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Ratingen
Wenn ein Leben zu Ende geht, leidet sie mit

Ratingen. Seitdem sich die Hospizbewegung Ratingen gegründet hat, ist Gerlinde Marzi mit dabei. Haupt- und ehrenamtlich. Von Valeska von Dolega

"Das Wichtigste ist, gut geschult zu sein. Und mindestens ebenso wichtig ist, sich selbst zurücknehmen zu können", urteilt Gerlinde Marzi über Befähigungen und Eigenschaften, die einen guten Hospizhelfer charakterisieren.

Sie muss es wissen. Die inzwischen 71-Jährige ist eine derjenigen, die sozusagen die Hospizbewegung Ratingen e.V. mit aus der Taufe gehoben hat. 1995 war Gründung, im Februar des darauf folgenden Jahres zog der Verein an die Grünstraße um. "Zusammen mit einer Kollegin hatte ich montags Telefondienst." Auf die Idee, sich beim Hospizverein einzubringen, kam sie über eine Informationsveranstaltung. Die hatte sie noch in ihrer Funktion als Vorsitzende der Frauenunion besucht. "Wenn ihr Hilfe braucht: Da bin ich!" Und als sie die Politik an den Nagel hing, erinnerte sie sich an ihr Versprechen. Seitdem ist die gebürtige Frankfurterin ("genau genommen komme ich aus Bensheim"), die im September 1976 ihrem Ehemann nach Ratingen folgte, der damals als Küchenchef das Restaurant Hugenpoet in Essen-Kettwig übernommen hatte, in einer Doppelrolle aktiv.

Als hauptamtliche Mitarbeiterin im Bürodienst gehört zu ihren Verwaltungsaufgaben, Mitglieder zu betreuen, über Aus- und Eintritte penibel Buch zu führen und ebenso akkurat die Spenden zu dokumentieren. Als Ehrenamtlerin ist sie in der Trauer- und Sterbebegleitung tätig und neuerdings auch in der jüngst konzipierten Gruppe der Kindertrauerbegleitung.

"Gerlinde Marzi ist für mich eine ganz besondere Frau, deren Fähigkeiten ich immer wieder neu kennenlerne", sagt Martina Rubarth über sie. "Sie ist im Büro die Bürofachkraft. In der Begleitung die unterstützende, vorsichtige Begleiterin, die auch gerne mal für das leibliche Wohl der Betroffenen sorgt, in dem sie etwas Leckeres für diese kocht. In der Kindertrauer engagiert sie sich jetzt seit neuestem für die Belange trauernder Kinder mit ihrer Liebe zur Kreativität, zur Natur und mit besonderen Geschichten, die sie mit Leben füllt. Zusätzlich entwickelt sie auch noch den Freundesbrief. Die Ruhe und Zufriedenheit, die sie ausstrahlt, machen ein Zusammensein mit ihr für mich äußerst angenehm."

Grundsätzlich gilt für sie das übergeordnete Motto "Nicht wir sind Bestimmer, sondern der Patient bestimmt, was er will." Emotional schwierig sind "lange Begleitungen, die plötzlich abgebrochen werden. Das ist dann nicht richtig zu Ende." Oder wenn Menschen sterben, die jung an Jahren sind. "Es gibt Grenzen. Es ist nicht leicht, wenn ein Leben zu Ende geht. Da leidet man mit."

Neben dem sich-zurücknehmen-können ist Achtsamkeit mit sich selbst ein hohes Gebot, wie sie in einer der Ausbildungen gelernt hat. "'Sorgen Sie gut für sich', hat einer der Ausbilder uns mit auf den Weg gegeben. Daran versuche ich mich zu halten."

Schöne Momente in der "oft sehr bewegenden Arbeit" gibt es ebenfalls, den Umgang mit Menschen mag Gerlinde Marzi. "Manchmal reicht es doch, nur auf Menschen zuzugehen und sie zu fragen, wie es ihnen geht." Und durch ihre lange Mitarbeit in der Hospizbewegung sind "tiefe Freundschaften" entstanden. "Als mein Mann plötzlich starb, war ich nie alleine. Da kam ganz viel Trost."

Die Einstellung zum Tod hat sich durch die Aufgaben nicht verändert. "Ich bin von Haus aus sehr optimistisch und lebe ganz im Hier und Jetzt." Außerdem ist sie von der christlichen Überzeugung geprägt, "Anfang und Ende sind uns vorbestimmt." Als ihr Sohn zu einem Bundeswehreinsatz nach Bosnien einberufen wurde, plagten sie deshalb keine nagenden Ängste.

Ausgleich zu den Hospiz-Aufgaben findet sie bei der Familie mit Tochter und Sohn oder beim Patience legen. "Das bringt mich runter und beruhigt mich." Außerdem liebt Gerlinde Marzi Steine und unternimmt schon mal Ausflüge zu Steinbrüchen in Hannover und anderswo, um ihrem Hobby zu frönen.

"Wir haben klein angefangen und uns gut entwickelt", resümiert sie auch hinsichtlich einiger jüngerer Ehrenamtler im übrigens überwiegend weiblichen Hospiz-Team.

Quelle: RP
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