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Heiligenhaus
Wie "Asse" für Sicherheit sorgen

Heiligenhaus. Straßenverkehr, Einbrüche, Trickdiebe - Ehrenamtler und Polizei beraten Senioren. Von Paul Köhnes

Markttag - auf dem Mansfieldplatz vor der Sparkasse an der Hauptstraße geht es morgens schon vergleichsweise wuselig zu. Immerhin ist der Wochenmarkt in Sichtweite. Mindestens ebenso gefragt ist der Stand vor der Sparkasse, den Hauptkommissarin Saskia Pletsch für die Polizei mit einem hohen Ständer voll Infomaterial und einem kleinen Besprechungstisch ausstaffiert hat - interessiert beobachtet von frühen Terrassengästen der Bäckerei nebenan.

Die Themen am Stand klingen beim ersten Hören nach schwerer Kost, Roswitha Habig listet auf: "Es geht hier um alle Themen, die Seniorensicherheit betreffen: Einbruchsschutz, Schutz vor Trickdieben, Verhalten im täglichen Straßenverkehr." Um hier mitzuhelfen, hat sich Habig zur Mitarbeiterin im Aktionsbündnis Seniorensicherheit schulen lassen, zusammen mit den Heiligenhausern Hannelore Richter, Dagmar Haarhaus und Hugo Neuer. Das Infomaterial der Polizei zu verteilen, gerät am Stand schnell zur Nebentätigkeit. "Weil wir inzwischen einigermaßen bekannt sind, gibt es hier auch nette Schwätzchen", sagt Dagmar Haarhaus. Ihr Selbstverständnis: "Wir sind definitiv keine Hilfspolizisten. Sondern wir geben Informationen in unseren Freundes- und Bekanntenkreisen weiter." Und eben - drei- bis viermal pro Jahr - an Infoständen.

Speziell in Heiligenhaus ist es der Radverkehr, der zunehmend in den Fokus gerät. Ein Alltagsbeispiel ist unmittelbar am Infostand zu sehen. "Der markierte Radfahrstreifen führt die Radler entgegen der Fahrtrichtung der Autos. Das ist gewöhnungsbedürftig", kommentieren die ehrenamtlichen "Asse" - so heißen die Helfer im Aktionsbündnis kurz und einprägsam. "Wir erklären, wie der Radverkehr hier geregelt ist", sagt Pletsch. Es sei eine "sehr spezielle Planungslösung der Stadt" entlang eines Teils der ehemaligen Bundesstraße. Die Folgen kommentiert Habig trocken: "Radler werden hier oft angemeckert."

Ein weiterer neuralgischer Punkt, immer wieder Gesprächsgegenstand: die Geldautomaten der Sparkasse. Schon öfter hat Haarhaus von einer Trickmache gehört: "Jemand steckt seine Karte ein, tippt die Geheimnummer. In diesem Moment wird er von einem Unbekannten in ein Gespräch verwickelt und abgelenkt. Ein zweiter kommt blitzschnell und unbemerkt hinzu, tippt seinerseits den Höchstbetrag zum Abheben ein - und verschwindet mit dem Geld." Hier wie auch an Supermarktkassen hilft nur äußerste Vorsicht, wissen die Asse. "Es geht darum, Leute für bestimmte Alltagssituationen zu sensibilisieren, in denen sie leicht zu Schaden kommen könnten." Taschen und Geldbörsen sollten immer sicher verwahrt werden in verschlossenen Taschen - sie gehören keinesfalls obenauf in den Einkaufswagen. "Man muss wissen, dass Trickdiebe geschult sind und einen Blick für potenzielle Opfer haben", sagt Dagmar Haarhaus.

Bevor die Ehrenamtler an Ständen ihr Wissen weitergeben, werden sie von Polizeiexperten in unterschiedlichen Themenbereichen ausgebildet. Mindestens so wichtig wie die inhaltlichen Schwerpunkte findet Hauptkommissarin Pletsch den persönlichen Zugang der Berater: "Hier geht es grundsätzlich nicht ums Belehren mit erhobenem Zeigefinger. Jemanden auf nette Art vom Tragen eines Radfahrerhelms zu überzeugen - auch das ist ein Erfolg, der zur Prävention zählt." Und dazu brauche es nicht unbedingt ausschließlich uniformierte Polizei. Auch wenn deren Präsenz an den Infoständen erfahrungsgemäß gerngesehen werde. Über den Erfolg des Stands beraten die Asse nach zwei Stunden - eine Themen-Statistik führen sie aber nicht.

Quelle: RP
 
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