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Ratingen
Wie 130 Schüler zu Fuß umziehen

Ratingen. Ihr Weg zur neuen Schule führte am letzten Schultag vor den Ferien von der Oberilp in die Unterilp. Von Paul Köhnes

Der erleuchtete Weihnachtsbaum im Schulfoyer ist schon von weither durch die Glasfronten zu erkennen. Und der fröhliche Pausenlärm klingt um kurz vor 10 Uhr morgens wie immer. Rein gar nichts unterscheidet sich an diesem Dienstag vom gewohnten Alltag an der Regenbogenschule. Doch schon eine gute halbe Stunde später wird hier nichts mehr so sein, wie es einmal war. Ein Kapitel Schulgeschichte geht zu Ende. Der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien ist für die 130 Kinder zugleich Umzugstag.

Paola aus der Klasse 4b hatte morgens früh bei der Adventsfeier noch einen schönen eigenen Auftritt: "Schülerin der Woche" ist sie geworden, kurz bevor alle ihre Siebensachen in Schuhkartons, Rucksäcke oder Plastikdosen verpackten und sich auf dem Schulhof zu einem besonderen Stück Weg wiedertreffen. "Ich habe einer Klassenkameradin bei Mathe geholfen", sagt sie. Dafür gabs das Wochen-Lob. Lehrerin Ute Küppersbusch ist stolz auf ihre Schülerin. Paola ist erst vor vier Monaten aus Kroatien hier an die Schule gekommen - und lernt unheimlich schnell."

Mohamed, ihr Mitschüler aus Klasse zwei, hat seine Pinsel, Wachsmalstifte und den Farbkasten eingepackt. Dazu keine Spur von Aufregung vor dem Umzugstag. "Ich kenne den Weg ja schon. Wir haben in der Unterilp immer Sportunterricht."

Es sollte auch keine Erkundungstour werden, was Schulleiterin Ellen Schieferstein und ihr Kollegium sich für den besonderen Tag ausgedacht haben. "Wir wollten nur nicht, dass die Kinder hier in die Ferien gehen - und danach einfach so in ihrer neuen Umgebung ankommen." Die neue Umgebung, das ist die seit Jahren nicht mehr genutzte Schule Unterilp an der Moselstraße.

Bevor die Kinder gestern ankommen, parken dort noch alle möglichen Handwerkerautos. Und die Kinder des nahen Familienzentrums stehen schon als Empfangskomitee Spalier.

Am alten Standort Hunsrückstraße schaltet Hausmeisterin Susanne Schönenstein um 10.15 Uhr den Pausengong für immer ab. Sie vertritt ihren Kollegen Herbert Fischer. In dessen Loge hängen vorläufig noch die Beatles-Poster aus den 70er Jahren. Und im Sportraum nebenan stapeln sich die Kisten. "Man kann sich kaum vorstellen, was sich in einer Schule über die Jahre so alles anhäuft", kommentiert Ute Küppersbusch. Dafür, dass zum Schulbeginn nach den Ferien alles wieder am Platz ist, werden nun Umzugsexperten sorgen.

An der Moselstraße wirft Schulpflegschaftsvorsitzende Anja Hobbs erstmal kritische Blicke auf den Schulhof. "Ich bin eigentlich sauer, dass hier so viele Bäume gefällt worden sind. Ich finde, ein Baum mit einer Bank dran, gehört auf jeden Schulhof", sagt sie. Ansonsten ist sie zufrieden mit dem organisatorischen Vorlauf, auch wenn außerhalb der sieben frisch hergerichteten Klassenräume noch viel Arbeit wartet.

"Ist eigentlich sehr schön geworden in der Unterilp", das ist der erste Eindruck von Brigitte Matthey. Ihre zwei Enkel besuchen die zweite und dritte Klasse der Regenbogenschule, nutzen außerdem das Ganztagsangebot. "Die Räume in der Oberilp sind doch sehr in die Jahre gekommen." Ein wenig trauert Anja Hobbs noch der zunächst angedachten Lösung für die Regenbogenschüler hinterher. Der Umzug in die zeitweise ebenfalls leerstehende ehemalige Hauptschule am Sportfeld war eigentlich schon beschlossene Sache. Dort aber ist inzwischen eine Erstanlaufstelle des Landes für Flüchtlinge eingerichtet. Jetzt hofft Hobbs darauf, dass in der Unterilp noch mehr Raum für die Schulangebote geschaffen wird, als die sieben Klassenräume. "Acht Räume - das wäre perfekt."

Quelle: RP
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