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Ratingen
Wenn Freunde über Steine sprechen

Ratingen: Wenn Freunde über Steine sprechen
Stefan Kraus sorgte im Gespräch mit Josef Wolf (rechts) für einen kurzweiligen Abend zum Thema Kunst. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. "Schüttungen" von Josef Wolf sind noch wenige Tage in St. Peter und Paul zu sehen. Dann werden die Installationen wieder abgebaut. Von Gabriele Hannen

Was soll das denn nun werden im Museum Ratingen: drinnen wie draußen um die 30 Grad Celsius, ein Künstler und ein Museumsleiter, anmutig an kleinem Tischchen sitzend, vor einem geneigten Publikum in einem so genannten Künstlergespräch plauschend vereint. Also - war das nun Konfekt für Intellektuelle oder muntere Kurzweil für anspruchsvoll Vergnügungssüchtige?

Es wurde ein sinnbringendes Erlebnis, da der Künstler Josef Wolf, derzeit noch mit drei Installationen in St. Peter und Paul und mit Papierarbeiten im Museum vertreten, und Stefan Kraus, Chef des außergewöhnlichen Erzbistums-Museums Kolumba, bestens ihr Hand- und Mundwerk beherrschten. Der eine kam darüber hinaus als gelernter, der andere als geborener Kölner daher. Und, aus dem "hillige Kölle" angereist, brauchten sie beide nicht hochgestochen rhetorisch rumzukünstlern.

Es wurde ein kurzweiliger Abend, weil die beiden keinen Hehl daraus machten, dass sie sich nicht nur kennen, sondern auch sehr schätzen, dass sie schon manche fruchtbare Begegnung hinter sich gebracht haben. Außerdem wollten sie weder ein Show-Gespräch abfackeln noch eine Publikumsbelehrung übers Auditorium wabern lassen.

Erst nahm Kraus ein Buch zur Hilfe, um dann mal zu zeigen, wie sich nach Wolfs Wille die gestapelten oder geschütteten Schieferplatten mit den großen Tuffsteinblöcken aus Weibern in der Eifel zu beachtlichen Skulpturen fügen - schließlich hatte noch nicht jeder Zuhörer die Installationen in St. Peter und Paul betrachtet. (Sie werden erst ab dem Mittwoch der kommenden Woche wieder abgebaut.) Später ging es dann ins Kabinett des Museums, wo die Ölkreide-Zeichnungen hängen, die zeigen, wie sich Wolf die Entwicklung von Steinen vorstellt.

Es wurde ein Zwiegespräch, kein eingeübtes, doch freundlich und inhaltsreich präsentiert. Ja, manchen Steinen sähe man schon im Steinbruch an, wie sie sich letztlich aufstellen lassen, wie sie klaglos eine aufrechte Haltung einnehmen, wie sie sich trotz beachtlicher Form dennoch harmonisch in Installationen fügen, keine erklärenden Titel brauchen und gleichermaßen stolz wie scheinbar belanglos in einem großen Raum dastehen. Der Steingestalter tauchte dann mit einfacher Schilderung in seine Vorstellungen vom Gestalten ein: Er stapelt säuberlich grauen Schiefer, exakt und wie zu festen Körpern gefügt, komponiert dazu voluminöse und kaum bearbeitete Tuffsteine, die allein oder zu mehreren in Beziehung treten.

Der 61 Jahre alte Josef Wolf antwortet unaufgeregt und uneitel, ist eben ein herzlicher Mann aus Andernach - der an der Hochschule für bildende Künste bei Ulrich Rückriem studiert hat und seit 1981 als freischaffender Bildhauer in Köln arbeitet. Er hat in Galerien und Museen ausgestellt, im In- und im Ausland und auch im Kunstmuseum des Erzbistums Köln, im Kolumba, vor fünf Jahren.

Da war dessen Leiter - eben Stefan Krause - seit zwei Jahren im Amt. Er, der sechs Jahre jünger ist als der befragte Künstler, hat Kunstgeschichte und Germanistik studiert, verantwortet ein immer wieder preisgekröntes Museum und dessen Programm, hat einmal in einem Interview erklärt, dass der schönste Ort in Köln "der Dom ist, morgens vor acht Uhr", der das Gespräch mit Menschen vor Kunstwerken liebt und nichts von dem Klischee hält, "dass man über alles und jedes informiert sein kann oder sollte". Wie tröstlich. Erbaut und informiert applaudierte das Publikum.

Darunter waren die ehemalige Vorsitzende des Museums-Fördervereins (und jetzige Ehrenvorsitzende), Marie-Luise Otten, und ihre Nachfolgerin im Amt, Sabine Tünkers. Beide wurden von Museums-Leiterin Alexandra König herzlich begrüßt.

Und dann, Hitze hin oder her, gab es manches freundliche Gespräch und kühle Schlückchen.

Quelle: RP
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