achim
Ratingen. Nur wenige wussten zunächst, dass es nur eine Übung war. Am Dienstagabend wurde bei der Feuerwehr Großalarm gegeben. Feuer in Lagerhalle bei Franken-Holz, zwei vermisste Personen, so lautete die Meldung. Von Stefan Mülders

Der Adrenalinspiegel sank nur langsam. Obwohl es sich beim gemeldeten "Lagerhallenbrand" in der Firma Franken-Holz nur um eine Übung handelte, waren alle Helfer hoch konzentriert und angespannt bei der Sache. Berufsfeuerwehr sowie die freiwilligen Wehren mit ihren Löschzügen aus Mitte, Tiefenbroich und nachalarmiert Breitscheid waren mit insgesamt 21 Fahrzeugen und 66 Kräften im Einsatz.

"Es gibt Übungen mit Führungspersonal, bei denen wir nach Ablauf noch darauf hinweisen müssen, dass alles vorbei ist, so sehr sind die dann noch drin im Geschehen", sagte Jan Neumann, Übungsleiter an diesem Abend. Bei ihm selbst aber war mit dem Eintreffen der ersten Rettungskräfte vor Ort die Anspannung abgefallen. "Die Vorbereitungen waren abgeschlossen und die Übung lief gut an."

Es war 19.30 Uhr, als André Franken per Mobiltelefon die 112 alarmierte. Feuer in einer der Lagerhallen, zwei vermisste Personen und eine schwer verletzte, die bei der Flucht unter einer Palette mit Holz eingeklemmt worden war. So lautete die grobe Aufgabenstellung. Während sich die Atemschutzeinheit auf die Suche nach den in der Lagerhalle vermuteten Personen machte, kümmerten sich gleich mehrere Kräfte um die "verletzte Person". Ein Arm und ein Bein lagen unter der Palette, zusätzlich ragte in Schulterhohe eine Eisenstange aus dem Körper. "Wo ist der Stapler?" In der brennenden Halle und damit nicht greifbar.

"Ich würde an dieser Stelle gerne Hebekissen sehen", flüsterte Neumann einigen Beobachtern zu. Wie auf Kommando kamen Kollegen damit kurz danach um die Ecke: Kissen unter der Palette platzieren, aufpumpen, Person bergen und versorgen – alles ging routiniert ab. Vorher war noch mit schwerem Gerät die Eisenstange durchgeschnitten worden. Nach der Versorgung des Verletzten und dem Transport zum Rettungswagen wird die präparierte Puppe eilig wieder von der Trage geschubst.

Derweil sortierten die Rettungssanitäter ihre Gerätschaften und waren kurz danach verschwunden. "Wir wollten die Berufsfeuerwehr möglichst schnell wieder zur Zentrale schicken, damit sie für Einsätze wieder zur Verfügung stehen", erklärte Jan Neumann. Tatsächlich hatte der Rettungsdienst kurz darauf noch einen echten Einsatz. Derweil hatten sich rund um die 3000 Quadratmeter große Halle die Löschfahrzeuge versammelt. Von der benachbarten Bahnstrecke aus wurde ebenfalls "aus allen Rohren geschossen". Im Einsatzfall hätte man Wasser aus dem "Schwarzen Loch", einem nah gelegenen Teich, entnommen.

Schikane: Lange Schlauchwege

Für die Übung aber sollten möglichst lange Schlauchwege genommen werden. So waren vorher bereits die entsprechend entfernten Hydranten festgelegt worden. Eine Hälfte stand in Brand – so die Vorgabe. Unter Atemschutz begab sich ein Teil der Kräfte in die vernebelte Halle hinein, während draußen neben den Löscharbeiten eine Wasserwand aufgebaut wurde, die das Übergreifen der "Flammen" auf das restliche rund 9000 Quadratmeter große Gelände verhindern sollte.

Am Ende zogen alle eine positive Bilanz. Alarmierungszeiten und Eintreffen vor Ort hatten gestimmt, die Arbeiten vor Ort liefen nahezu reibungslos und André Franken hatte Gewissheit, dass es ein wirklich dichtes Hallendach wohl nicht gibt: Er tropfte. "Aber üblichem Regen und Sturm hält es stand, da kommt nichts durch."

(RP/ila/ac)
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