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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Wenn die Ratinger Piraten plötzlich den Rat entern

Ratingen. Die kleine Fraktion forderte das Ende des Rathaus-Projektes und sorgte im Stadtparlament für einen Paukenschlag.

Die Piraten! Verwegen, durchsetzungsstark, ja tollkühn? In Ratingen kommt die Fraktion um Thomas Woywod und Jochen Drahorad eher wie ein müdes Grüppchen daher, das nach einem Landgang erst einmal ausschlafen muss. Der Eindruck kann trügen, die Politiker sind vor allem in virtuellen Welten unterwegs. Nach außen wird wenig kommuniziert, ab und zu gibt es einen Antrag, der aber kaum einen Anlass liefert, breiter diskutiert zu werden.

Doch in dieser Woche war alles anders: Da gab es dieses Schreiben, das als E-Mail und in gedruckter Form Verwaltung und Politik erreichte. Man staunte: Die Piraten wollten doch allen Ernstes das Rathaus-Projekt kippen. O-Ton: "Der aktuelle Status des Projektes ist in einem Zustand, dass es eine richtige Entscheidung des Rates wäre, sich von dem Projekt in der ursprünglichen Form zu verabschieden." Absurd? Nein! Denn Woywod und Drahorad trafen mit diesem Vorschlag einen wunden Punkt. Ein Aufschrei im Volk ist ausgeblieben, als die erste Nachricht von der erheblichen Zeitverzögerung die Runde machte. Und auch zu späteren Phasen gab es überhaupt keine Anzeichen von Empörung.

Das kann man so interpretieren: Vielen Ratingern ist es mittlerweile egal, was aus dem Projekt wird. Oder sie sind immer noch stinkesauer über den Verlauf der beiden Bürgerentscheide zur Zukunft der Verwaltungszentrale. Oder sie vermissen das Rathaus gar nicht, weil es im Medienzentrum ein Bürgerbüro gibt, das sie mit allem Wichtigen versorgt.

Die Piraten haben jedenfalls eine Art Grundstimmung aufgegriffen, die mit der Sorge einhergeht, dass Stadt und Politik das Projekt immer mehr entgleitet. Nun hat der Rat nach kontrovers geführter Debatte entschieden, dass ein Generalunternehmer (GU) das Projekt stemmen soll. Zweifel bleiben - auch bei Teilen der Fraktionen, die sich für einen GU ausgesprochen haben.

Im März wird sich zeigen, wer von den Unternehmen bereit ist, das Rathaus zu bauen. Der Antrag der Piraten landet wieder in der Schublade, doch das Menetekel vom vorzeitigen Ende des Projektes bleibt in den Hinterköpfen.

Quelle: RP
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