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Heiligenhaus
"Weise gehen in den Garten"

Düsseldorf. "Beet, Stock und Schlag. Von Nutzgärten und Kleintierhaltung" – so heißt die neue Sonderausstellung im Museum Abtsküche. Bei der Eröffnung herrschte beträchtlicher Trubel – auch, weil lebende Tiere zum Programm gehörten. Von Ruth Ortlinghaus

Riesenandrang am Samstag im Museum Abtsküche. Schon die Eröffnung der neuen Sonderausstellung "Beet, Stock und Schlag. Von Nutzgärten und Kleintierhaltung" war ein großer Erfolg. Dicht gedrängt standen die Besucher vor den Vitrinen und tauschten Erinnerungen aus. Innerhalb von vier Monaten hat der Museumskustos Schneider mit den schon legendären Spurensuchern, Hobbyhistorikern und Zeitzeugen älteren Semesters wieder eine umfangreiche, sehenswerte Schau über Alltagskultur unter geschichtsspezifischen Gesichtspunkten erarbeitet. Viele Hobbygärtner aus dem regionalen Raum stellten ihre alten Exponate zur Verfügung. Sogar lebendes Kleinvieh war präsent. Ein "Bergischer Kräher" (Hahn) flirtete unbekümmert mit einer Henne und schmetterte sein "Kikeriki" durch die Halle, während kleine Tauben eifrig gurrten.

Motto von Ringelnatz

Das schon philosophisch anmutende Motto von Joachim Ringelnatz "Kinder weinen. Narren warten. Dumme wissen. Kleine meinen. Weise gehen in den Garten" gab viele Denkanstöße. Wenn laut Aussage des Erfurter Gartenbaumuseums heute in Deutschland 20 Millionen Gartenhaushalte existieren, müsste es demnach immer noch das früher viel zitierte Land der Dichter und Denker sein. Dass in allen Weltkulturen Gärten als Sehnsucht und als Ursprung der Menschheit galten und gelten, machte der stellvertretende Bürgermeister Heinz Peter Schreven deutlich. In seiner Einführung zog er einen fundierten historischen Abriss von der Antike bis zur Moderne, von Nutz-, Kloster- und Lustgärten. Er und der Geschichtsvereins-Vorsitzende Peter Ihle dankten den Helfern für ihre ideelle und tatkräftige Unterstützung. Die Vielfalt der Ausstellung ist beeindruckend, dokumentiert das Säen und Ernten in den Nutzgärten, den Obstanbau, Imkerei und Kleintierhaltung in einer Zeitspanne von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dass die Nutzgärten keinen paradiesischen Charakter hatten und Schwerstarbeit erforderten, zeigen die Spaten, Mistgabeln, Harken, Schubkarren und viele andere einfache Geräte. Samen, Kräuter und ein altes Herbarium (Blumenpresse) fallen ins Auge. Das nicht Ausstellbare wie "Was stinkt, düngt" ist in Fotos und Texten zu erfahren. Örtliche Brieftauben- und Geflügelzüchtervereine erzählen in Fotos und Dokumenten bis in die 50er Jahre ihre Geschichte von anno dazumal.

Altes und Neues zum Lesen

Die Ausstellung trüge nicht die Handschrift des Museumskustos wenn alte und neue Bücher fehlten oder köstlich altfränkische, zeitgeschichtliche Poeme. Ein Beispiel hiefür: "Garten und Obstbau schmücken die Hütte und den Palast, verschönern das Leben und machen die Erde zum Paradies."

Quelle: RP
 
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