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Kreis Mettmann
Wenn der Rollator hakt - Tricks helfen

Kreis Mettmann: Wenn der Rollator hakt - Tricks helfen
Ein kurzer Tritt auf einen Hebel am Hinterrad hebt den Rollator vorn an. Das erleichtert zum Beispiel das Überwinden von Bordsteinen - das Gerät muss nicht mühsam angehoben werden. FOTO: Olaf Staschik
Kreis Mettmann. Die meisten Unfälle mit Gehhilfen passieren, weil Senioren nicht richtig gelernt haben, sie zu bedienen. Im St.-Josef-Krankenhaus gab es jetzt Fahrstunden mit Fachleuten. Von Daniele Funke

Was wäre wenn? Eine Frage, die ein gewisses Maß an Vorstellungskraft und Fantasie voraussetzt. Was wäre zum Beispiel, wenn meine Beine nicht gesund wären, ich auf einen Rollator oder gar einen Rollstuhl angewiesen wäre? Beim Rollatortraining im Haaner Krankenhaus entsteht für mich ein erster Eindruck, wie sich das anfühlt, eine Bürgersteigkante als nahezu unüberbrückbares Hindernis zu erleben oder einen Ast als gefährliche Stolperfalle. Um so wichtiger ist es, dass die Gehilfe mir maximale Fallsicherheit bietet. Bevor ich also zu meiner ersten Rollatorfahrt aufbreche, muss mein Gefährt meiner Größe angepasst und auf eventuelle Schäden gesichtet werden.

Auch Gerda Blättler ist zum Rollatortraining in der Krankenhaus-Aula an der Robert-Koch-Straße gekommen. Sie feiert an diesem Tag ihren 81. Geburtstag und bringt ihre eigene Gehilfe mit. Torsten Muntz, Medizinproduktberater vom Haaner Sanitätshaus Böge, nimmt sie direkt unter die Lupe. Die Seniorin freut sich sichtlich über den Service. "Ich ziehe ein wenig die Bremsseile nach", erklärt der Fachmann, und sein geschultes Auge entdeckt eines sofort: "Ihre Handgriffe sind unterschiedlich hoch, das müssen wir ändern."

Mein erster Selbstversuch mit einem Rollator macht mir eins schnell klar: Nur wenn die Griffhöhe optimal eingestellt ist, kann ich eine gebückte Haltung vermeiden. Mit geradem Rücken lassen sich nicht nur Schmerzen vermeiden, sondern man hat die Gehhilfe besser unter Kontrolle. "Um die richtige Höhe zu ermitteln, stellt man sich gerade hinter den Rollator und lässt die Arme seitlich locker hängen. Die Höhe der Handgelenke bestimmt die richtige Höhe der Griffe", erklärt Muntz´ Kollege, Andreas Gerlach. Gerda Blättler staunt. "Ja, jetzt kann ich richtig gerade stehen", freut sie sich. Und noch etwas fällt den Fachmännern auf, während Gerda Blättler und ich unter ihren kritischen Augen die Gehhilfen schieben: "Sie müssen zwischen den Hinterreifen laufen, nicht dahinter. Ansonsten geht der Rollator mit ihnen spazieren und nicht sie mit ihm", erklärt Gerlach. "Den Fehler sieht man auf der Straße recht häufig." Dann kommt noch Rosemarie Schaefer hinzu.

Die aufgeweckte alte Dame ist seit fünf Jahren auf ihren Rollator angewiesen, er ist ihr zu einem treuen Weggefährten geworden. Nun soll die Seniorin eine Kante hochfahren, auf einer extra aufgebauten Test- und Übungsstrecke. Ich folge ihr mit meinem Rollator. Da ich keine Erfahrung besitze, mache ich es wie Rosemarie Schaefer und hebe die recht leichte Gehilfe einfach hoch. Während das für mich kein großes Problem ist, ist es für die gehbehinderte Frau ein echter Kraftakt. Torsten Muntz hat eine Überraschung für uns. "Schauen Sie mal, an den Hinterrädern befinden sich zwei kleine Hebel. Das sind so genannte Trittkappen. Wenn sie dort leicht drauf treten, geht der Rollator vorne automatisch hoch." Rosemarie Schaefer ist fassungslos. Fünf Jahre lang hat sie das nicht gewusst. "Es ist sehr wichtig, dass, wenn ein Rollator nötig wird, man sich in einem Fachgeschäft beraten und sich alles zeigen lässt. Es gibt unterschiedliche Modelle, je nach Preisklasse unterschiedlich ausgestattet", rät Gerlach.

Nun fahren wir alle nacheinander und langsam über die kleine Teststrecke, über die unterschiedlichen Böden, von glatt bis holprig. Aber weder die beiden erfahrenen Seniorinnen noch ich als Anfängerin stolpern oder geraten in Unsicherheiten.

"Alles wunderbar", resümiert Torsten Muntz. "Sie alle haben soeben den Rollatorführerschein bestanden."

Quelle: RP
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