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Ratingen
Weltoffene Aleviten wollen die Stadt Ratingen bereichern

Ratingen. 84 Mitglieder zählt die Alevitische Gemeinde Ratingen aktuell. Wie diese Frauen und Männer sich als stolze Bürger ihrer Stadt fühlen und zur kulturellen Vielfalt beitragen, die Gesellschaft deuten und sie mitgestalten wollen, darüber informierte Sevim Geyik, Co-Vorsitzender der Gemeinde, Sonntagnachmittag im Ahi-Festsaal an der Kaiserswerther Straße.

"Wir wollen zeigen, wer wir sind, was wir denken und was wir machen", brachte es Veli Cetintas auf den Punkt. Seit 23 Jahren lebt das Vorstandsmitglied der Gemeinde in der Dumeklemmerstadt, die er "sein Zuhause" nennt. Türkische Aleviten beschreibt er als eine "liberale Spielart des Islam". Seit einem Jahr als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt, rollen sie keine Gebetsteppiche aus, gründen keine Moschee, "wir glauben an den Menschen".

Nach dem Motto "leben und leben lassen" setzen sie auf Toleranz. Wie das geht, erfährt der Interessierte durch einen Besuch.

"Wer uns kennenlernen möchte, ist jederzeit im Gemeindezentrumwillkommen." Beispielsweise zum Muharrem, wie die in zwei Wochen beginnende, zwölfttägige Fastenzeit heißt. Oder zum Musikunterricht, der Hausaufgabenbetreuung oder bloß zur Plauderstunde. Die islamischen Verbände mit ihrer eher konservativen Theologie oder ihrer immer noch engen Bindung an die Türkei sind den Ratinger Aleviten fremd. "Alles, was existiert, hat seinen Ursprung im Licht", eröffnete Moderatorin Nurhan Arslan den Vortragsnachmittag.

Delil Uyandirmak Ritüeli erklärte dann dieses für die Aleviten typische Ritual der Lichterweckung. Selahattin Erkan, Geistlicher und von seiner Gemeinde "Dede" genannt, sprach, und das gemeindeeigene Ensemble intonierte Musik. Sie pflegen einen säkularen Lebensstil und vielleicht, weil sie so unauffällig sind, sind sie bislang vielen noch unbekannt.

In den Wortbeiträgen von Ziya Kalkin und Melek Yilduz wurde auf die Migrationsgeschichte und Grundlagen ihrer Lehre eingegangen und immer wieder betont, dass die Gemeindeglieder durchaus religiös, dabei aber vor allem weltoffen sind. Dass sie mit unartikulierten Positionen von Radikalen rein gar nichts am Hut haben, wurde klar. Und dass es noch viel mehr über sie zu erfahren gibt, ebenfalls. Am besten ohne Berührungsängste. "Wer sich interessiert, zerreißt den Schleier des Misstrauens am besten", sagte ein Besucher.

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